FES-Analyse Russlands Öl und Europa Roland Götz Juli 2006 • Zwischen Russland und Europa besteht auf dem Energiegebiet eine hohe gegenseitige Abhängigkeit. Während Europa den überwiegenden Teil seiner Erdgasimporte sowie ein Drittel seiner Erdölimporte aus Russland bezieht, ist Russland seinerseits durch die bestehende Transportinfrastruktur auch in Zukunft weit überwiegend auf Europa als Absatzmarkt für Energieträger festgelegt. Eine Instrumentalisierung dieser gegenseitigen Abhängigkeit zu politischen Zwecken scheidet praktisch aus. Beide Seiten könnten von einer Zusammenarbeit mit dem Ziel der Erhöhung der Energieeffizienz und bei der Entwicklung neuer Technologien im Kohlebereich und der Nutzung alternativer Energiequellen erheblich gewinnen. • Obwohl Russlands Wirtschaftswachstum seit 1999 beeindruckt, ist dessen Abhängigkeit von der Entwicklung des Erdölpreises problematisch. Es wird zunehmend von der Preiskonjunktur auf den Rohstoffmärkten gesteuert, weniger von der Ausweitung der Rohstoffgewinnung selbst. Bei einem Rückgang des Erdölpreises ist daher mit einem Wachstumseinbruch zu rechnen. • Langfristig wird das Wirtschaftswachstum in Russland vom Ausbau der Infrastruktur, von der demographischen Entwicklung, den rechtlichen Rahmenbedingungen sowie davon abhängen, dass negative Auswirkungen des Ressourcensektors auf die verarbeitenden Wirtschaftszweige vermieden werden können. Während die Verbesserung der Infrastruktur mittelfristig erwartet werden kann, ist eine Lösung des demographischen Problems nicht absehbar. Einer wachsenden Ressourcenabhängigkeit kann Industriepolitik mit gut gewählten Maßnahmen entgegenwirken. • Vor allem in den Rohstoffsektoren und im Transportbereich bestehen personelle Querverbindungen von Präsidialadministration und Regierung zu großen Unternehmen. Allerdings kann daraus nicht ohne weiteres auf staatlichen Dirigismus geschlossen werden. Die enge Verbindung von Wirtschaft und Politik dient den Großunternehmen zur politischen Absicherung ihrer ökonomischen Position und zur Bewahrung von Privilegien bzw. der Abwehr von Konkurrenten. • Russland zählt zu den BRIC-Staaten(Brasilien, Russland, Indien, China), denen in einigen Jahrzehnten Dominanz in der Weltwirtschaft vorausgesagt wird und deren Wirtschaftsbeziehungen als komplementär(Tausch von Rohstoffen gegen Fertigwaren) aufzufassen sind. Während Indiens und Chinas Aufstieg als Fertigwarenproduzenten absehbar ist, wird Russland jedoch, entgegen dieser These, nicht zum Hauptlieferanten von Energieträgern für die zukünftigen größten Energieverbraucher. Herausgeber und Redaktion: Arne Schildberg, Friedrich-Ebert-Stiftung, Internationale Politikanalyse, 53175 Bonn, Tel.: 0228-883-206, Fax: 0228-883-625, e-mail: arne.schildberg@fes.de
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