Berliner Forum Wissenschaft und Innovation gene Fachlichkeit voraus, die sich nicht unmittelbar aus einem vertieften Studium der fachwissenschaftlichen Disziplinen ergibt. Darüber hinaus ist die pädagogische Fachlichkeit, aufgrund der Bedeutung der Erziehungsarbeit, ein besonderes Merkmal der Grundschul- und Hauptschullehrämter. Die Ausbildung von Grund- und Hauptschullehrern erfordert somit nach Überzeugung des Wissenschaftsrates eine frühzeitige Professionalisierung und einen – insbesondere mit Blick auf die disziplinäre Fachlichkeit – ausgeprägteren Berufsfeldbezug als bei anderen Lehrämtern. Der Wissenschaftsrat betont dabei ausdrücklich, dass Reformen bei der Struktur des Studiums für Grund- und Hauptschulen nicht als Ausdruck vermeintlich geringerer inhaltlicher Anforderungen an die fachliche und pädagogische Kompetenz von Grund- und Hauptschullehrern missverstanden werden dürfen. Er erkennt die grundlegende Bedeutung einer leistungsfähigen Grundschule für die weiterführenden Schularten ausdrücklich an. Institutionelle Verortung Der Wissenschaftsrat rät, für Lehramtsstudiengänge eine eigene institutionelle Zuständigkeit zu etablieren. Neben mit entsprechenden Kompetenzen ausgestatteten Lehrerbildungszentren kommen hierfür insbesondere neue Fachbereiche für Bildungswissenschaften und Wissenstransfer in Frage. Ihre Aufgaben liegen im Bereich Bildung, Erziehung und Unterricht. Der Wissenschaftsrat verbindet damit eine verbesserte curriculare Abstimmung und Koordination zwischen den an der Lehrerbildung im engeren Sinne beteiligten Bereichen(Erziehungswissenschaft, Fachdidaktik und Schulpraxis) sowie die integrative Ausrichtung der Fächer in Lehre und Forschung auf die Lehrerbildung und das Berufsfeld Schule. Der Wissenschaftsrat empfiehlt weiter, die Fachhochschulen aufgrund ihrer spezifischen Erfahrungen mit praxisorientierten wissenschaftlichen Ausbildungsangeboten an der Lehrerbildung zu beteiligen. Er sieht hierin die Chance, das Ziel einer Qualitätsverbesserung der Lehrerausbildung mit dem wissenschaftspolitischen Ziel einer sinnvollen Erweiterung des Fächerspektrums der Fachhochschulen zu verbinden. Dies setzt freilich die Entwicklung eines entsprechenden fachlichen Leistungsprofils sowie der Verbindung von Lehre und an14 gewandter Schulforschung an den Fachhochschulen voraus. Der Wissenschaftsrat befürwortet grundsätzlich die Erprobung kooperativer Modelle der Lehrerbildung, um die spezifischen Kompetenzen von Universität und Fachhochschule gewinnbringend für die Lehrerbildung zusammenzuführen. Darüber hinaus spricht das Erfordernis einer frühzeitigen Professionalisierung sowie der spezifisch berufsfeldbezogenen Fachlichkeit der Ausbildung von Grund- und Hauptschullehrern dafür, auch die Fachhochschulen in den Kreis der Anbieter grundständig integrierter BA-Studiengänge aufzunehmen. Welche Vorteile verbindet der Wissenschaftsrat mit seinen Empfehlungen, insbesondere der Einführung konsekutiver Studiengangsstrukturen in der Lehrerbildung? Der Wissenschaftsrat verspricht sich: 1. ein stärker auf die spezifischen Anforderungen von Unterricht und Erziehung im schulischen Kontext zugeschnittenes Bildungsangebot(Stichwort Professionalisierung). Dies wird zum einen auf dem Wege eines reformierten fachwissenschaftlichen Studiums erreicht. Durch Einbettung in ein Bachelor-Studium soll die fachwissenschaftliche Ausbildung aus der Zufälligkeit der gegenwärtigen Spezialisierung herausgelöst und auf ein breites ebenso wie fundiertes Grundlagen- und Überblickswissen für das jeweilige Fach ausgerichtet werden. Der Bachelor schafft somit die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Vermittlung schulischen Unterrichtsstoffes und versetzt die angehenden Lehrer in die Lage, Weiterentwicklungen im Fach eigenständig zu verfolgen und zu erarbeiten. Die„Professionalisierung“ wird zum anderen über ein eigens der Lehrerausbildung„gewidmetes“ Master-Studium erreicht, das sich der Vermittlung einer pädagogisch-didaktischen Professionalität verpflichtet, die für die Ausübung eines bestimmten Lehramtes Voraussetzung ist. In Zusammenhang mit der Verortung in einem eigenständigen Fachbereich kann das MA-Studium wichtige Impulse für auf das Berufsfeld Schule konzentrierte Forschungsaktivitäten und die Bereitstellung entsprechender Lehrangebote geben.
Druckschrift
Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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