Druckschrift 
Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
Entstehung
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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb len wird das Lebenslange Lernen an die wis­senschaftliche Weiterbildung delegiert, d.h. implizit herrscht hier offensichtlich die Vorstel­lung, LLL sei gleich Weiterbildung. In der Wei­terbildung selbst wird programmatisch eine sehr intensive Debatte geführt. An Lehrbüchern und Zeitschriftenartikeln zum Paradigmen­wechsel in der Weiterbildung besteht kein Mangel. Die Qualität dieser Beiträge ist respek­tabel, nur in der Praxis ist davon noch nicht allzu viel angekommen. Im Modellversuchsprogramm ‚Lebenslanges Lernen, das alle Bildungsbereiche aufgefordert hatte, sich mit Modellvorhaben zu beteiligen, liegt eine Dominanz der Weiterbildung vor. Von insgesamt 22 Projekten sind nur 5 reine Schulprojekte, der Rest hat mehr oder weniger die Weiterbildung als Thema. Da zu bildungs­bereichsübergreifenden Konzepten und Netz­werkaufbau aufgerufen war, ist eine Rubrizie­rung nicht ganz einfach. Es tauchen in insge­samt 9 Projekten Schulen bzw. Schüler als Un­tersuchungsgegenstand auf, während nur 8 Projekte rein aus Weiterbildungseinrichtungen bestehen. Bei den restlichen liegt eine Kombina­tion aus Hochschulbildung, Weiterbildung und Lehrerfortbildung vor. Nur in drei dieser ‚Wei­terbildungsprojekte thematisiert eine durch­führende Hochschule auch ihre eigenen Studie­renden(Erziehungs- und Gesundheitswissen­schaften). Und in nur drei Projekten werden Lernbenachteiligte gefördert. Weiterbildung im Kontext der neuen Herausforderungen Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung hat 1999 ein Forum zur Weiterbildung veran­staltet, in dem Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Praxis zu Worte kamen(vgl. DIE-Zeitschrift I/99). Dabei herrschte im Grun­de Einigkeit darüber, dass ein großer Reform­bedarf anstehe, dass unser Weiterbildungssys­tem seine Wurzeln aus einer Zeit hat, in der für einen Beruf ausgebildet wurde und in der Ver­änderungsprozesse in überschaubaren Zeit­räumen verliefen. Festgestellt wird, dass sich bereits Vieles verändert, dass das System eine hohe Vielfalt und Flexibilität aufweist, was aber mangels Transparenz und zu geringer Rah­menregelung im innerdeutschen und europäi­schen Maßstab zu Schwierigkeiten führt. Es bedarf höherer Modularisierung der Angebote, einer überschaubaren Qualitätssicherung und Zertifizierung und größerer horizontaler und vertikaler Durchlässigkeit. Der Umsetzung dieser Zielsetzungen stehen etliche Schwierig­keiten entgegen, die insbesondere aus einem sehr diffusen Zuständigkeitsspektrum für Wei­terbildung in der bildungspolitischen Land­schaft rühren. In jedem Bundesland ist Weiter­bildung auf mehrere Ministerien, und darin auf unterschiedliche Ressorts verteilt, und von Land zu Land sind diese Sonderheiten ver­schieden. Auch die Lobby für Weiterbildung ist in Deutschland schwach, weil der Organisie­rungsgrad meist gering ist, und die vielen Ver­bände keinen Dachverband besitzen, der der Weiterbildung eine einzige starke Stimme ver­leihen könnte. In den Statements der Wissenschaftler und Praktiker wird beklagt, dass in Deutschland die Bedeutung der Weiterbildung zwar von der Politik verbal betont werde, dass ihr aber im Grunde nicht genügend Aufmerksamkeit ge­widmet würde. Perspektiven netzbasierter Weiter­bildung Es herrscht eine Diskrepanz zwischen der an­fänglichen Euphorie über die Leistungsstärke von ‚E-learning in bildungspolitischen Beiträ­gen aus der Politik, aber auch aus der Wissen­schaft, und der vorhandenen Praxis in der Wei­terbildung vor. Aufgrund des mangelnden Know-Hows, mangelnder Ausstattung in den Einrichtungen aber auch bei den Adressaten und insbesondere wegen einer noch unterent­wickelten Netzkommunikationskultur führten die wenigen Versuche von Onlineangeboten in der allgemeinen Weiterbildung zu Ernüchte­rung. Die Situation in der beruflichen, insbe­sondere betrieblichen Aus- und Weiterbildung ist diesbezüglich etwas besser, aber bei genaue­rer Hinsicht dominieren dort meist nur IT­bezogene Inhalte oder es wird CBT( computer­based teaching) bzw. WBT( web-based teaching) in Intranetzen praktiziert. Untersuchungen zei­gen, dass in den KMU die IT-Angebotsrealität erheblich unter der von Großbetrieben liegt. Diese breite Ernüchterung führt m.E. allerdings zur Unterschätzung einer wahrscheinlich erst kommenden Entwicklung. Die meisten Arbeiten zum E-learning in der Weiterbildung gehen von jeweils einem Ansatz aus, dessen bisherige Erfahrungen sie dann insgesamt für E-learning verallgemeinern. Der 59