Berliner Forum Wissenschaft und Innovation dung zu integrieren. Die Bund-LänderKommission(BLK) und auch die im Hauptausschuss des BIBB vertretenen Bänke des Bundes, der Länder und der Sozialpartner haben vor diesem Hintergrund intensivere Formen der Lernortkooperation von beruflichen Schulen, Betrieben und außerbetrieblichen Einrichtungen empfohlen, um zur Sicherung einer modernen und zukunftsträchtigen Ausbildung beizutragen. Damit jedoch Berufsschulen auch angesichts innovativer Veränderungen in der Lage sind, ihren Beitrag in der Ausbildung zu leisten – so hat bereits 1999 das Kuratorium der deutschen Wirtschaft für Berufsbildung gefordert –„müssen sie wie ein modernes Dienstleistungsunternehmen geführt werden. Dazu gehören Gestaltungsfreiräume in finanzieller, personeller und inhaltlicher Hinsicht“ 2 . Ein Blick auf die heutige Situation zeugt eher von einer Mangelsituation: Fehlende Lehrer und Unterrichtsstundenausfälle beeinträchtigen die Qualität des Berufsschulunterrichts und die Ausstattung der Berufsschulen mit modernen Medien zeigt, dass sie nach wie vor das Stiefkind der Bildungspolitik sind. So werden in Gymnasien für die ITAusstattung pro Kopf und Jahr 10.000 DM, in Grundschulen DM 6.000, in den Berufsschulen dagegen nur 4.000 DM pro Schüler ausgegeben. 3. Rolle der Berufsschulen in der beruflichen Weiterbildung In fast allen Reformüberlegungen zur beruflichen Bildung der letzten Jahre ist jedoch nicht allein die Verbesserung der beruflichen Erstausbildung, sondern vor allem die Verbindung von Aus- und Weiterbildung ein wichtiger Programmpunkt. Der Abschied vom Lebensberuf und das lebensbegleitende Lernen erfordern eine Perspektive, die über die Berufsausbildung hinausreicht und die Akzente und Gewichte für das Lernen im gesamten Arbeits- und Berufsleben neu setzt und neu verteilt. Flexibilität und Durchlässigkeit stehen daher im Mittelpunkt der Strategien zur Modernisierung der Berufsbildung. Sie erfordern insbesondere eine neue Qualität regionaler Berufsbildungspolitik, das meint die Entwicklung regionaler Kooperationsstrukturen zur Förderung durchlässiger und 2 Kuratorium der Deutschen Wirtschaft, Schriften zur Berufsbildung: Grundposition der Wirtschaft„Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit“. Köln 1999, S. 20 34 flexibler Verbindungen zwischen Aus- und Weiterbildung und anderen Bildungsbereichen bis hin zu den Hochschulen. Von den Berufsschulen wird dabei erwartet, dass sie sich regional und branchenspezifisch flexibel und differenziert in die Aus- und zunehmend mehr auch in die berufliche Weiterbildung einbringen – was in anderen europäischen Ländern bereits seit einiger Zeit der Fall ist 3 . So werden z.B. in den Niederlanden im Rahmen einer institutionalisierten Zusammenarbeit von Betrieben, Bildungsinstitutionen, Verbänden, Kommunen und Schulen eine optimale Allokation der regionalen Ressourcen angestrebt sowie Absprachen über die Zuweisung unterschiedlicher Aufgaben auf die einzelnen Partner in der Aus- und Weiterbildung getroffen. Auch in Deutschland könnten Berufsschulen und Hochschulen zukünftig größere Initiativen entfalten und das in ihnen vorhandene Qualifizierungs- und Innovationspotential Externen zugänglich machen. Durchaus realistisch ist, dass sich gerade im Bereich der Weiterbildung neu eingerichtete Weiterbildungskonsortien in Form von„public-privatepartnerships“ zwischen privaten und öffentlichen Weiterbildungsträgern etablieren(wie z.B. zwischen Berufsschulen, Hochschulen, Kammern, Unternehmen und Verbänden) und Weiterbildungsangebote unterbreiten, die eng auf den Bedarf und die Anforderungen von Kleinund Mittelbetrieben sowie von Beschäftigten in der Region zugeschnitten sind. 4. Berufsschulen als regionale und fachspezifische Kompetenzzentren Für die Berufsschulen bedeutet dies, dass sie sich – wie seit einiger Zeit von Bildungspolitikern gefordert – strukturell weiterentwickeln und sich von öffentlichen Bildungseinrichtungen, zu Bildungsdienstleistern und Kompetenzzentren in der Region wandeln. Dies setzt jedoch ein höheres Maß an Selbstverantwortung, an organisatorischer Flexibilität und inhaltlicher Differenzierung in den Berufsschulen voraus. Denn mit diesen neuen Aufgabenstellungen müssen sich Berufsschulen künftig auch auf neue Kooperations- und Wettbewerbsstruk3 vgl. Bund-Länder-Kommission(Hrsg.): Kompetenzzentren in regionalen Berufsbildungsnetzwerken – Rolle und Beitrag der beruflichen Schulen. Bericht der BLK, Heft 92, Bonn 2001, S.11 sowie Materialanhang M5, S. 16 ff.
Druckschrift
Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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