Thema aus Brüssel Neue Gesichter in der Europäischen Kommission und im Europäischen Parlament Die Europäische Union verzeichnet in diesem Jahr einen großen personellen Umbruch. Mit den Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni und einer neu besetzten Europäischen Kommission, die im November ihre Arbeit aufnahm, sind zwei der drei entscheidenden Institutionen auf der Ebene der politischen Akteure neu zusammengestellt worden – der Rat als Vertretung der Regierungen ändert seine Zusammensetzung punktuell je nach Ausgang der Wahlen in den Mitgliedstaaten. Das Europäische Parlament Durch die Wahlen zum Europäischen Parlament, die zum ersten Mal in 25 statt in 15 Staaten stattfanden, sind zahlreiche neue Abgeordnete in die Volksvertretung gelangt. Mit der Erweiterung ist das Parlament auf 732 Abgeordnete vergrößert worden, davon entfallen 99 Sitze auf deutsche Parlamentarier, darunter 23 SPD-Vertreter. Die Wahlen haben die Europäische Volkspartei(EVP-ED) als größte Fraktion im EP bestätigt. Sie stellt 268 Mitglieder. Die Europäischen Sozialdemokraten(SPE) verfügen über 200 Stimmen, die Fraktion der Liberalen(ALDE) über 88, gefolgt von den Grünen(Verts/ALE) mit 42 und der eher kommunistisch ausgerichteten Nordischen Grünen Linken(GUE/NGL) mit 41 Mitgliedern. Die IND/DEM – Fraktion Unabhängigkeit und Demokratie – vereinigt 37 europaskeptisch eingestellte Abgeordnete, die UEN (Union für das Europa der Nationen) die Nationalisten, die 27 Mitglieder ausmachen. Die 29 fraktionslosen Europaabgeordneten können ebenfalls eher zu den Europakritikern gezählt werden. Um eine stabile Mehrheit zu erreichen, haben sich EVP und SPE darauf verständigt, in bestimmten Fragen zu kooperieren, ohne jedoch eine große Koalition anzustreben. Die Zusammenarbeit bezieht sich zunächst auf die Besetzung der Ausschüsse und anderer wichtiger Ämter im Parlament und soll auf der Grundlage eines Jahresprogramms auch auf bestimmte inhaltliche Fragen ausgedehnt werden. Die beiden großen Fraktionen werden von zwei Deutschen geführt: Martin Schulz für die SPE und Hans-Gert Pöttering für die EVP. Bei den Grünen steht mit Daniel Cohn-Bendit ebenfalls ein Abgeordneter aus der deutschen Delegation der Grünen an der Spitze. Zum Präsidenten des Europäischen Parlamentes wurde Josep Borrell aus den Reihen der spanischen Sozialisten gewählt. Diese Wahl beruht auf einer Absprache zwischen SPE und EVP: Nach der Hälfte der Sitzungsperiode übernimmt Hans-Gert Pöttering, Vorsitzender der EVP-Fraktion, diesen Posten. Borrell, der zum ersten Mal Europaabgeordneter ist, war im spanischen Parlament Vorsitzender des europapolitischen Ausschusses und Mitglied im Europäischen Konvent, der 2002-2003 den Entwurf für die europäische Verfassung ausarbeitete. Die Europäische Kommission Die Europäische Kommission hat ihr Gesicht deutlich verändert. Die ProdiKommission wurde am 22. November 2004 von einer neuen 25-köpfigen Kommission abgelöst, die unter der Leitung von José Manuel Durão Barroso(Portugal) steht. Bis zu seiner Nominierung als Kandidat für das Amt des Kommissionspräsidenten war er portugiesischer Ministerpräsident. Selten war das Nominierungsverfahren für den Kommissionspräsidenten so langwierig und zäh wie dieses Mal. Letzen Endes einigten sich die Staats- und Regierungschefs auf Barroso als für alle akzeptablen Kompromisskandidaten. Entsprechend dem Vertrag von Nizza ist es das erste Mal, dass alle Mitgliedstaaten in der Europäischen Kommission, unabhängig von ihrer Größe, jeweils nur einen Kommissar stellen. Die fünf großen Länder hatten bisher Anrecht auf die Besetzung von zwei Kommissarsposten. Wie bisher wurden die Kandidaten von den Regierungen dem künftigen Präsidenten vorgeschlagen, der wiederum die Aufteilung der Ressorts vornahm. Die Nominierung – kein besonders gelungener Start! Die Vergabe der einzelnen Verantwortungsbereiche wurde durch eine Kraftprobe zwischen Kommissionspräsident und EuropäiNo. 6/ 2004 Europäisches Parlament: EVP größte Fraktion, SPE stellt den Parlamentspräsidenten Kommissionspräsident: Manuel Barroso aus Portugal Europäische Kommission: erstmals 25 statt 15 Mitglieder; 1 Kommissar pro Mitgliedstaat Die Nominierung der Europäischen Kommission: Kraftprobe zwischen Barroso und Parlament Büro Brüssel• 5, Rue Archimède• 1000 Brüssel• Tel:+32 2 231 04 89• Fax:+32 2 230 76 51 Seite 1
Druckschrift
Neue Gesichter in der Europäischen Kommission und im Europäischen Parlament
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten