Druckschrift 
Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
Entstehung
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Berliner Forum Wissenschaft und Innovation rungen zwingen uns, lebenslänglich zu ler­nen, wenn wir individuell, regional und na­tional konkurrenzfähig bleiben wollen. 3. Nach der neoliberalen Individualisierungs­variante, sind staatliche Curricula zu schwerfällig und angebotsorientierte Bil­dungseinrichtungen zu inflexibel. Nach dieser Vorstellung weiß das Individuum am besten, was es an Bildung für seine ei­gene Karriere braucht. Aus diesem Grunde wird von dieser Sichtweise die Selbstver­antwortlichkeit, die Selbststeuerungskom­petenz der Individuen stark betont. Aus diesem Lager werden auch Bildungsgut­scheine etc. vehement gefordert. 4. Die humanistische Variante will insbeson­dere den bildungsfernen und bildungsbe­nachteiligten Schichten über ein offeneres Bildungssystem bessere Zugänge zum Ler­nen ermöglichen, womit sich auch die Sozi­alchancen der Betroffenen verbessern und brachliegende Humanressourcen aktiviert werden. Diese vier Sichtweisen haben allerdings keine gleichen Verwirklichungschancen. Die Variante 1. sollte allmählich verschwinden, weil sie ein Missverständnis des Konzeptes LLL bedeutet. Die Variante 2. vom ‚lebenslänglichen Lernen ist begrifflich und inhaltlich kritisch vom Autor Geißler in die Debatte gebracht worden. Sie ist in ihrer Ausschließlichkeit etwas zu pointiert. Weder einem Lerner nützen heftige Lernzwän­ge auf die Dauer, noch erweist sich eine Bil­dung, die allein auf den aktuellen Bedarf aus­gerichtet ist, als zukunftssicher. Die neoliberale Variante 3. hat eigentlich im Kontext des Siegeszuges liberaler, marktwirt­schaftlicher Lösungskonzepte gute Chancen, sich wesentlich durchzusetzen. Aber das scheint wegen einer Allianz aus Wertkonserva­tismus, gestandenen Sozialdemokraten und nicht zuletzt aus Kultusbürokratien nicht zu funktionieren. Der eine glaubt z.B. immer noch, in einem Zentralabitur den SchülerInnen vor­schreiben zu können, was sie wissen sollen, die anderen halten die öffentliche Verantwortung in der Bildung hoch und letztere stehen den Schulen und Bildungseinrichtungen so nahe, dass sie nicht das Wasser der staatlichen Förde­rung abgraben können. Schließlich hat die Variante 4. es schwer, große Mehrheiten zu finden, weil die Unterstützung der Lernbenachteiligten ein mühsamer und auch nicht billiger Weg zur Verbesserung ihrer 58 Lebenschancen ist, zumal die Bildungsbedarfs­defizite heute mehr im hochqualifizierten als im basisqualifizierten Bereich zu liegen schei­nen. Auf Sonntagsreden und wissenschaftlichen Kongressen wird uns also auch zukünftig eine Mixtur mit Schwerpunkten in den Varianten 2. und 3. an LLL-Interpretation entgegenkommen. Zur Veränderung der Bildungssäulen In der Theorie des lebenslangen Lernens wird in den letzten Jahren massiv vom Wandel der Lernkulturen und vom Wandel des Bildungs­verständnisses der Einrichtungen und Lehren­den gesprochen. Nimmt man das alles für bare Münze, dann müsste heute von der Vorschul­erziehung bis zur Seniorenbildung(die freilich in generationsübergreifenden Angebotsformen integriert sein sollten) ein gewaltiger Wandel im Rollenverständnis und damit auch in der Bildungsplanung der Lernenden im Anzug sein. Wenn ein Gymnasiallehrer echte Lernbe­gleitung betreiben würde und sich ein Gymna­siast z.B. für einen Kontrakt für eine Chemie­leistungsarbeit mit dem benachbarten Pharma­konzern entscheiden könnte, wären Wege er­öffnet, die quer zu den klassischen Bildungs­säulen stehen. Im Prinzip ist mit LLL eine revo­lutionäre Veränderung der Lernbiografien prognostiziert, die sich durch vertikale und horizontale Übergangsmöglichkeiten im Wei­terbildungssystem auszeichnen sollte. In der Praxis sind wir davon noch weit entfernt. Damit die wissenschaftlich erwiesenen hohen Lernfähigkeiten im Kindesalter nicht verschüt­tet, sondern für eine lebenslange Neugierde und Offenheit am Lernen gefördert werden, bedürfte es einer Veränderung der Erzieherin­nenausbildung, die wie in anderen europäi­schen Ländern schon üblich eine Hochschul­qualifizierung und eine entsprechend höhere Bezahlung dafür bräuchten. An der Schulfront wird partiell emsig gebastelt. Jeder neue Kul­tusminister übt sich in neuen Reformwellen. Für Außenstehende wird aber nicht ganz deut­lich, ob damit den neuen Anforderungen an eine strukturelle Einstellung auf LLL bzw. auf Lernübergänge und Systemoffenheit genügend gerecht wird. In der Berufsausbildung ist noch am ehesten eine Verzahnung zur Hochschul­und Weiterbildung zu erkennen, hier erschwe­ren mangelnde Transparenz und mangelnde Passungsmöglichkeit(z.B. Modularisierung) einfache Bereichsübergänge. In den Hochschu-