Berliner Forum Wissenschaft und Innovation Daher wird die Instruktionsqualität des Lehrers nicht nur gegenüber besonders begabten Kindern vor allem dadurch bestimmt, inwieweit es ihm gelingt die speziellen Denkstrukturen und Lernprozesse der Schüler im Unterricht zu berücksichtigen. In dem"Differenzierten Begabungs- und Talentmodell" unterscheidet Gagné(2000, S.69) intrapersonale Katalysatoren von Umweltkatalysatoren(vgl. Abb. 2). Die Transformation beschreibt Gagné(2000, S.69) dabei als Entwicklungsprozess, der durch Lernen und Praxis in formeller oder informeller Form realisiert wird. Die Relevanz der Lernprozesse unterstützt auch Weinert(2000a, S. 9):„Lernen ist der entscheidende Mechanismus bei der Transformation hoher Begabung in exzellente Leistung.(...) Die Förderung von Hochbegabten besteht in der Anregung, Unterstützung und Ermöglichung herausfordernder Lernprozesse sowie in der Hilfe bei der Wahl und Realisierung anspruchsvoller Bildungsziele“. Gagné betont bei den Umweltkatalysatoren die Relevanz geeigneter Personen(z.B. Lehrer, Mentoren) aber auch spezieller Maßnahmen (z.B. Programme, Aktivitäten) bei der Realisierung entsprechender Lernprozesse. Für die Umsetzung von Begabung in Leistung hebt Gagné bei den intrapersonalen Katalysatoren die Bedeutung von Motivation(z.B. Interesse), Willenskraft(z.B. Beharrlichkeit), Selbstmanagement(z.B. Arbeitsgewohnheiten) und Persönlichkeit(z.B. Selbstvertrauen) hervor. Derartige Faktoren werden auch in den`neueren´ Expertiseansätzen unterstrichen, bei denen im Gegensatz zur`traditionellen´ Begabungsforschung Voraussetzungen für exzellente Leistungen untersucht werden. Durch den Vergleich von Experten und Novizen lassen sich für diesen Expertiseerwerb neben intrapersonalen Lernbedingungen auch relevante Umweltfaktoren identifizieren(Gruber& Mandl, 1992). Dafür sind sowohl nicht-kognitive Faktoren wie Interesse, Wille, Ausdauer und Fleiß (Schneider, 1992), als auch kognitive Faktoren in Form quantitativ beschleunigter und qualitativ verbesserter Lernprozesse vor allem in der Schule bedeutsam(Weinert, 1992). Abbildung 1: Gagné‘s Differenziertes Begabungs- und Talentmodell Begabung N atü rlic he Fähigkeiten Bereiche: Intellektuell Kreativ Sozioaffektiv Sensumotorisch Zufälle Katalysatoren Intrapersonal Physis Motivation Wille Selbstmanagement Persönlichkeit pos./neg. Einflüsse Ent wick lu ngsp roz ess infromelles/formelles Lernen& Üben pos./neg. Einflüsse U mw elt Milieu Personen Maßnahmen Ereignisse Talent Systematisch entwickelte Fertigkeiten Gebiete: Akademisch Kunst Wirtschaft Freizeit Sozialaktivitäten Sport Technologie Quelle: Gagné 2000 18
Druckschrift
Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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