1.1 Die PISA-Studie und ihre Ergebnisse für Deutschland Jürgen Baumert * Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin I. Die PISA-Studie PISA- Program for International Student Assessment-, ist ein periodisches Erhebungsprogramm, das in den Rahmen des Indikatorenprogramms der OECD gehört, auf das sich die Mitgliedsstaaten der OECD geeinigt haben. Das Neue an PISA ist, z.B. gegenüber Education at a Glance, dass sich die OECD systematisch um die Dokumentation von Prozess- und Ergebnisindikatoren kümmert, und zwar auf einer periodischen Basis. Alle drei Jahre soll PISA wiederholt werden- die Absprachen zwischen den Teilnehmerstaaten gelten zunächst für zehn Jahre- mit einem wechselnden Schwerpunkt. Schwerpunkt der ersten Erhebungsrunde war die Lesekompetenz, mit den Nebenkomponenten Mathematik und Naturwissenschaften. Weiterhin konnte die Erhebung mit einigen optionalen Momenten angereichert werden. So war es etwa möglich, eine Erhebung zum selbstregulierten Lernen durchzuführen. In Deutschland gab es einige zusätzliche Ergänzungen, die das ganze Programm verstärkt auf die deutschen Bedingungen fokussieren sollten. Die Untersuchung wurde im Frühjahr 2000 in 32 OECD-Staaten durchgeführt. Deutschland hat mit 5000 Schülerinnen und Schülern teilgenommen. Zielpopulation der Studie sind die 15-Jährigen, die sich noch in einer vollzeitschulischen Ausbildung befinden. Das sind in Deutschland 99 Prozent der 15-Jährigen, in anderen Ländern schwankt es etwas. Die Qualitätsstandards der Studie sind ausgesprochen hoch, deutlich höher als in anderen Vorgängerstudien. Diese sind überwiegend von den teilnehmenden Ländern erfüllt worden. Ein Land * Der Vortrag von Prof. Baumert wurde von den Herausgebern redaktionell bearbeitet und zusammengefasst. hat die Stichprobenqualitätsstandards nicht erfüllen können, das sind die Niederlande. Über die Niederlande wird daher auch nicht berichtet, wenn es um Mittelwertvergleiche geht. II. Der Inhalt der Studie: Drei Kompetenzbereiche Die Grundphilosophie der PISA-Studie besteht in der Annahme, dass es gelingen kann, Indikatoren für Basiskompetenzen zu gewinnen. Basiskompetenzen, die junge Menschen beim Übergang von der Schule in das Berufsleben verfügbar haben sollten, um erfolgreich die Einbindung in das Erwerbsleben bewältigen zu können, aber auch, um erfolgreich an gesellschaftlichen Prozessen, öffentlichen wie privaten, erfolgreich zu partizipieren. Als Basiskompetenzen wurden die Lesekompetenz, sowie Fähigkeiten in der Mathematik und in den Naturwissenschaften herangezogen. Die Lesekompetenz, das Leseverständnis, die Sinnentnahme aus geschriebenen Texten aller Art, ist eine der zentralen Voraussetzungen, um überhaupt Zugang zu Kulturgütern jeglicher Art zu gewinnen. Ohne Lesefähigkeit kann man praktisch nicht selbstständig weiter lernen und weite Bereiche der Kultur sind verschlossen. Das gilt auch und insbesondere für den neuen IT-Bereich. Ohne Lesekompetenz erschließt sich auch die Nutzung moderner Medien nicht. Sie sind in hohem Maße sprachbasiert, auch wenn der Sprachduktus in diesen Bereichen etwas anders ist als in der„schönen“ Literatur. Die Mathematik bzw. die mathematische Modellierungsfähigkeit ist eine Sprache, die eine ähnliche Funktion in modernen Gesellschaften hat wie die Umgangssprache. Mathematische Kompetenz wurde in dieser Studie nicht mit der Fähigkeit zur Abarbeitung von Kalkülen
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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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