Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb len wird das Lebenslange Lernen an die wissenschaftliche Weiterbildung delegiert, d.h. implizit herrscht hier offensichtlich die Vorstellung, LLL sei gleich Weiterbildung. In der Weiterbildung selbst wird programmatisch eine sehr intensive Debatte geführt. An Lehrbüchern und Zeitschriftenartikeln zum Paradigmenwechsel in der Weiterbildung besteht kein Mangel. Die Qualität dieser Beiträge ist respektabel, nur in der Praxis ist davon noch nicht allzu viel angekommen. Im Modellversuchsprogramm ‚Lebenslanges Lernen’, das alle Bildungsbereiche aufgefordert hatte, sich mit Modellvorhaben zu beteiligen, liegt eine Dominanz der Weiterbildung vor. Von insgesamt 22 Projekten sind nur 5 reine Schulprojekte, der Rest hat mehr oder weniger die Weiterbildung als Thema. Da zu bildungsbereichsübergreifenden Konzepten und Netzwerkaufbau aufgerufen war, ist eine Rubrizierung nicht ganz einfach. Es tauchen in insgesamt 9 Projekten Schulen bzw. Schüler als Untersuchungsgegenstand auf, während nur 8 Projekte rein aus Weiterbildungseinrichtungen bestehen. Bei den restlichen liegt eine Kombination aus Hochschulbildung, Weiterbildung und Lehrerfortbildung vor. Nur in drei dieser ‚Weiterbildungsprojekte’ thematisiert eine durchführende Hochschule auch ihre eigenen Studierenden(Erziehungs- und Gesundheitswissenschaften). Und in nur drei Projekten werden Lernbenachteiligte gefördert. Weiterbildung im Kontext der neuen Herausforderungen Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung hat 1999 ein Forum zur Weiterbildung veranstaltet, in dem Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Praxis zu Worte kamen(vgl. DIE-Zeitschrift I/99). Dabei herrschte im Grunde Einigkeit darüber, dass ein großer Reformbedarf anstehe, dass unser Weiterbildungssystem seine Wurzeln aus einer Zeit hat, in der für einen Beruf ausgebildet wurde und in der Veränderungsprozesse in überschaubaren Zeiträumen verliefen. Festgestellt wird, dass sich bereits Vieles verändert, dass das System eine hohe Vielfalt und Flexibilität aufweist, was aber mangels Transparenz und zu geringer Rahmenregelung im innerdeutschen und europäischen Maßstab zu Schwierigkeiten führt. Es bedarf höherer Modularisierung der Angebote, einer überschaubaren Qualitätssicherung und Zertifizierung und größerer horizontaler und vertikaler Durchlässigkeit. Der Umsetzung dieser Zielsetzungen stehen etliche Schwierigkeiten entgegen, die insbesondere aus einem sehr diffusen Zuständigkeitsspektrum für Weiterbildung in der bildungspolitischen Landschaft rühren. In jedem Bundesland ist Weiterbildung auf mehrere Ministerien, und darin auf unterschiedliche Ressorts verteilt, und von Land zu Land sind diese Sonderheiten verschieden. Auch die Lobby für Weiterbildung ist in Deutschland schwach, weil der Organisierungsgrad meist gering ist, und die vielen Verbände keinen Dachverband besitzen, der der Weiterbildung eine einzige starke Stimme verleihen könnte. In den Statements der Wissenschaftler und Praktiker wird beklagt, dass in Deutschland die Bedeutung der Weiterbildung zwar von der Politik verbal betont werde, dass ihr aber im Grunde nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet würde. Perspektiven netzbasierter Weiterbildung Es herrscht eine Diskrepanz zwischen der anfänglichen Euphorie über die Leistungsstärke von ‚E-learning’ in bildungspolitischen Beiträgen aus der Politik, aber auch aus der Wissenschaft, und der vorhandenen Praxis in der Weiterbildung vor. Aufgrund des mangelnden Know-Hows, mangelnder Ausstattung in den Einrichtungen aber auch bei den Adressaten und insbesondere wegen einer noch unterentwickelten Netzkommunikationskultur führten die wenigen Versuche von Onlineangeboten in der allgemeinen Weiterbildung zu Ernüchterung. Die Situation in der beruflichen, insbesondere betrieblichen Aus- und Weiterbildung ist diesbezüglich etwas besser, aber bei genauerer Hinsicht dominieren dort meist nur ITbezogene Inhalte oder es wird CBT( computerbased teaching) bzw. WBT( web-based teaching) in Intranetzen praktiziert. Untersuchungen zeigen, dass in den KMU die IT-Angebotsrealität erheblich unter der von Großbetrieben liegt. Diese breite Ernüchterung führt m.E. allerdings zur Unterschätzung einer wahrscheinlich erst kommenden Entwicklung. Die meisten Arbeiten zum E-learning in der Weiterbildung gehen von jeweils einem Ansatz aus, dessen bisherige Erfahrungen sie dann insgesamt für E-learning verallgemeinern. Der 59
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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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