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Das Phänomen Ségolène Royal
Entstehung
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FRANKREICH-INFO Friedrich-Ebert-Stiftung Bureau de Paris 41 bis, boulevard de La Tour-Maubourg 75007 Paris Tel: 00 33(0)1 45 55 09 96 Fax: 00 33(0)1 45 55 85 62 fes@fesparis.org www.fesparis.org März 2006 Das Phänomen Ségolène Royal Türkan Karakurt Im November 2006 will die Sozialistische Partei Frankreichs(PS) ihren Kandidaten, bzw. ihre Kandidatin für die im April 2007 stattfindenden Präsidentschaftswahlen bestimmen. Zur Wahl stellen werden sich quasi natürlich die sogenanntenElefan­ten Laurent Fabius(ehemaliger Premier­minister), Dominique Strauss-Kahn(ehe­maliger Wirtschafts- und Finanzminister) und Jack Lang(ehemaliger Kulturminister) sowie, falls ihm ein Comeback gelingen sollte, auch der frühere Premierminister Lionel Jospin. Sie verfügen alle über feste Bastionen, sogenanntecourants, inner­halb der Partei. Doch seit einiger Zeit und unerwartet für die Elefanten ist mit Ségolène Royal eine Frau in das Rennen eingetreten, die wie kein anderer Kandidat die Aufmerksam­keit der Medien und der Öffentlichkeit auf sich zieht. Startschuß für eine mögliche Kandidatur der Lebensgefährtin des PS­Vorsitzenden François Hollande war ein Magazininterview im Herbst 2005, in dem sie für die gesamte politische Klasse überraschend und salopp ihre Kandidatur für das höchste Amt in Frankreich ankündigte. Ihre Parteifreunde reagierten teilweise mit höhnischen und herabwürdi­genden Bemerkungen, z.B. Laurent Fa­bius fragte öffentlichwer soll die Kinder hüten? Sie sollten diese Bemerkungen bedauern, denn sie brachten Ségolène Royal ungeahnte Sympathien und Solida­ritätsbekundungen; seitdem überbieten sich die Medien darin, sie als eine aussichtsreiche Kandidatin zu prä­sentieren, mit dem Erfolg, daß sie nach den Umfragen seit Monaten auf Platz 1 der PS-Hitliste steht. Ségolène Royal hat in der Tat einiges vorzuweisen: seit März 2004 ist sie Präsidentin der Region Poitou-Charente, eine Positi­on, die zwar nicht dem deutschen Ministerpräsidenten entspricht, aber in den letzten Jahren aufgewertet wurde. Frankreich hat 22 Regionen(plus weitere 4 in Übersee), davon werden 20 von der PS geführt. Frau Royal ist die einzige Frau unter ihnen. seit 1988 ist sie PS-Abgeordnete von Deux-Sèvres, einem strukturell schwa­chen Provinzdepartement innerhalb ihrer Region. Sie wurde dort 1993, 1997 und 2002 wieder gewählt. unter Mitterrand und Jospin war sie drei Mal Ministerin, beigeordnete Mini­sterin für Familie, Kinder und Behinderte(2000) sowie für das Schulwesen(1997) und Umweltminis­terin(1992). Die 1953 in Dakar geborene Offizierstoch­ter und Absolventin der Elite-Hochschule ENA begann ihre politische Karriere als Beraterin des Präsidenten Mitterrand. An ihrer Seite und mit ebenfalls politischen Ambitionen steht seit diesen Tagen ihr Lebensgefährte François Hollande. Mit ihm bildet sie das wohl ungewöhnlichste Team in der neueren Geschichte der fran­zösischen Politik. Sie haben beide den gleichen Jahrgang in der ENA besucht