Druckschrift 
Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Berliner Forum Wissenschaft und Innovation Forschungsstand zu den ganz unterschiedli­chen Herausforderungen zur Planung und Durchführung von Onlineangeboten und zum virtuellen Lernen oder zur wissenschaftlich begründeten Konzeption von CBT ist noch unzureichend. Die vorhandene Praxis ist zu wenig systematisiert. In aller Regel wird z.B. nicht getrennt zwischen synchronen und asyn­chronen Angeboten oder zwischen projekt-, material- oder kommunikationsorientierten Onlineangeboten. In vielen aktuellen ‚Online­Angeboten geschieht eigentlich nur die Lern­organisation über das Netz, während das Ler­nen noch klassisch anhand ausgedruckter Stu­dienmaterialien erfolgt. Man sollte sich nicht wundern, dass eine mas­senwirksame Umsetzung einer doch gravierend neuen Lerntechnologie Zeit braucht. In dem Maße, in dem es gelingt, die allgemeine Lern­kultur in der Weiterbildung stärker auf selbst­gesteuertes Lernen auszurichten, steigen auch die Chancen für eine ergänzende Nutzung netzbasierter Angebote, insbesondere dürfte das informelle Lernen über das Netz noch sehr stark zunehmen. Eine E-Learning-Kultur zu etablieren, ist ein nicht leichtes Unterfangen. Die deutsche Studentenkultur begnügt sich z.B. damit, dass der Student einmal im Semester ein Referat hält und den Rest der ZeitGasthörer ist. Bei einem virtuellen Seminar muss man dagegen jede Woche aktiv sein. Fehlende Leis­tung fällt sofort auf. Wenn das Internet zum entscheidenden Informationsportal in den pri­vaten Haushalten geworden ist, so dass jegliche Wissenssuche ohnehin zu einem sehr großen Anteil über das Netz erledigt wird, dann wird die Nutzung des Netzes als Bildungsangebots­raum selbstverständlich. Eine weitere wichtige Voraussetzung für zu­künftige Netzangebote ist eine höhere Koopera­tion zwischen den Einrichtungen, bzw. eine gemeinsame Nutzung regional vorgehaltener Lernplattformen. Eine solche Entwicklung be­ginnt gerade bei den Handwerkskammern und zaghaft auch bei den Volkshochschulen. Es zeichnet sich allerdings schon heute ab, dass das meist genannte Kostenargument der Be­triebe als Argument für E-learning für leicht standardisierbare Inhalte spricht, die pädago­gisch wenig anspruchsvoll- gewissermaßen preiswert und schlecht- die überwältigende Angebotsform im Netz sein werden, während mehr kommunikationsorientierte, schriftbasier­te und mit hohem Betreuungsaufwand verbun­dene Angebotsformen nur für die zahlungs­60 kräftigen Bildungsprivilegierten zur Verfügung gestellt werden. Eine europäische Perspektive für E-learning erweist sich noch am ehesten im Sprachenbe­reich, z.B. gibt es jetzt bereits Kooperationen (tele-Tutor- und Englischkurse) zwischen dem niedersächsischen VHS-Landesverband und einem englischen Netzanbieter. Von den Wei­terbildungsangeboten des Bayrischen virtuellen Hochschulverbundes erhofft man sich, deutschsprachige Studenten aus den östlichen Nachbarländern anzulocken, denen ein Prä­senzstudium in Bayern zu teuer käme. Ich ver­mute, dass in den netzbasierten Angeboten Deutschland im europäischen Mittelfeld gut mitschwimmt, bei leichtem Vorsprung nordi­scher Länder. Qualitätssicherung im LLL-Kontext Mit der größeren Selbstverantwortung eines ‚mündigen Lerners, mit der Erschließung auch lernungewohnter Klientel wächst der Bedarf nach Transparenz und Qualitätssicherheit des Angebotes. So haben alle Europäischen Länder in den letzten Jahren ihre Anstrengungen zur Qualitätssicherung in der Weiterbildung inten­siviert. Es besteht eine Tendenz, dass in der beruflichen Bildung andere Qualitätssiche­rungsmaßnahmen erfolgen als in der allgemei­nen Weiterbildung. Z.B. gibt es schon seit lan­gem Kriterienlisten seitens der Arbeitsämter, welche Bedingungen eine Einrichtung erfüllen muss, damit sie als förderwürdig erkannt wird. Solche Listen erfassen allerdings nur den Input, der in eine Einrichtung fließt. Welches Produkt dabei herauskommt, wird nicht bemessen. Initiiert wurde die Qualitätsdebatte in der Wei­terbildung zu Beginn der 90er durch die Ausei­nandersetzung mit der DIN-Normenreihe ISO 9000 ff. Von allgemeinen Qualitätsmanage­mentsystemen abstammend wurde sie sehr kontrovers in der Weiterbildung diskutiert. Ihre Schwäche war die ‚Inhaltsleere und weil sie keine Festlegung zur Produktqualität trifft, überreglementierend, statisch, einseitig kun­denorientiert und teuer ausgelegt war. Einen mehr prozessorientierten Ansatz verfolgt das Total Quality Management(TQM), wo die Qualitätsmessung unter dem Gesichtspunkt des Bildungsnachfragers gesehen wird. Schließ­lich ist europaweit das darauf aufbauende EQFM Verfahren entwickelt worden, das ver­mehrt auch in der deutschen Weiterbildung