2.4 Finanzierung und Qualität der Hochschulbildung Karl-Wilhelm Müller-Siebers Fachhochschule für die Wirtschaft Hannover These 1: Deutsche Hochschulen erbringen in der Grundlagenforschung nur noch selten wissenschaftliche Spitzenleistungen. Auch die akademische Lehre gilt im internationalen Maßstab als mittelmäßig, weil Ausstattung und Betreuung durch die Dozenten verbesserungsfähig sind. Laut PISA-Studie hat sich das deutsche Schulsystem im internationalen Bildungswettbewerb nicht bewährt. Unter 32 Teilnehmerstaaten belegt Deutschland nur Platz 25. Viele Experten befürchten nun, dass die deutschen Hochschulen nicht viel besser abschneiden würden. So haben z.B. nur drei Wissenschaftler, die in Deutschland lehren und forschen, seit 1990 einen Nobelpreis in Chemie, Physik, Medizin oder Ökonomie gewonnen. Weitere fünf Preisträger stammen zwar aus Deutschland, leben und arbeiten aber in den USA. Aber nicht nur die Forschungsleistung, auch die Qualität der akademischen Lehre scheint im europäischen Maßstab zumeist nur mittelmäßig. Der Spiegel bescheinigte dies bereits 1998 den deutschen Hochschulen. Befragt wurden rund 1000 Professoren und 7400 Studierende in 15 Ländern. Besonders die Ausstattung von Bibliotheken und Laboren und die Kompetenz und Hilfsbereitschaft der Dozenten bewerteten die Befragten als unzureichend. So erscheint es plausibel, dass die deutschen Hochschulen in internationalen Rankings nur auf den hinteren Plätzen landen oder gar nicht aufgeführt werden. Unter den führenden Business Schools in Europa wird keine deutsche Hochschule aufgelistet. Dennoch bescheinigt Frau Buhlmahn als Bundesministerin für Bildung und Forschung anlässlich der HRK Tagung ‚Hochschulmarketing im Aufbruch‘ am 29./30.10.01 in Bonn, dass „die meisten deutschen Universitäten... weit besser als der Großteil der amerikanischen Universitäten“ seien. Diese„Tatsache“ müsse weltweit bekannt gemacht werden. Wir bräuchten deshalb dringend ein„gezieltes Marketing für den Bildungs- und Forschungsstandort Deutschland“. Tatsächlich ist eine differenziertere Betrachtungsweise notwendig als sie Rankings, Nobelpreise oder Imagebefragungen nahe legen. Vergleiche im Spitzenbereich sind nur eingeschränkt aussagefähig für das Bildungssystem und haben mit dem Alltag der meisten deutschen Hochschulen wenig zu tun. Denn ihre gesetzlich verankerte Aufgabe ist nicht die Erbringung von Spitzenleistungen im internationalen Vergleich, sondern die Pflege und Entwicklung der Wissenschaften, Mitwirkung an der gesellschaftlichen Entwicklung durch Nutzung und Verbreitung der Arbeitsergebnisse und Vorbereitung auf berufliche Tätigkeiten, die die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden erfordern. So steht es im Niedersächsischen Hochschulgesetz von 1998. Weitere Ziele sind die Sicherstellung einer regionalen Grundversorgung mit Studienplätzen und die Förderung der heimischen Wirtschaft. Die dafür notwendigen Finanzmittel werden bedarfsorientiert angemeldet und in den Haushalten der Bundesländer veranschlagt. Von Wettbewerb war lange keine Rede. Den spürten die meisten Hochschulen auch erst, als die Anfängerzahlen in einzelnen Fachbereichen oder Standorten zurückgingen und Stellen und Finanzmittel gekürzt oder umverteilt wurden. Seitdem werden Überlegungen angestellt, die eine Verstetigung der Nachfrage bewirken sol-
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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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