Blickpunkt Großbritannien Büro London The Chandlery Office 609 50 Westminster Bridge Road GB London SE1 7QY Tel 00 44 20 77 21 87 45 Fax 00 44 20 77 21 87 46 feslondon@feslondon.org.uk www.feslondon.org.uk Oktober 2006 Gordon Brown – ein heimlicher Europäer? Ernst Hillebrand Wenige Monate vor der wahrscheinlichen Amtsübernahme eines Premierministers Gordon Brown beginnt allenthalben die Spekulation über seinen zukünftigen politischen Kurs. Man wisse alles über die Person Brown, so ein Beobachter, aber sehr wenig über seine Politik. Dies gilt zumal für die außenpolitischen Vorstellungen Browns, die selbst für enge Mitarbeiter ein„schwarzes Loch“ seien. 1 Irgendwo in diesem schwarzen Loch liegt auch Europa. Brown, so Anthony Giddens vor kurzem, gilt als euroskeptischer als Tony Blair. Sollten daher diejenigen in Großbritannien, die meinen, dass Europa für Großbritannien essentiell wichtig ist,„alle Hoffnung fahren lassen?“ 2 Auf einer von der Friedrich-Ebert-Stiftung zusammen mit Chatham House letzte Woche in London organisierten Konferenz konnte man auf diese Frage ein breites Spektrum von Antworten hören: Von tiefer Skepsis bis hin zu vorsichtigem Optimismus. 3 1 Mark Leonard,“How Gordon sees the World”, in Spectator vom 26.8.2006. 2 Anthony Giddens,“Remember Europe”, in Prospect, November 2006. 3 Friedrich-Ebert-Stiftung/Chatham House, Perspectives on a future Prime Minister: What European Policy under Gordon Brown?, London, Chatham House, 20.10.2006. Entsprechend der Chatham House rule werden im FolBrown der Euroskeptiker? Dies ist die in der öffentlichen Meinung und der politischen Klasse am weitesten verbreitete Charakterisierung Browns. Sie basiert auf der Rolle Browns bei der britischen Entscheidung, der Euro-Zone vorerst nicht beizutreten, seinem zähen Ringen um den Briten-Rabatt und generellen Meinungsund Stimmungsimpressionen aus dem Umfeld des Schatzkanzlers über die EU und ihre Rituale. Brown, so diese Einschätzung, habe keine persönliche Verbindung zu Europa, dem er weder kulturell noch politisch irgendwie nahe steht und das er, so eine Einschätzung, schlicht nicht mag:„He doesn’t like it.“ Daher habe er ein eher instrumentelles Verhältnis zur EU, die er nicht als politischen Raum oder als strategisches politisches Projekt sieht, sondern als eine „Serie von Themen“, die es unter Wahrung der Interessen Großbritanniens abzuarbeiten gilt. Die grundlegenden Funktionsmechanismen der EU – Kompromisse, Tauschgeschäfte und Verhandlungslösungen – lägen dem streng analytisch veranlagten Rationalisten Brown nicht. Seine Neigung, einmal nach langem und systematischen Analysieren gefundene Positionen wieder aufzugeben, gilt als extrem gering. Die in den 80er Jahren vorhandene genden einzelne Meinungen nicht namentlich kenntlich gemacht.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten