Druckschrift 
Mahmud Abbas - ein neuer Präsident für die palästinensischen Autonomiegebiete
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Mahmud Abbas ein neuer Präsident für die Palästinensischen Autonomiegebiete Michèle Auga, FES Ost-Jerusalem Die Präsidentschaftswahlen am 9. Januar zeigten ein großes Bemühen der palästinensischen Wahlkommission, über einen fairen und rechtstaatlichen Prozess eine demokratisch legitimierte Führung zu etablieren. Angesichts der schwierigen Umstände einer Wahl unter Besatzung zog die EU-Wahlbeobachter­kommission, von einigen vermeidbaren Unregelmäßigkeiten abgesehen, eine positive Bilanz. Die Abstimmung verlief friedlich und war trotz des Boykotts der islamistischen Hamas-Bewe­gung von einer hohen Wahlbeteiligung(71% der Registrierten) gekennzeichnet. Mit 62,3% erzielte der Vorsitzende der PLO, Mahmud Abbas, fast eine Zweidrittelmehrheit. Mit knapp 20% folgte der Bürgerrechtler Mustafa Barghouthi. Sein Erfolg spricht einerseits für die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Autonomiebehörde, andererseits für die positive Weiterentwicklung des politischen Systems in Palästina. BarghouthisPalestinian National Initiative wird eine starke Konkurrentin für Hamas und Fatah während der Parlamentswahlen am 17. Juli 2005. Zum zweiten Mal in ihrer Geschichte und damit einzigartig in der arabischen Welt haben die Palästinenserinnen und Palästinenser in einer freien und gehei­men Wahl ein Staatsoberhaupt gewählt. Einzig in Ost-Jerusalem wo die Ab­stimmung unter israelischer Oberhoheit stattfand berichtete eine Gruppe in­ternationaler Wahlbeobachter unter der Leitung des früheren US-Präsidenten Jimmy Carter über Unregelmäßigkeiten. Hier wurde vor allem beklagt, dass es den Jerusalemern nicht möglich war, geheim zu wählen. Für alle sichtbar, nach namentlichem Aufruf und an ei­nem Postschalter, d.h. ohne Wahlkabine konnte eine ausgewählte Anzahl von ca. 6.000 Menschen ihr Kreuz auf einen Wahlzettel setzen, der dann von einem israelischen Postbeamten in einen Post­kasten und nicht in eine transparente Wahlurne gesteckt wurde. Zumindest dem Anschein nach hatten die palästi­nensischen Bewohner Jerusalems also eine Briefwahl vorgenommen und konn­ten kein normales Wahllokal an ihrem Wohnort besuchen. Alle übrigen 118.000 palästinensischen Wahlberechtigten Jerusalems mussten sich auf den beschwerlichen Weg um Absperrungen, Checkpoints und die 1