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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
Entstehung
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2.3 Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hochschulen Max G. Huber DAAD, Bonn 1. Ausgangssituation Vor etwa zehn Jahren hat die Entwicklung ei­nes internationalen Bildungsmarktes begonnen. An diesem nehmen im Augenblick ca. 1.6 Mil­lionen Studierende teil, die außerhalb ihres Heimatlandes ein Studium absolvieren. Dies ist eine nicht zu verachtende Anzahl, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es in Deutschland zur Zeit 1.8 Millionen Studierende gibt. Alle Anzeichen sprechen dafür, dass sich dieser Markt weiterhin rasant entwickeln wird. Es gibt Länder, die auf den Import von Ausbildungs­dienstleistungen angewiesen sind. Insbesonde­re die sich schnell entwickelnden Entwick­lungsländer müssen solche Dienstleitungen importieren. Exporteure von Bildung und Aus­bildung sind Industrieländer wie die USA und auch Deutschland. 2. Wie ist die Position Deutschlands auf dem internationalen Bildungs­markt? An diesem Markt zu partizipieren ist sehr wich­tig. Die hier ausländischen Studierenden sind eine wichtige Bereicherung für unsere Gesell­schaft, Wissenschaft und Wirtschaft. Unsere Universitäten profitieren im höchsten Maße, besonders von den bereits qualifizierten Studie­renden. Weiterhin sind die hier ausgebildeten Menschen Botschafter Deutschlands in ihren jeweiligen Heimatländern. Ihre Einfluss ist nicht zu unterschätzen. Von den 1,6 Millionen studierten im Jahre 2000 ca. 500.000 in den USA, also etwa ein Drittel. 175 bis 200.000 studierten in Großbritannien, ca. 100.000 jeweils in Deutschland und Australien. Deutschland ist gemessen an seinen Möglich­keiten und seinen Bedürfnissen an diesem Markt also unterproportional beteiligt. 3. Wie kann die Wettbewerbsfähig­keit Deutschlands auf dem internati­onalen Bildungsmarkt gestärkt wer­den? Die deutschen Universitäten sind besser als ihr Ruf im Inland. Hochschulabsolventen aus Deutschland sind im Ausland gefragt. Vor al­lem Ingenieure, Physiker und Chemiker wer­den häufig ins Ausland geholt. Das deutsche Hochschulsystem ist eigentlich gegenüber an­deren, wie etwa dem angelsächsischen und französischen, gut aufgestellt. Das von Hum­boldt stammende deutsche System steht dem französischen der grandes ecoles und dem angel­sächsischen Bachelor und Master System gegenüber. Dieses schon 200 Jahre alte Hochschulsystem hat eine Reihe von Erfolgen vorzuweisen. Die besten, international gerühmten Universitä­ten in den Vereinigten Staaten wie Stanford, Harvard, haben dieses System kopiert. An den restlichen 2.900 Universitäten des higher­education-systems der USA gibt es dieses System nicht. Angesichts dieser Tatsachen könnte man mit mehr Selbstbewusstsein die deutschen Mög­lichkeiten betrachten! Was zeichnet das deutsche Hochschulsystem aus? Ein weltweit geachtetes Gütesiegel ist der deut­sche Diplomabschluss. Die Diplomarbeit ist eine anspruchsvolle und zeitintensive selbstän­dige Forschungsarbeit. Die Studierenden setzen dabei gelerntes theoretisches Wissen in prakti­sche Arbeit um. Schließlich bedarf es persönli-