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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
Entstehung
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2.4 Finanzierung und Qualität der Hochschulbildung Karl-Wilhelm Müller-Siebers Fachhochschule für die Wirtschaft Hannover These 1: Deutsche Hochschulen erbringen in der Grundlagenforschung nur noch selten wissenschaftliche Spitzenleis­tungen. Auch die akademische Lehre gilt im internationalen Maßstab als mittelmäßig, weil Ausstattung und Betreuung durch die Dozenten ver­besserungsfähig sind. Laut PISA-Studie hat sich das deutsche Schul­system im internationalen Bildungswettbewerb nicht bewährt. Unter 32 Teilnehmerstaaten be­legt Deutschland nur Platz 25. Viele Experten befürchten nun, dass die deutschen Hochschu­len nicht viel besser abschneiden würden. So haben z.B. nur drei Wissenschaftler, die in Deutschland lehren und forschen, seit 1990 einen Nobelpreis in Chemie, Physik, Medizin oder Ökonomie gewonnen. Weitere fünf Preis­träger stammen zwar aus Deutschland, leben und arbeiten aber in den USA. Aber nicht nur die Forschungsleistung, auch die Qualität der akademischen Lehre scheint im europäischen Maßstab zumeist nur mittelmä­ßig. Der Spiegel bescheinigte dies bereits 1998 den deutschen Hochschulen. Befragt wurden rund 1000 Professoren und 7400 Studierende in 15 Ländern. Besonders die Ausstattung von Bibliotheken und Laboren und die Kompetenz und Hilfsbe­reitschaft der Dozenten bewerteten die Befrag­ten als unzureichend. So erscheint es plausibel, dass die deutschen Hochschulen in internatio­nalen Rankings nur auf den hinteren Plätzen landen oder gar nicht aufgeführt werden. Unter den führenden Business Schools in Europa wird keine deutsche Hochschule aufgelistet. Dennoch bescheinigt Frau Buhlmahn als Bun­desministerin für Bildung und Forschung an­lässlich der HRK Tagung ‚Hochschulmarketing im Aufbruch am 29./30.10.01 in Bonn, dass die meisten deutschen Universitäten... weit besser als der Großteil der amerikanischenniversitäten seien. DieseTatsache müsse weltweit bekannt gemacht werden. Wir bräuch­ten deshalb dringend eingezieltes Marketing für den Bildungs- und Forschungsstandort Deutschland. Tatsächlich ist eine differenziertere Betrach­tungsweise notwendig als sie Rankings, Nobel­preise oder Imagebefragungen nahe legen. Ver­gleiche im Spitzenbereich sind nur einge­schränkt aussagefähig für das Bildungssystem und haben mit dem Alltag der meisten deut­schen Hochschulen wenig zu tun. Denn ihre gesetzlich verankerte Aufgabe ist nicht die Erbringung von Spitzenleistungen im internati­onalen Vergleich, sondern die Pflege und Ent­wicklung der Wissenschaften, Mitwirkung an der gesellschaftlichen Entwicklung durch Nut­zung und Verbreitung der Arbeitsergebnisse und Vorbereitung auf berufliche Tätigkeiten, die die Anwendung wissenschaftlicher Er­kenntnisse und Methoden erfordern. So steht es im Niedersächsischen Hochschulgesetz von 1998. Weitere Ziele sind die Sicherstellung einer regionalen Grundversorgung mit Studienplät­zen und die Förderung der heimischen Wirt­schaft. Die dafür notwendigen Finanzmittel werden bedarfsorientiert angemeldet und in den Haushalten der Bundesländer veran­schlagt. Von Wettbewerb war lange keine Rede. Den spürten die meisten Hochschulen auch erst, als die Anfängerzahlen in einzelnen Fachbereichen oder Standorten zurückgingen und Stellen und Finanzmittel gekürzt oder umverteilt wurden. Seitdem werden Überlegungen angestellt, die eine Verstetigung der Nachfrage bewirken sol-