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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
Entstehung
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Berliner Forum Wissenschaft und Innovation Daher wird die Instruktionsqualität des Lehrers nicht nur gegenüber besonders begabten Kin­dern vor allem dadurch bestimmt, inwieweit es ihm gelingt die speziellen Denkstrukturen und Lernprozesse der Schüler im Unterricht zu be­rücksichtigen. In dem"Differenzierten Begabungs- und Ta­lentmodell" unterscheidet Gagné(2000, S.69) intrapersonale Katalysatoren von Umweltkata­lysatoren(vgl. Abb. 2). Die Transformation beschreibt Gagné(2000, S.69) dabei als Entwick­lungsprozess, der durch Lernen und Praxis in formeller oder informeller Form realisiert wird. Die Relevanz der Lernprozesse unterstützt auch Weinert(2000a, S. 9):Lernen ist der ent­scheidende Mechanismus bei der Transforma­tion hoher Begabung in exzellente Leistung.(...) Die Förderung von Hochbegabten besteht in der Anregung, Unterstützung und Ermögli­chung herausfordernder Lernprozesse sowie in der Hilfe bei der Wahl und Realisierung an­spruchsvoller Bildungsziele. Gagné betont bei den Umweltkatalysatoren die Relevanz geeigneter Personen(z.B. Lehrer, Mentoren) aber auch spezieller Maßnahmen (z.B. Programme, Aktivitäten) bei der Realisie­rung entsprechender Lernprozesse. Für die Umsetzung von Begabung in Leistung hebt Gagné bei den intrapersonalen Katalysatoren die Bedeutung von Motivation(z.B. Interesse), Willenskraft(z.B. Beharrlichkeit), Selbstmana­gement(z.B. Arbeitsgewohnheiten) und Per­sönlichkeit(z.B. Selbstvertrauen) hervor. Derar­tige Faktoren werden auch in den`neueren´ Expertiseansätzen unterstrichen, bei denen im Gegensatz zur`traditionellen´ Begabungsfor­schung Voraussetzungen für exzellente Leis­tungen untersucht werden. Durch den Ver­gleich von Experten und Novizen lassen sich für diesen Expertiseerwerb neben intrapersona­len Lernbedingungen auch relevante Umwelt­faktoren identifizieren(Gruber& Mandl, 1992). Dafür sind sowohl nicht-kognitive Faktoren wie Interesse, Wille, Ausdauer und Fleiß (Schneider, 1992), als auch kognitive Faktoren in Form quantitativ beschleunigter und qualita­tiv verbesserter Lernprozesse vor allem in der Schule bedeutsam(Weinert, 1992). Abbildung 1: Gagnés Differenziertes Begabungs- und Talentmodell Begabung N atü rlic he Fähigkeiten Bereiche: Intellektuell Kreativ Sozioaffektiv Sensumotorisch Zufälle Katalysatoren Intrapersonal Physis Motivation Wille Selbstmanagement Persönlichkeit pos./neg. Einflüsse Ent wick lu ngsp roz ess infromelles/formelles Lernen& Üben pos./neg. Einflüsse U mw elt Milieu Personen Maßnahmen Ereignisse Talent Systematisch entwickelte Fertigkeiten Gebiete: Akademisch Kunst Wirtschaft Freizeit Sozialaktivitäten Sport Technologie Quelle: Gagné 2000 18