Berliner Forum Wissenschaft und Innovation sich zugleich auch für die Zukunft des Beschäftigungssystems als Vergeudung von Potentialen, die eigentlich dringend benötigt werden, dar. Zukünftige Schulpolitik wird sich daher – soll das Land insgesamt gesellschaftlich und ökonomisch zukunftsfähig bleiben- mit besonderem Nachdruck der Aufgabe zuwenden müssen, die Leistungsfähigkeit des unteren Viertels in der Leistungshierarchie der Schülerinnen und Schüler besonders zu fördern. Dabei werden die deutschen Schulen allerdings an ihre strukturell vorgegebenen Systemgrenzen stoßen: Die durch das gegliederte deutsche Schulsystem herbeigeführte frühe Separierung und die damit verbundene Homogenisierung verursachen bei den Leistungsschwächeren ein Ausbremsen der Leistungsfähigkeit, also eine Vergeudung von Entwicklungspotentialen. So heißt es im internationalen PISA-Bericht:„In dem Maße, wie die Verteilung der Schüler auf verschiedene Schultypen oder –zweige mit dem sozioökonomischen Hintergrund der Schüler verknüpft ist, besteht in solchen Systemen die Möglichkeit, dass Schüler aus sozial benachteiligten Milieus ihr Potential nicht voll ausschöpfen können.“(OECD 2001, S. 240). Noch eindringlicher liest sich der entsprechende Verweis auf frühe Separierung und Leistungsentwicklung im deutschen PISA-Bericht. Mit Blick auf den Ertrag des Mathematikunterrichts formulieren die PISA-Autoren:„Auch bei gleichen kognitiven Grundfähigkeiten und identischem sozioökonomischem Status ist die Leistung eines Gymnasiasten um 49 Punkte höher als die Leistung eines Hauptschülers.“(Deutsches PISA-Konsortium 2001, S. 182). Dieser Unterschied ist etwas größer als der der Durchschnittswerte von Finnland(536) und Deutschland(490). Die differentiellen Lernmilieus der unterschiedlichen Schultypen tragen dazu bei, dass sich die Schülerleistungen in den unteren Etagen der Schultypenhierarchie nicht so entwickeln können, wie es vom Leistungspotential zumindest eines Teils der Schülerinnen und Schüler dort möglich wäre. Schulpolitik, so die abschließende These, die strukturelle und organisatorische Fragen des Schulsystems aus den Reformüberlegungen ausklammert, wird sich viel einfallen lassen müssen, um die strukturell mit verantworteten Probleme, die die PISAUntersuchung jetzt offen gelegt hat, anders als strukturell zu lösen. Literatur: Deutsches PISA-Konsortium(Hrsg.): PISA 2000 – Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich. Opladen 2001. Maier, Harry: Bildungsökonomie. Die Interdependenz von Bildungs- und Beschäftigungssystem. Stuttgart 1994. OECD: Lernen für das Leben – Erste Ergebnisse von PISA 2000. Paris 2001. Schüssler, Reinhard u.a.: Quantitative Projektion des Qualifikationsbedarfs bis 2010. Nürnberg 1999(Beiträge zur Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit – Heft 221). Weidig, Inge/ Hofer, Peter/ Wolff, Heimfrid: Arbeitslandschaft 2010 nach Tätigkeiten und Tätigkeitsniveau. Nürnberg 1999(Beiträge zur Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit – Heft 227). 24
Druckschrift
Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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