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Keynes wollte den Kapitalismus retten : zum 60. Todestag von Sir John Maynard Keynes
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Internationale Politikanalyse Globalisierung und Gerechtigkeit, Juli 2006 Heinz-J. Bontrup* Keynes wollte den Kapitalismus retten Zum 60. Todestag von Sir John Maynard Keynes Es gibt nur wenige große Ökonomen, wie Adam Smith (1723-1790), David Ricardo(1772-1823), Karl Marx (1818-1883) und Joseph A. Schumpeter(1883-1950), die mit ihren Theorien das wirtschaftliche Geschehen nachhaltig beeinflusst haben und über die nach ihrem Tod so viel Positives wie Negatives geschrieben worden ist. In diese Reihe gehört uneingeschränkt auch der vor sechzig Jahren am 21. April 1946 verstorbene britische Ökonom Sir John Maynard Keynes(1883-1946). Er gab vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise(1929­1933) mit seinem 1936 veröffentlichten epochalen WerkThe General Theory of Employment Interest and Money(kurz:General Theory), denAnstoß zu ei­ner Revolution in der Wirtschaftstheorie(Axel Leijon­hufvud 1973). * Ohne Staat geht es nicht Der Markt und das Wettbewerbsprinzip in einer marktwirtschaftlich-kapitalistischen Ordnung sind von sich aus(immanent) nicht in der Lage, unfreiwillige Ar­beitslosigkeit, die auf den einzelnen Arbeitslosen wie einGewaltakt wirkt(Negt 2002), zu verhindern bzw. die Arbeitslosigkeit bei Vorliegen auch wieder zu beseitigen. Im Gegenteil, das System ist für Keynes zu­tiefst instabil. Dies nicht nur in einer kurzfristigen kon­junkturellen Betrachtung. Keynes erkannte auch lang­fristig eine strukturelle Nachfrageschwäche und eine zunehmende Wachstums-Produktivitätsschere, die den Bestand des Systems als Ganzes bedrohen(Reuter 2000, 2004). Um es aber vor dem System einer 1917 in der Sowjetunion entstandenen, aber von Keynes abgelehnten, zentralen(sozialistischen) Planwirtschaft zu retten, 1 ergab sich für ihn keine andere Möglichkeit als die marktdominante kapitalistische Ordnung auf­zugeben und in einestaatsintervenierende mixed * Wirtschaftswissenschaftler an der Fachhochschule Gelsenkirchen 1 Von sozialistisch-marxistischen Autoren wurde Keynes deshalb vorgeworfen, den Kapitalismus retten zu wollen, während er von rechts-liberalen Vertretern denunziert wurde, er wolle den Kapitalismus zerstören. economy umzubauen, innerhalb derer sich aus dem Zusammenspiel zwischeneinzelwirtschaftlicher Ratio­nalität undgesamtwirtschaftlicher Vernunft die ökonomischen Entwicklungsmöglichkeiten optimieren lassen.Ich für meinen Teil, sagte Keynes 1926,bin der Ansicht, dass ein klug geleiteter Kapitalismus die wirtschaftlichen Aufgaben wahrscheinlich besser erfül­len wird als irgend ein anderes, vorläufig in Sicht be­findliches System, dass man aber gegen den Kapitalis­mus an sich viele Einwände erheben kann. Unser Problem geht dahin, eine Gesellschaftsorganisation zu schaffen, die möglichst leistungsfähig ist, ohne dabei unsere Ideen über eine befriedigende Lebensführung zu verletzen.(...) Diese Gedankengänge zielen auf mögliche Verbesserungen der Technik des modernen Kapitalismus durch das Mittel kollektiver Betätigung ab(Keynes 1926: 32f.). Keynes widersprach dem damals vorherrschendem angebotsorientierten Denken des französischen Öko­nomen Jean-Baptiste Say(1767-1832), wonach sich jede Produktion selbst seine Nachfrage schafft(Pro­dukte kauft man mit Produkten). Demnach könne es allenfalls kurzfristig zu Absatzproblemen kommen, weil vielleicht die falschen Dinge produziert wurden und der flexible Preismechanismus kurzfristigen Friktionen unterliege, langfristig sei es aber unmöglich, dass die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu gering ausfalle und Arbeitslosigkeit entstehe. Auch die Sparneigung der Wirtschaftssubjekte sei kein Problem, da der flexib­le Zins an den Geldmärkten immer für einen Ausgleich von Ersparnissen und kreditfinanzierten Investitionen sorgen würde, so das Credo von Say. Übersehen wird bei den Angebotstheoretikern bis heute aber ein grundsätzliches marktwirtschaftliches Koordinierungs­problem. Nur wenn viele Unternehmen gleichzeitig ex­pandieren und ein Angebot bereitstellen, entsteht über die entsprechende Produktion auch Einkommen und Nachfrage.Außerdem fallen die Erträge erst nach verkaufter Produktion an, während die Investitionskos­ten einschließlich der ersten Löhne vorher fällig sind. Es bedarf also zunächst einer Kreditexpansion, d.h. Un­ternehmen, Haushalte oder der Staat müssen Kredite aufnehmen oder frühere Ersparnisse abbauen, um