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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
Entstehung
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2.5 Berufs- und Hochschulbildung aus der Sicht der Deutschen Wirtschaft Geerd Woortmann DIHK, Berlin Das deutsche Ausbildungssystem, in dem zwei Drittel der Schulabgänger ausgebildet werden, hat einen alles entscheidenden Vorteil: die Ver­bindung von Lernen und Arbeiten. Dies ist ein Lerntyp, der in Europa relativ unbekannt ist. Einige Hochschulen kopieren dies immer mehr: sie verbinden Arbeiten mit lernpraktischem und wissenschaftlichem Tun. Der DIHK, da­mals noch Deutscher Industrie- und Han­delstag, hat vor Jahren mit der damaligen Fachhochschulrektorenkonferenz eine Verein­barung getroffen, um die dualen Studiengänge in Deutschland zu forcieren. Wir haben einige gute Ergebnisse erzielt; selbst wenn wir nicht ganz zufrieden sind. Das System der dualen Ausbildung hat schwie­rige Zeiten hinter sich. Es versäumte in den 70er und 80er Jahren, sich nach dem Bedarf des Arbeitslebens weiterzuentwickeln und zu re­formieren. Es ist erst in den 90er Jahren gelun­gen, den Nachholbedarf an Reformen durch völlig neue Berufe, durch die Aktivierung und Entwicklung von neuen Ausbildungskulturen in neuen Branchen aufzuholen. Aber wir sind noch nicht am Ziel. Noch haben wir nicht alle Produkte sprich Ausbildungsberufe entwi­ckelt. Der DIHK hält fest an der Berufsfähigkeit als Ziel. Wir halten fest an dem Berufsprinzip. Wir kritisieren das starre Ordnungsreglement. Bei manchen Ausbildungsordnungen ist es wahn­sinnig schwer, den Konsens zwischen den be­teiligten Gruppen herzustellen. Gleichwohl: An dem Berufsprinzip wollen wir festhalten. Aber wir wollen es differenzierter. Da sind wir mit fast allen einig. Wir plädieren für ein Satelli­tenmodell. Es soll Wahlmöglichkeiten geben, nach Begabung, Eignung der Jugendlichen, aber auch Eignung der Betriebe und Branchen. Entsprechende Konsequenzen sind für diffe­renziertere Prüfungen zu ziehen. Diese Wahl­möglichkeiten sind schon der Weg in die Wei­terbildung, mit dem Ziel des lebensbegleiten­den Lernens. Das Satellitenmodell öffnet hier­für die Türen. Mit der Differenzierung und Flexibilisierung fangen die Probleme der Berufsschulen an. Ich spreche von der Berufsschule als Partner des betrieblichen Ausbildungssystems. Sie ist aus unserer Sicht sehr stark einem alten Organisati­onsdenken und teilweise überholten inhaltli­chen Vorstellungen verhaftet. Selbst wenn man zugestehen muss, dass viele Schüler die allge­meinbildenden Schulen mit erheblichen Defizi­ten verlassen, so glauben wir, dass die Fortset­zung des allgemeinbildenden Unterrichts an den Berufsschulen überholt ist. Der typische Absolvent ist nicht mehr 15 oder 16 Jahre. Wenn Berufsschulen sich zu Kompetenzzentren entwickeln wollen, müssen sie sich von diesen Dingen befreien. In der Ausstattung- das ist gesagt worden müssen sie vom Tropf der Kommunen und der Landkreise abgekoppelt werden. Das ist einer der ganz großen Engpäs­se. Gut, manche Berufsschule profitiert vom Geldsegen vor Wahlen, aber dann ist häufig vier oder fünf Jahre Pause. Das heißt, dass Fi­nanzierungssystem der Berufsschulen ist abso­lut ungenügend und überhaupt nicht zukunfts­trächtig. Andererseits werden unnötige Fi­nanzmittel in der schulischen Vollzeit­Ausbildung gebunden. Wer so finanziert wird, ist nach meiner Ansicht nicht wettbewerbsfähig und würde alsKompetenzzentrum laufende Subventionen brauchen, die den anderen Wett­bewerbern, vor allem den privaten Bildungs­trägern, schaden. Das andere Problem ist die Rekrutierung von Lehrern. Bei der differenzierteren Berufspalette kann man nicht mehr alle Berufe und Wahlbau­steine mit beamteten Lehrern bedienen. Man