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Islamische Bildung und Erziehung an Koranschulen in Süd- und Südostasien : Problemfelder und Reformansätze
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Islamische Bildung und Erziehung an Koranschulen in Süd- und Südostasien: Problemfelder und Reformansätze Henning Effner, FES Indonesien, Oktober 2005 Die große Mehrheit der Koranschulen in Süd- und Südostasien vertritt keinen radikalen Islam, sondern moderate Weltanschauungen. Bei einer Reform der Ausbildung an die­sen Schulen geht es vor allem um eine Modernisierung des Unterrichts. Insbesondere sollten säkulare Fächer in die Lehrpläne der Koranschulen integriert und neue Unter­richtsmethoden eingeführt werden. Neben der Mehrheit der Koranschulen, die einen gemäßigten Islam vertreten, gibt es jedoch auch solche, an denen Gewalt, Hass und Intoleranz gepredigt werden. Diese Koranschulen wirken als Multiplikatoren bei der Verbreitung radikal-islamischen Ge­dankenguts und tragen dazu bei, dass extremistische und militante islamische Gruppen Zulauf erhalten. Um diese radikal-islamischen Strömungen einzudämmen, ist es not­wendig, die staatlichen Aufsichts- und Kontrollmechanismen zu verbessern und Koran­schulen stärker in ihr gesellschaftliches Umfeld zu integrieren. Seit dem 11. September 2001 werden Koranschulen mit internationalem Terro­rismus in Verbindung gebracht. Für man­che Kritiker sind sieSchulen des Has­ses, in denen junge Männer indoktriniert und durch eine radikale Auslegung des Korans zu militanten Extremisten erzogen werden. Dies ist mit Sicherheit ein pau­schales und überzogenes Urteil. Anderer­seits besteht aber auch kein Zweifel dar­an, dass an vielen dieser Schulen Gewalt und Intoleranz gepredigt werden. Durch die Bombenanschläge in London im Juli dieses Jahres sind Koranschulen nun er­neut in das Zentrum öffentlicher Auf­merksamkeit gerückt, da mindestens ei­ner der vier Attentäter zuvor eine islami­sche Religionsschule in Pakistan besucht hatte, die für ihren religiösen Fanatismus bekannt ist. Der britische Premierminister Tony Blair hatte die pakistanische Regie­rung daraufhin aufgefordert, entschlos­sener gegen extremistische Koranschulen vorzugehen, um die Verbreitung radikal­islamischen Gedankenguts zu unterbin­den. Aber nicht nur Koranschulen in Pakistan stehen im Kreuzfeuer der Kritik. Auch in anderen Ländern Süd- und Südostasiens ist ihre Rolle umstritten. In Afghanistan wurden Koranschulen für den Aufstieg der Taliban mitverantwortlich gemacht. In Indien kommt es immer wieder zu ge­walttätigen Auseinandersetzungen zwi­schen Moslems und Hindu-Nationalisten, die den Koranschulen vorwerfen, Terroris­ten auszubilden bzw. diesen Unterschlupf zu gewähren. Und in Indonesien gehen mehrere Bombenanschläge der letzten Jahre auf das Konto der Terrororganisati­on gÉã~~Ü=fëä~ãáó~Ü. Mehrere Mitglieder dieser Terrorgruppe sollen Koranschulen in Indonesien bzw. auf den Philippinen besucht haben. In Süd- und Südostasien werden täglich Millionen von Schülern an islamischen Religionsschulen auch Koranschulen oder Madrassas genannt unterrichtet. Allerdings gibt es nur unzureichende In­formationen darüber, was und wie an diesen Schulen gelehrt wird. Sind Koran-