1.2 Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur„künftigen Struktur der Lehrerbildung“ Hildegard Brauns Wissenschaftsrat, Köln Anlass Auf Bitte des Landes Niedersachsen hatte der Wissenschaftsrat im Januar 1999 eine Arbeitsgruppe zur„künftigen Struktur der Lehrerbildung“ eingesetzt. Der Wissenschaftsrat hielt es aus mehreren Gründen für dringlich, sich mit der Frage der Reform der Lehrerbildung eingehend zu befassen: zu den wichtigsten zählten die für Deutschland beklagenswerten Ergebnisse internationaler Leistungsvergleiche im Schulbereich, problematische Rekrutierungszyklen auf dem Lehrerarbeitsmarkt, die offensichtlichen strukturellen Defizite der Lehrerausbildung und allgemeine hochschulpolitische Entwicklungen. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates In seiner Defizitanalyse stellt der Wissenschaftsrat substantielle Mängel der gegenwärtigen Lehrerausbildung fest. Er hält das herkömmliche Strukturmodell für nicht geeignet, die – nicht erst seit kurzem – bestehenden Probleme zu lösen und den jüngeren Entwicklungen in Gesellschaft und Bildungswesen, die neue Anforderungen an die Lehrerbildung stellen, angemessen zu begegnen. Er plädiert daher für die Erprobung neuartiger Studiengangsstrukturen in der Lehrerausbildung und für neue institutionelle Lösungen sowohl innerhalb der einzelnen Hochschule als auch innerhalb des Hochschulsystems. Struktur des Studiums Bei der Frage der strukturellen Gestaltung der Lehramtsstudiengänge orientiert sich der Wissenschaftsrat an den Besonderheiten der disziplinären und spezifisch pädagogischer Fachlichkeit der Lehrerarbeit in den verschiedenen Schularten bzw.-stufen. Er empfiehlt – in Übereinstimmung mit den international vorherrschenden Organisationsprinzipien – für die Ausbildung von Lehrern an Realschulen und Gymnasien eine konsekutive Studiengangskonzeption, die sich in zwei Ausbildungsabschnitte gliedert: 1.) ein fachspezifisch dominiertes Studium in zwei Fächern, das innerhalb von drei Jahren zum Bachelor-Grad führt, wobei eine erste berufsfeldbreite Orientierung an Vermittlungskompetenzen erfolgen kann, und 2.) die zweijährige Masterphase als eigentliche lehramtsspezifische Ausbildung, die ihren Schwerpunkt auf erziehungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Studienanteilen, verbunden mit schulpraktischen Studien, setzt. Für Studierende des Lehramtes an allgemeinbildenden Gymnasien sollte eine der beiden Fachdisziplinen bis zu einem dem Master-Abschluss vergleichbaren Niveau weitergeführt werden. Für die Ausbildung von Grund- und Hauptschullehrern hält der Wissenschaftsrat eine integrierte Studiengangsstruktur mit dem Abschluss des Bachelors für sachgerecht. In der Grund- und Hauptschule gilt das Fachlehrerprinzip nur begrenzt. Zwar ist eine solide fachliche Wissensbasis auch für die Wissensvermittlung in der Grundschule und der Hauptschule unverzichtbar. Sie setzt jedoch eine jeweils ei-
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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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