10.11.2004 Zweite Runde der Kommunalwahlen in Brasilien: Viele Sieger Von Reiner Radermacher In der weitaus überwiegenden Mehrheit der 5.562 Gemeinden Brasiliens war die Entscheidung über Bürgermeister und Ratsmitglieder bereits am 3. Oktober 2004 in der ersten Runde der landesweiten Kommuna lwahlen gefallen. Dennoch mobilisierten die politischen Parteien und die mit ihnen jeweils verbündeten Organisationen der Zivilgesellschaft alle Kräfte für die Stichwahl, die am 31. Oktober in de n verbliebenen 1 43 Städten abgehalten wurde: Immerhin handelte es sich dabei um bevölkerungsstarke Zentren 2 , die als dynamische Wachstumspole(wie Campinas, Niteroi und Santos), Industriestandorte im Einzugsgebiet von São Paulo(wie Diadema, Osasco und Santo André) oder als Hauptstädte von Bundesstaaten(in 15 der insgesamt 26 kam es zur Stichwahl) eine mehr als nur regionale Bedeutung aufweisen. Naturgemäß stand im Mittelpunkt des Interesses die„Schlacht“ um die Mega Metropole São Paulo, die nur vordergründig zwischen der amtierenden Bürgermeisterin Marta Suplicy(„Partido dos Trabalhadores“ – PT) und ihrem Herausforderer, José Serra („Partido da Social Democracia Brasileira“ – PSDB) ausgetragen wurde. Tatsächlich standen sich jedoch Regierung und Opposition gegenüber, wobei letztere sich im Kampf um die Hegemonie im Lande sah: Die Erringung der politischen Macht in dem mit Abstand wichtigsten Wirtschaftsstandort Brasiliens – und mit 11 Mio. Einwohnern größten Stadt Südamerikas – wurde von den Wahlstratege n der bedeutendsten Oppositionspartei PSDB als Voraussetzung dafür angesehen, überhaupt eine Chance zu haben, 2006 die Wiederwahl von Präsident Luiz Inácio„Lula“ da Silva verhindern zu können. Dementsprechend wurde in dem kurzen Wahlkampf zwischen Hauptwahl und Stic hwahl mit aller Härte um die Gunst der Wahlberechtigten gerungen. Marta Suplicy – die im ersten Wahlgang 35,8% der Stimmen erhalten hatte – konnte schließlich 45,1% der Wähler für sich gewinnen, doch reichte dies nicht aus, um den führenden José Serra zu überrunden, der sein E rgebnis von 43,6% auf 54,9% steigern konnte. Der PT bleibt immerhin die Genugtuung, dass sie – wie schon bei der ersten Runde – in den Wohnvierteln der Armen im Süden, Osten und Nordwesten der Metropole die Mehrheit errang, während sich der Sieg der PSDB auf die Wahlkreise der Mittel- und Oberschicht im Zentrum der Stadtlandschaft stützt. Da die PT nicht nur in São Paulo, sondern zudem in dem symbolträchtigen Porto Alegre – wo sie die letzten 16 Jahre den Bürgermeister stellte – sowie in weiteren 4 Bundesstaaten-Hauptstädten(Belém, Cuiabá, Curitiba und Goiânia) die Stichwahl verlor, deuteten die beiden wichtigsten Tageszeitungen mit überregionaler Bedeutung,„Estado do São 1
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