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Keine Chance für Frieden in Sri Lanka?
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April 2006 Keine Chancen für Frieden in Sri Lanka? Astrid Becker, FES Colombo Sri Lanka steht am Rande eines neuen Ausbrechens des Bürgerkriegs. Auf einen mutmaßlichen LTTE-Selbstmordanschlag im Armeehauptquartier in Colombo und den Beschuss von Marineein­richtungen durch die LTTE nahe der Hafenstadt Trincomalee reagierten die Streitkräfte mit Bom­bardements der überwiegend von Tamilen bewohnten Gegend, bei denen zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Präsident Rajapakse rief die Bevölkerung und die Streitkräfte zur Besonnenheit auf, allerdings besteht nach Absage einer weiteren direkten Gesprächsrunde der Konfliktparteien in Genf wenig Hoffnung auf eine baldige Deeskalation der Situation. In einer Fernsehansprache gab er bekannt, dass die Regierung weiterhin um eine Beilegung der Gewalt und die Fortsetzung der Friedensge­spräche bemüht ist. Im singhalesisch-dominierten Süden besteht jedoch zur Zeit kein Konsens zwischen den politi­schen Kräften hinsichtlich der Vorlage eines neuen konstruktiven Vorschlags zur Beilegung des bereits Jahrzehnte andauernden ethnischen Konflikts im südasiatischen Inselstaat. Anschlagsserie mit zahlreichen Toten Mit einem Mordanschlag auf den Oberbe­fehlshaber der sri-lankischen Armee am 25. April 2006 hat die Welle der Gewalt im süd­asiatischen Inselstaat einen neuen Höhepunkt erreicht. General Fonseka wurde schwer ver­letzt, acht Personen wurden bei dem An­schlag in einer Hochsicherheitszone getötet und weitere 27 verletzt. Alle Indizien weisen darauf hin, dass die Selbstmordattentäterin im Auftrag der Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) handelte. In einer ausschließlich in sin­ghalesich ausgestrahlten Fernsehansprache erklärte Präsident Rajapakse am Abend, dass die Regierung zwar weiterhin um eine Einhal­tung des Waffenstillstands und die Rückkehr an den Verhandlungstisch bemüht sei, man sich allerdings auch vorbehalte, Gegenmaß­nahmen zu ergreifen, um weitere Terroran­schläge zu verhindern. Als Antwort auf Artille­riebeschuss auf Marineeinrichtungen in Sam­poor nahe der Hafenstadt Trincomalee im Osten der Insel beschossen Marine und Luft­waffe LTTE-Stellungen in der Region. Nach Informationen des LTTE-nahen Tamil Net sind dabei zahlreiche Menschen ums Leben ge­kommen. Bereits vor den Ereignissen vom 25. April stan­den die Zeichen für eine Fortsetzung der di­rekten Verhandlungen zwischen Regierung und LTTE schlecht. Seit März ist die Zahl der Anschläge kontinuierlich gestiegen, allein in den vergangenen zwei Wochen kamen über 70 Menschen ums Leben. Neben Soldaten sind auch zahlreiche Zivilisten unter den Op­fern. Es liegen wenig Informationen darüber vor, wer für die verschiedenen Anschläge ver­antwortlich ist; neben der LTTE und ihr nahe stehenden Gruppen dürften auch paramilitäri­sche Gruppen sowie einzelne Übergriffe durch die Regierungstruppen zu den fast täglich stattfindenden Provokationen beitragen. Die für den 19.- 21. April 2006 vereinbarte zweite Verhandlungsrunde in Genf wurde von der Separatistenorganisation abgesagt. Für ihre Position, nicht zu den geplanten Gesprä­chen nach Genf zu reisen, nennt die LTTE