November 2006 Der unerklärte Krieg in Sri Lanka Astrid Becker, FES Colombo • Am 28. und 29. Oktober 2006 traf zum zweiten Mal in diesem Jahr die Delegation der Regierung Sri Lankas mit den Liberation Tigers of Tamil Eelam(LTTE) in Genf zusammen. Unterschiedliche Prioritäten hinsichtlich der Fortführung der Friedensverhandlungen und fehlende Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten führten dazu, dass die Gespräche ohne konkretes Ergebnis beendet wurden. • Trotz des seit Februar 2002 geltenden Waffenstillstandsabkommens ist es in den vergangenen Monaten zu zahlreichen Gefechten zwischen den Konfliktparteien gekommen, die eine große Zahl von Opfern unter Soldaten, LTTE-Kämpfern und der Zivilbevölkerung forderten. • Besonders kritisch ist die Situation auf der Jaffna-Halbinsel im Norden, die nach der Schließung der Hauptverbindungsstraße nur noch über den Seeweg versorgt werden kann. • Nachdem die LTTE in der vergangenen Woche einen Militärkonvoi im Zentrum der Insel sowie den Hafen Galle im Süden angegriffen hat, ist der Konflikt nun auch in die bisher als sicher geltenden Gebiete des Inselstaats getragen worden. Seit dem Selbstmordanschlag auf den Oberbefehlshaber der sri-lankischen Armee im April diesen Jahres griff die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) mehrfach Militärtransporte und-camps der Streitkräfte an, die von diesen mit heftigen Bombardements auf LTTE-Stellungen beantwortet wurden. Obwohl beide Seiten immer wieder beteuern, am Waffenstillstand festhalten zu wollen, reißt die Welle der Gewalt nicht ab. Der unerklärte Krieg hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Opfer gefordert. Nach Regierungsangaben kamen über 400 Soldaten und 1300 Zivilisten ums Leben, die LTTE soll über 2000 Mann und damit 15% ihrer Kämpfer verloren haben. Knapp 200.000 Menschen wurden vertrieben, über 15.000 Tamilen sind nach Südindien geflüchtet. Mit Anschlägen auf Soldatentransporte bei Habarana im Zentrum des Landes und den Hafen von Galle im Süden Sri Lankas Mitte Oktober wurde der Konflikt auch in bisher als sicher geltende Gebiete getragen. Entsprechend groß waren die Hoffnungen, dass die Gespräche in Genf zu einer Deeskalation der Situation führen könnten. Allerdings waren die Erwartungen hinsichtlich konkreter Ergebnisse relativ niedrig gesetzt; nationale und internationale Beobachter waren davon ausgegangen, dass im besten Fall konkrete Termine für die Weiterführung der Verhandlungen festgelegt werden könnten. Am 28. und 29. Oktober trafen sich die Delegationen der sri-lankischen Regierung und der LTTE zum zweiten Mal in diesem Jahr in Genf. Sowohl die Regierung als auch die LTTE hatten sich vor allem aufgrund des Drucks der internationalen Gemeinschaft zu Gesprächen bereit erklärt. Die Gesprächsrunde endete ohne konkrete Ergebnisse und ohne Einigung
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