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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
Entstehung
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2.1 Die Berufsbildung im internationalen Wettbewerb Gisela Dybowski Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn 1. Das deutsche System der Be­rufsausbildung im internationalen Vergleich Die Ergebnisse der gerade vorgestellten PISA­Studie haben alle Bildungspolitiker in Deutsch­land alarmiert und die derzeit anberaumten Diskussionen und öffentlich abgegeben Stel­lungsnahmen zeigen eine erstaunliche Einmü­tigkeit in der Feststellung, dass sehr schnell und sehr nachhaltig bildungspolitisches Handeln angesagt ist. Das deutsche Schulsystem schnei­det im internationalen Vergleich schlecht ab. Experten befürchten so die These von Prof. Müller-Siebers ,dass die deutschen Hochschu­len nicht viel besser abschneiden. Wie ist es um die Wettbewerbsfähigkeit der beruflichen Bil­dung und hier vor allem um die Leistungen der Berufsschule bestellt? Das deutsche System der Berufsbildung unter­scheidet sich wesentlich von fast allen europäi­schen Berufsbildungssystemen. Deutschland verfügt aufgrund des dualen System berufli­cher Erstausbildung über eine Tradition des Lernens durch Arbeit, während in anderen Staaten der europäischen Union schulische Ausbildungsgänge den Qualifizierungsprozess junger Menschen bestimmen. In jüngster Zeit kann allerdings festgestellt werden, dass das arbeitsintegrierte Lernen in Europa auf immer größeres Interesse stößt duale Ausbildungs­ansätze gewinnen in vielen Mitgliedstaaten der EU an Bedeutung. Eine internationale Vergleichsstudie, die das BIBB im Rahmen des europäischen Aktions­programms Leonardo gemeinsam mit For­schungseinrichtungen aus Spanien, Finnland, Italien und Großbritannien durchführte 1 , hat die Vor- und Nachteile dualer Ausbildungs­maßnahmen am Beispiel der Berufsausbildung im Baugewerbe untersucht. Ziel war es zu prü­fen, inwieweit duale Ausbildungsgänge in den sechs untersuchten Ländern in der Lage sind, neuen ökonomischen und strukturellen Anfor­derungen zu entsprechen. Die Ergebnisse der europäischen Vergleichsbe­fragung zeigen: Das zentrale Problem der meis­ten europäischen Länder ist, Ausbildungsange­bote hinreichend am Bedarf der Unternehmen zu orientieren und technische und organisatori­sche Veränderungen der Arbeitswelt in die Ausbildung einfließen zu lassen. Das duale System in Deutschland hingegen leidet aus Sicht der befragten Experten am meisten un­ter seiner Konjunkturabhängigkeit. 2. Rolle der Berufsschulen in der be­ruflichen Erstausbildung Entsprechend dem gesetzlichen Auftrag leisten die beruflichen Schulen als Partner im dualen System einen Teil der beruflichen Erstausbil­dung. Darüber hinaus bieten sie jedoch auch eine Vielzahl schulischer Vollzeitgänge an. Die vollzeitschulischen Berufsbildungskapazitäten wurden vor allem seit Mitte der 90er Jahre er­heblich erweitert. Ursache dafür war u.a. der Mangel an betrieblichen Ausbildungsplätzen (Ausdruck der beklagten Konjunkturabhängig­keit). Dieser Ausbau zog die Entwicklung neuer Kooperationsformen mit außerschulischen Lernorten nach sich, vor allem, um praxis- und anwendungsorientierte Phasen in die Ausbil­1 vgl. Grünewald, U./Moraal, D.(Hrsg.): Duale Ausbil­dungssysteme. Institutionelle Rahmenbedingungen und Leistungsfähigkeit der dualen Ausbildung im Baugewerbe. Bielefeld 2001