Berliner Forum Wissenschaft und Innovation Sitz in Münster gegründet. Ziel ist die Bündelung und Ergänzung der Erfahrungen und Kompetenzen beider Hochschulen auf den Gebieten Begabungsforschung und Lehrerfortbildung(Schwerpunkt Nijmegen) sowie Lehrerausbildung und Begabungsförderung (Schwerpunkt Münster). Am Beispiel der drei eng verknüpften ICBF-Arbeitsschwerpunkte Begabungsforschung, Begabungsförderung sowie Aus- und Weiterbildung werden konkrete Aufgabenbereiche für einen begabungsfördernden Unterricht, von dem das Schulsystem insgesamt profitiert, skizziert. Im Bereich der Begabungsforschung werden in interdisziplinären Untersuchungen zunächst die Denk- und Lernprozesse hochbegabter Kinder näher erforscht. Ein besseres Verständnis dieser speziellen Denkstrukturen und strategien ist Voraussetzung für die Entwicklung angemessener Diagnose- und Förderangebote für besonders begabte Kinder im schulischen Kontext. Auf Grundlage der besonderen Denk- und Lernstile dieser Kinder wird dann eine prozessorientierte Förderdiagnostik für den schulischen Einsatz entwickelt und erprobt. Dies soll Lehrerinnen und Lehrer zunehmend befähigen, die besonderen Entwicklungs- und Förderbedürfnisse besonders begabter Kinder im Unterricht zu erkennen. Auf Basis dieser speziellen Bedürfnisse der Kinder werden des weiteren allgemein- und fachdidaktische Ansätze sowie herausfordernde Aufgabenformate für einen begabungsfördernden Unterricht entwickelt und erprobt. Ein derartiger fördernder und herausfordernder Unterricht in den verschiedenen Fächern kommt dabei nicht nur hochbegabten Kindern, sondern gleichermaßen normalbegabten Schülerinnen und Schülern entgegen. Auf dem Gebiet der Begabungsförderung werden hochbegabte Kinder, deren Eltern und Lehrer nach dem`Nijmegener Modell´ förderdiagnostisch beraten. Dieses an der Universität Nijmegen entwickelte Modell der Förderdiagnostik fokussiert dabei das Begabungsprofil von Stärken und Schwierigkeiten, wodurch gezielte Forder- und Fördermaßnahmen vor allem im schulischen Kontext ermöglicht werden. Bei einem allgemeinen Förderbedarf im Bereich der Arbeits-/Lernstrategien werden besonders begabte Kinder gemäß ihrer speziellen Lernund Denkstrukturen förderdiagnostisch unterstützt. Im Projekt`Lernstrategien für hochbegabte Kinder´ erfolgt die Strategievermittlung gebunden an die individuellen Begabungsressourcen und Förderbedürfnisse in konkreten 20 Fachgebieten. Bei einem speziellen Förderbedarf auf dem Gebiet der Lese-/Rechtschreibstrategien werden begabte Kinder mit entsprechenden Lernschwierigkeiten ebenfalls förderdiagnostisch unterstützt. In dem Projekt`LegaOptima ® für begabte Kinder mit LRS´ werden Lese-/Rechtschreibstrategien auf Basis der jeweiligen Lern- und Denkstile sowie der Schriftsprachstruktur vermittelt. Im Rahmen der Aus- und Weiterbildung werden entsprechende Konzepte zur Begabtenförderung mit den Resultaten der Begabungsforschung weiterentwickelt. Speziell in der Lehrerbildung bieten derartige Vernetzungen von Forschung und Förderung die Möglichkeit besondere Handlungskompetenzen in den relevanten Praxisfeldern zu erlangen. Konkret werden praxisorientierte Ausbildungsveranstaltungen zur Begabungsförderung, vor allem für Lehramtsstudierende, durchgeführt. Im Projekt`Uni für Kinder´ werden etwa kleine Gruppen mathematisch oder naturwissenschaftlich besonders begabter und interessierter Kinder mit herausfordernden Aufgabenformaten konfrontiert, während Studierende die Lösungsprozesse dokumentieren und erforschen. Daneben werden Weiterbildungsseminare zur Begabtenförderung vor allem für Lehrerinnen und Lehrer realisiert. Im Zusatzstudiengang zum Diplom"Specialist in Gifted Education" werden Lehrkräfte vor allem in den Möglichkeiten des Erkennens und des Förderns hochbegabter Kinder geschult. Dieser Studiengang wurde an der Universität Nijmegen in Kooperation mit dem„European Council for High Ability“(ECHA) entwickelt. Dadurch können Lehrkräfte als Multiplikatoren für einen begabungsfördernden und damit verbesserten Unterricht fungieren, wodurch wichtige Reformen für die Zukunft des deutschen Schulsystems insgesamt eingeleitet werden können.
Druckschrift
Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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