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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
Entstehung
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Berliner Forum Wissenschaft und Innovation dung zu integrieren. Die Bund-Länder­Kommission(BLK) und auch die im Hauptaus­schuss des BIBB vertretenen Bänke des Bundes, der Länder und der Sozialpartner haben vor diesem Hintergrund intensivere Formen der Lernortkooperation von beruflichen Schulen, Betrieben und außerbetrieblichen Einrichtun­gen empfohlen, um zur Sicherung einer mo­dernen und zukunftsträchtigen Ausbildung beizutragen. Damit jedoch Berufsschulen auch angesichts innovativer Veränderungen in der Lage sind, ihren Beitrag in der Ausbildung zu leisten so hat bereits 1999 das Kuratorium der deutschen Wirtschaft für Berufsbildung gefordertmüs­sen sie wie ein modernes Dienstleistungsunter­nehmen geführt werden. Dazu gehören Gestal­tungsfreiräume in finanzieller, personeller und inhaltlicher Hinsicht 2 . Ein Blick auf die heutige Situation zeugt eher von einer Mangelsituation: Fehlende Lehrer und Unterrichtsstundenausfäl­le beeinträchtigen die Qualität des Berufsschul­unterrichts und die Ausstattung der Berufs­schulen mit modernen Medien zeigt, dass sie nach wie vor das Stiefkind der Bildungspolitik sind. So werden in Gymnasien für die IT­Ausstattung pro Kopf und Jahr 10.000 DM, in Grundschulen DM 6.000, in den Berufsschulen dagegen nur 4.000 DM pro Schüler ausgegeben. 3. Rolle der Berufsschulen in der be­ruflichen Weiterbildung In fast allen Reformüberlegungen zur berufli­chen Bildung der letzten Jahre ist jedoch nicht allein die Verbesserung der beruflichen Erst­ausbildung, sondern vor allem die Verbindung von Aus- und Weiterbildung ein wichtiger Pro­grammpunkt. Der Abschied vom Lebensberuf und das lebensbegleitende Lernen erfordern eine Perspektive, die über die Berufsausbildung hinausreicht und die Akzente und Gewichte für das Lernen im gesamten Arbeits- und Berufsle­ben neu setzt und neu verteilt. Flexibilität und Durchlässigkeit stehen daher im Mittelpunkt der Strategien zur Modernisierung der Berufs­bildung. Sie erfordern insbesondere eine neue Qualität regionaler Berufsbildungspolitik, das meint die Entwicklung regionaler Kooperati­onsstrukturen zur Förderung durchlässiger und 2 Kuratorium der Deutschen Wirtschaft, Schriften zur Be­rufsbildung: Grundposition der WirtschaftFlexibilität und Wettbewerbsfähigkeit. Köln 1999, S. 20 34 flexibler Verbindungen zwischen Aus- und Weiterbildung und anderen Bildungsbereichen bis hin zu den Hochschulen. Von den Berufsschulen wird dabei erwartet, dass sie sich regional und branchenspezifisch flexibel und differenziert in die Aus- und zu­nehmend mehr auch in die berufliche Weiter­bildung einbringen was in anderen europäi­schen Ländern bereits seit einiger Zeit der Fall ist 3 . So werden z.B. in den Niederlanden im Rahmen einer institutionalisierten Zusammen­arbeit von Betrieben, Bildungsinstitutionen, Verbänden, Kommunen und Schulen eine op­timale Allokation der regionalen Ressourcen angestrebt sowie Absprachen über die Zuwei­sung unterschiedlicher Aufgaben auf die ein­zelnen Partner in der Aus- und Weiterbildung getroffen. Auch in Deutschland könnten Be­rufsschulen und Hochschulen zukünftig größe­re Initiativen entfalten und das in ihnen vor­handene Qualifizierungs- und Innovationspo­tential Externen zugänglich machen. Durchaus realistisch ist, dass sich gerade im Bereich der Weiterbildung neu eingerichtete Weiterbil­dungskonsortien in Form vonpublic-private­partnerships zwischen privaten und öffentli­chen Weiterbildungsträgern etablieren(wie z.B. zwischen Berufsschulen, Hochschulen, Kam­mern, Unternehmen und Verbänden) und Wei­terbildungsangebote unterbreiten, die eng auf den Bedarf und die Anforderungen von Klein­und Mittelbetrieben sowie von Beschäftigten in der Region zugeschnitten sind. 4. Berufsschulen als regionale und fachspezifische Kompetenzzentren Für die Berufsschulen bedeutet dies, dass sie sich wie seit einiger Zeit von Bildungspoliti­kern gefordert strukturell weiterentwickeln und sich von öffentlichen Bildungseinrichtun­gen, zu Bildungsdienstleistern und Kompe­tenzzentren in der Region wandeln. Dies setzt jedoch ein höheres Maß an Selbstverantwor­tung, an organisatorischer Flexibilität und in­haltlicher Differenzierung in den Berufsschulen voraus. Denn mit diesen neuen Aufgabenstel­lungen müssen sich Berufsschulen künftig auch auf neue Kooperations- und Wettbewerbsstruk­3 vgl. Bund-Länder-Kommission(Hrsg.): Kompetenzzent­ren in regionalen Berufsbildungsnetzwerken Rolle und Beitrag der beruflichen Schulen. Bericht der BLK, Heft 92, Bonn 2001, S.11 sowie Materialanhang M5, S. 16 ff.