2.5 Berufs- und Hochschulbildung aus der Sicht der Deutschen Wirtschaft Geerd Woortmann DIHK, Berlin Das deutsche Ausbildungssystem, in dem zwei Drittel der Schulabgänger ausgebildet werden, hat einen alles entscheidenden Vorteil: die Verbindung von Lernen und Arbeiten. Dies ist ein Lerntyp, der in Europa relativ unbekannt ist. Einige Hochschulen kopieren dies immer mehr: sie verbinden Arbeiten mit lernpraktischem und wissenschaftlichem Tun. Der DIHK, damals noch Deutscher Industrie- und Handelstag, hat vor Jahren mit der damaligen Fachhochschulrektorenkonferenz eine Vereinbarung getroffen, um die dualen Studiengänge in Deutschland zu forcieren. Wir haben einige gute Ergebnisse erzielt; selbst wenn wir nicht ganz zufrieden sind. Das System der dualen Ausbildung hat schwierige Zeiten hinter sich. Es versäumte in den 70er und 80er Jahren, sich nach dem Bedarf des Arbeitslebens weiterzuentwickeln und zu reformieren. Es ist erst in den 90er Jahren gelungen, den Nachholbedarf an Reformen durch völlig neue Berufe, durch die Aktivierung und Entwicklung von neuen Ausbildungskulturen in neuen Branchen aufzuholen. Aber wir sind noch nicht am Ziel. Noch haben wir nicht alle Produkte – sprich Ausbildungsberufe – entwickelt. Der DIHK hält fest an der Berufsfähigkeit als Ziel. Wir halten fest an dem Berufsprinzip. Wir kritisieren das starre Ordnungsreglement. Bei manchen Ausbildungsordnungen ist es wahnsinnig schwer, den Konsens zwischen den beteiligten Gruppen herzustellen. Gleichwohl: An dem Berufsprinzip wollen wir festhalten. Aber wir wollen es differenzierter. Da sind wir mit fast allen einig. Wir plädieren für ein Satellitenmodell. Es soll Wahlmöglichkeiten geben, nach Begabung, Eignung der Jugendlichen, aber auch Eignung der Betriebe und Branchen. Entsprechende Konsequenzen sind für differenziertere Prüfungen zu ziehen. Diese Wahlmöglichkeiten sind schon der Weg in die Weiterbildung, mit dem Ziel des lebensbegleitenden Lernens. Das Satellitenmodell öffnet hierfür die Türen. Mit der Differenzierung und Flexibilisierung fangen die Probleme der Berufsschulen an. Ich spreche von der Berufsschule als Partner des betrieblichen Ausbildungssystems. Sie ist aus unserer Sicht sehr stark einem alten Organisationsdenken und teilweise überholten inhaltlichen Vorstellungen verhaftet. Selbst wenn man zugestehen muss, dass viele Schüler die allgemeinbildenden Schulen mit erheblichen Defiziten verlassen, so glauben wir, dass die Fortsetzung des allgemeinbildenden Unterrichts an den Berufsschulen überholt ist. Der typische Absolvent ist nicht mehr 15 oder 16 Jahre. Wenn Berufsschulen sich zu Kompetenzzentren entwickeln wollen, müssen sie sich von diesen Dingen befreien. In der Ausstattung- das ist gesagt worden – müssen sie vom Tropf der Kommunen und der Landkreise abgekoppelt werden. Das ist einer der ganz großen Engpässe. Gut, manche Berufsschule profitiert vom Geldsegen vor Wahlen, aber dann ist häufig vier oder fünf Jahre Pause. Das heißt, dass Finanzierungssystem der Berufsschulen ist absolut ungenügend und überhaupt nicht zukunftsträchtig. Andererseits werden unnötige Finanzmittel in der schulischen VollzeitAusbildung gebunden. Wer so finanziert wird, ist nach meiner Ansicht nicht wettbewerbsfähig und würde als“Kompetenzzentrum“ laufende Subventionen brauchen, die den anderen Wettbewerbern, vor allem den privaten Bildungsträgern, schaden. Das andere Problem ist die Rekrutierung von Lehrern. Bei der differenzierteren Berufspalette kann man nicht mehr alle Berufe und Wahlbausteine mit beamteten Lehrern bedienen. Man
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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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