Gebildet, benachteiligt, ein Kind: Frauen in Südkorea Peter Gey, FES-Seoul, Oktober 2005 • Die Prägung der Geschlechterverhältnisse durch die konfuzianisch beeinflusste Tradition reichte in Korea weit in das 20. Jahrhundert hinein. Die Auffassung, Frauen sollten nach der Eheschließung aus dem Berufsleben ausscheiden, ist auch heute noch verbreitet. • Industrialisierung und Verstädterung sowie Kampagnen zur Geburtenkontrolle ließen die Zahl der Neugeborenen außerordentlich schnell sinken. Statistisch werden in Südkorea nur noch 1,16 und damit weltweit die wenigsten Kinder geboren. Trotzdem ist die weibliche Erwerbsquote mit rund 50% vergleichsweise niedrig. • Atypische Arbeitsverhältnisse sind für Frauen typisch. Vier Millionen Frauen in prekären Beschäftigungsverhältnissen werden schlecht bezahlt und haben weder Kündigungsschutz und noch Arbeitnehmerrechte. • Junge Frauen und Mädchen hoffen, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch Bildung zu verbessern. Vier Fünftel eines Jahrgangs besuchen ein College oder eine Hochschule. • Ausbildung, ein schwieriger Berufseinstieg und schlechte Aussichten, nach der Kindererziehung wieder einen Arbeitsplatz zu finden, veranlassen viele Frauen, später zu heiraten und später, wenn überhaupt, Kinder zu gebären. • Durch die rasche Alterung der koreanischen Gesellschaft geraten die Frauen unter Druck: Sie sollen mehr Kinder gebären, sich der Altenpflege annehmen und fehlende Nachwuchskräfte in der Arbeitswelt ersetzen. Aber die Alterung ist janusköpfig: Indem sie die Gesellschaft zwingt, sich umzugestalten, bietet sie Frauen auch neue Möglichkeiten. „Gebildet, benachteiligt, ein Kind“ – kennzeichnet das die Frauen in Südkorea? Die Statistik zeigt: Heute wechseln rund vier Fünftel der Schulabgängerinnen eines Jahrgangs auf ein College oder eine Universität; Frauen haben aber die deutlich schlechteren Jobs und erledigen trotz Berufstätigkeit Haushalt und Kindererziehung weitgehend alleine; die Zahl der Neugeborenen ging in den vergangenen vier Jahrzehnten drastisch zurück und sinkt weiter. Dass Frauen in Südkorea heute eine gute Bildung haben, zunehmend berufstätig sind und weniger Kinder gebären, verwundert nicht. Seit Mitte der sechziger Jahre verzeichnete die südkoreanische Wirtschaft ein außerordentlich hohes Wachstum. Zwischen 1955 und 2004 stieg das Bruttoinlandsprodukt(BIP) pro Kopf von 65 auf 14.162 US-Dollar und damit um das 218fache. Im gleichen Zeitraum sank der Beitrag von Landwirtschaft und Fischerei zum BIP von 47,3% auf 3,7 %. Indem sich ein von Tradition gepräg-
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