Berliner Forum Wissenschaft und Innovation Hochschulinstitute über mehr industrielle Drittmittel als zugeteilte Haushaltsgelder. Entlässt man die ingenieurwissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Institute oder die betriebswirtschaftlichen Studiengänge in die wirtschaftliche Freiheit, so werden sie sich nach relativ kurzer Zeit weitgehend selbst finanzieren. Ohne Einbußen bei der Angebotsqualität! These 6: Mittelfristig entsteht ein wettbewerbsstarker privatwirtschaftlicher Hochschulsektor, der die meisten ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichen Studienangebote zusammenfasst. In ihm werden auch viele öffentliche Studienangebote aufgehen. Mittelfristig entstehen zwei strukturell unterschiedliche Hochschulsektoren. Der eine wird weitgehend über den Markt gesteuert und finanziert. Die Wissenschaftsministerien übernehmen lediglich qualitätssichernde Aufgaben. Der zweite führt das heutige öffentliche Hochschulsystem fort. Es wird von der Wissenschaftsverwaltung geschützt, reglementiert und alimentiert. Im Idealfall befruchten sich beide Systeme gegenseitig. Durch die Herauslösung vieler anwendungsnaher Fachbereiche aus der staatlichen Obhut werden Mittel frei, die in die Grundlagenforschung oder die Verbesserung der Studienbedingungen in den verbleibenden staatlichen Hochschulen verwendet werden können. Diese Vorschläge finden vermutlich wenig Akzeptanz bei den Professoren, die ihre staatliche Absicherung gegen eine ungewisse privatwirtschaftliche Zukunft eintauschen müssen. Deshalb werden relativ lange Übergangsfristen gelten, in denen privatwirtschaftliche Anbieter entweder neue Hochschulen aufbauen oder einzelne Fachbereiche aus den staatlichen Hochschulen übernehmen. These 7: Gerade private Hochschulen können für ihre Studienanfänger eine vollständige Finanzierung des Studiums durch die Wirtschaft sicherstellen und damit für mehr Chancengleichheit sorgen. Die immer wieder geäußerte Befürchtung, dass durch private Hochschulen ein sozialer Numerus Clausus entstünde, ist allerdings unberechtigt. Die Erfahrung der bereits bestehenden und guten privaten Hochschulen zeigt, dass sich für begabte Bewerber immer Sponsoren in der Wirtschaft finden. So zahlen an der FHDW Hannover weniger als 30% der Studierenden ihre Studiengebühren selbst. Im Gegenteil: Fast 70% der Studierenden erhalten sogar noch ein zusätzliches„Taschengeld“ von monatlich 500 DM. Dieses private Studienmodell erhöht die Chancengleichheit beträchtlich! 44
Druckschrift
Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten