Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb nach Ansicht des DAAD weniger interessant für die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Heimatländer und die deutsche Exportwirtschaft. Sie sind deshalb als Zielgruppe für Marketingmaßnahmen von untergeordneter Bedeutung für den DAAD. Das gilt sicher nicht für die Bewerber in den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Hier übt der DAAD in seiner Vermarktung allerdings Zurückhaltung, weil diese Fächer international nicht als wettbewerbsfähig gelten. These 4: Die Attraktivität vieler Studienangebote kann durch gemeinsame Studien- und Praxisprogramme von Hochschulen und Unternehmen bzw. Verbänden nochmals erheblich gesteigert werden. Gerade die deutschen Unternehmen sind zu einer engen Zusammenarbeit bereit, weil sie gute Erfahrungen mit dem dualen Ausbildungssystem gemacht haben. In allen Studiengängen, aber insbesondere in den international abgeschlagenen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen, kann die Wettbewerbsposition verbessert werden, wenn die Erfolgskonzepte der Ingenieurwissenschaften übernommen und ausgebaut würden. Hohe Leistungsanforderungen, eine gute theoretische Fundierung und enge Kooperation von Hochschulen und Unternehmen sind auch international Highlights. Hier hat das deutsche Hochschulsystem sogar einen deutlichen Standortvorteil gegenüber anderen Ländern. Viele Unternehmen haben sehr positive Erfahrungen mit der dualen Ausbildung gemacht. Sie sind fast immer auch bereit, Studierenden praktische Erfahrungen durch Praktika oder gemeinsame Entwicklungsprojekte zu vermitteln. Als ein positives Beispiel mag die private Fachhochschule für die Wirtschaft(FHDW) in Hannover gelten. Die FHDW bietet ausschließlich sogenannte duale Studiengänge an, die nach drei Jahren zum Diplomabschluss führen und sogar studienbegleitend eine IHK-Prüfung ermöglichen. Betrieb und Hochschule sind gleichberechtigte Lernorte, die durch ihre Verzahnung die Entwicklung einer umfassenden beruflichen Handlungskompetenz ermöglichen. Die FHDW koordiniert die lernortübergreifenden Lernprozesse durch Vergabe von Projektund Diplomarbeiten für die Praxisphasen mit einer Gesamtdauer von 18 Monaten. Eine Übernachfrage von Unternehmen und in- und ausländischen Studienbewerbern beweist, dass dieses Angebot für alle Beteiligten hochattraktiv ist. Der Erfolg ist insbesondere bemerkenswert, weil mehr als 100 Kooperationsunternehmen Studiengebühren von mindestens 70.000 DM für die Förderung eines Studierenden zahlen. These 5: Eine nachhaltige Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit erfordert höhere Bildungsinvestitionen. Eine deutlichere Profilierung der Studienprogramme muss durch eine Verbesserung der viel beklagten Ausstattungs- und Betreuungsqualität ergänzt werden. Und dafür sind zusätzliche Finanzmittel notwendig. Weil aber der finanzielle Spielraum begrenzt ist, versuchen derzeit die meisten Bundesländer durch Globalhaushalte und die sogenannte„Formelgebundene Mittelzuweisung“ eine effizientere Mittelverteilung zu erreichen. So wurden in Niedersachsen 20% der Haushaltsmittel nach der durchschnittlichen Auslastung der Studiengänge, 20 % aufgrund der durchschnittlichen Absolventenzahl und 60% für die Vorhaltung von Studienplätzen verteilt. Damit wurden zwar erste Elemente einer marktorientierten Steuerung eingeführt, eine wirkliche Verbesserung der Rahmenbedingungen und der Wettbewerbsfähigkeit ist aber bei nahezu unverändertem Gesamthaushalt kaum möglich. Auch die Umwandlung der Hochschulen in Stiftungen öffentlichen Rechts mit der Hoffnung, zusätzliches privates Stiftungskapital einzusammeln, wird allenfalls langfristig positive Wirkungen zeigen. Die deutschen Hochschulen können deshalb ihre finanzielle Situation nur verbessern, wenn sie kurzfristig weitere nationale und internationale Finanzierungsquellen erschließen. Dabei dürfen auch Studiengebühren kein Tabu sein. Gerade die Fächer, die für Führungsnachwuchs attraktiv sind, verfügen über ein ungeheures Finanzierungspotential. Für diese Fächer werden weltweit horrende Studiengebühren gezahlt. Eine zweite Finanzierungsquelle stellt die Industrie bereit. Bereits heute verfügen viele 43
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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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