2.1 Die Berufsbildung im internationalen Wettbewerb Gisela Dybowski Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn 1. Das deutsche System der Berufsausbildung im internationalen Vergleich Die Ergebnisse der gerade vorgestellten PISAStudie haben alle Bildungspolitiker in Deutschland alarmiert und die derzeit anberaumten Diskussionen und öffentlich abgegeben Stellungsnahmen zeigen eine erstaunliche Einmütigkeit in der Feststellung, dass sehr schnell und sehr nachhaltig bildungspolitisches Handeln angesagt ist. Das deutsche Schulsystem schneidet im internationalen Vergleich schlecht ab. Experten befürchten – so die These von Prof. Müller-Siebers – ,dass die deutschen Hochschulen nicht viel besser abschneiden. Wie ist es um die Wettbewerbsfähigkeit der beruflichen Bildung und hier vor allem um die Leistungen der Berufsschule bestellt? Das deutsche System der Berufsbildung unterscheidet sich wesentlich von fast allen europäischen Berufsbildungssystemen. Deutschland verfügt aufgrund des dualen System beruflicher Erstausbildung über eine Tradition des Lernens durch Arbeit, während in anderen Staaten der europäischen Union schulische Ausbildungsgänge den Qualifizierungsprozess junger Menschen bestimmen. In jüngster Zeit kann allerdings festgestellt werden, dass das arbeitsintegrierte Lernen in Europa auf immer größeres Interesse stößt – duale Ausbildungsansätze gewinnen in vielen Mitgliedstaaten der EU an Bedeutung. Eine internationale Vergleichsstudie, die das BIBB im Rahmen des europäischen Aktionsprogramms Leonardo gemeinsam mit Forschungseinrichtungen aus Spanien, Finnland, Italien und Großbritannien durchführte 1 , hat die Vor- und Nachteile dualer Ausbildungsmaßnahmen am Beispiel der Berufsausbildung im Baugewerbe untersucht. Ziel war es zu prüfen, inwieweit duale Ausbildungsgänge in den sechs untersuchten Ländern in der Lage sind, neuen ökonomischen und strukturellen Anforderungen zu entsprechen. Die Ergebnisse der europäischen Vergleichsbefragung zeigen: Das zentrale Problem der meisten europäischen Länder ist, Ausbildungsangebote hinreichend am Bedarf der Unternehmen zu orientieren und technische und organisatorische Veränderungen der Arbeitswelt in die Ausbildung einfließen zu lassen. Das duale System in Deutschland hingegen leidet – aus Sicht der befragten Experten – am meisten unter seiner Konjunkturabhängigkeit. 2. Rolle der Berufsschulen in der beruflichen Erstausbildung Entsprechend dem gesetzlichen Auftrag leisten die beruflichen Schulen als Partner im dualen System einen Teil der beruflichen Erstausbildung. Darüber hinaus bieten sie jedoch auch eine Vielzahl schulischer Vollzeitgänge an. Die vollzeitschulischen Berufsbildungskapazitäten wurden vor allem seit Mitte der 90er Jahre erheblich erweitert. Ursache dafür war u.a. der Mangel an betrieblichen Ausbildungsplätzen (Ausdruck der beklagten Konjunkturabhängigkeit). Dieser Ausbau zog die Entwicklung neuer Kooperationsformen mit außerschulischen Lernorten nach sich, vor allem, um praxis- und anwendungsorientierte Phasen in die Ausbil1 vgl. Grünewald, U./Moraal, D.(Hrsg.): Duale Ausbildungssysteme. Institutionelle Rahmenbedingungen und Leistungsfähigkeit der dualen Ausbildung im Baugewerbe. Bielefeld 2001
Druckschrift
Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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