Berliner Forum Wissenschaft und Innovation Forschungsstand zu den ganz unterschiedlichen Herausforderungen zur Planung und Durchführung von Onlineangeboten und zum virtuellen Lernen oder zur wissenschaftlich begründeten Konzeption von CBT ist noch unzureichend. Die vorhandene Praxis ist zu wenig systematisiert. In aller Regel wird z.B. nicht getrennt zwischen synchronen und asynchronen Angeboten oder zwischen projekt-, material- oder kommunikationsorientierten Onlineangeboten. In vielen aktuellen ‚OnlineAngeboten’ geschieht eigentlich nur die Lernorganisation über das Netz, während das Lernen noch klassisch anhand ausgedruckter Studienmaterialien erfolgt. Man sollte sich nicht wundern, dass eine massenwirksame Umsetzung einer doch gravierend neuen Lerntechnologie Zeit braucht. In dem Maße, in dem es gelingt, die allgemeine Lernkultur in der Weiterbildung stärker auf selbstgesteuertes Lernen auszurichten, steigen auch die Chancen für eine ergänzende Nutzung netzbasierter Angebote, insbesondere dürfte das informelle Lernen über das Netz noch sehr stark zunehmen. Eine E-Learning-Kultur zu etablieren, ist ein nicht leichtes Unterfangen. Die deutsche Studentenkultur begnügt sich z.B. damit, dass der Student einmal im Semester ein Referat hält und den Rest der Zeit„Gasthörer“ ist. Bei einem virtuellen Seminar muss man dagegen jede Woche aktiv sein. Fehlende Leistung fällt sofort auf. Wenn das Internet zum entscheidenden Informationsportal in den privaten Haushalten geworden ist, so dass jegliche Wissenssuche ohnehin zu einem sehr großen Anteil über das Netz erledigt wird, dann wird die Nutzung des Netzes als Bildungsangebotsraum selbstverständlich. Eine weitere wichtige Voraussetzung für zukünftige Netzangebote ist eine höhere Kooperation zwischen den Einrichtungen, bzw. eine gemeinsame Nutzung regional vorgehaltener Lernplattformen. Eine solche Entwicklung beginnt gerade bei den Handwerkskammern und zaghaft auch bei den Volkshochschulen. Es zeichnet sich allerdings schon heute ab, dass das meist genannte Kostenargument der Betriebe als Argument für E-learning für leicht standardisierbare Inhalte spricht, die pädagogisch wenig anspruchsvoll- gewissermaßen preiswert und schlecht- die überwältigende Angebotsform im Netz sein werden, während mehr kommunikationsorientierte, schriftbasierte und mit hohem Betreuungsaufwand verbundene Angebotsformen nur für die zahlungs60 kräftigen Bildungsprivilegierten zur Verfügung gestellt werden. Eine europäische Perspektive für E-learning erweist sich noch am ehesten im Sprachenbereich, z.B. gibt es jetzt bereits Kooperationen (tele-Tutor- und Englischkurse) zwischen dem niedersächsischen VHS-Landesverband und einem englischen Netzanbieter. Von den Weiterbildungsangeboten des Bayrischen virtuellen Hochschulverbundes erhofft man sich, deutschsprachige Studenten aus den östlichen Nachbarländern anzulocken, denen ein Präsenzstudium in Bayern zu teuer käme. Ich vermute, dass in den netzbasierten Angeboten Deutschland im europäischen Mittelfeld gut mitschwimmt, bei leichtem Vorsprung nordischer Länder. Qualitätssicherung im LLL-Kontext Mit der größeren Selbstverantwortung eines ‚mündigen Lerners’, mit der Erschließung auch lernungewohnter Klientel wächst der Bedarf nach Transparenz und Qualitätssicherheit des Angebotes. So haben alle Europäischen Länder in den letzten Jahren ihre Anstrengungen zur Qualitätssicherung in der Weiterbildung intensiviert. Es besteht eine Tendenz, dass in der beruflichen Bildung andere Qualitätssicherungsmaßnahmen erfolgen als in der allgemeinen Weiterbildung. Z.B. gibt es schon seit langem Kriterienlisten seitens der Arbeitsämter, welche Bedingungen eine Einrichtung erfüllen muss, damit sie als förderwürdig erkannt wird. Solche Listen erfassen allerdings nur den Input, der in eine Einrichtung fließt. Welches Produkt dabei herauskommt, wird nicht bemessen. Initiiert wurde die Qualitätsdebatte in der Weiterbildung zu Beginn der 90er durch die Auseinandersetzung mit der DIN-Normenreihe ISO 9000 ff. Von allgemeinen Qualitätsmanagementsystemen abstammend wurde sie sehr kontrovers in der Weiterbildung diskutiert. Ihre Schwäche war die ‚Inhaltsleere’ und weil sie keine Festlegung zur Produktqualität trifft, überreglementierend, statisch, einseitig kundenorientiert und teuer ausgelegt war. Einen mehr prozessorientierten Ansatz verfolgt das Total Quality Management(TQM), wo die Qualitätsmessung unter dem Gesichtspunkt des Bildungsnachfragers gesehen wird. Schließlich ist europaweit das darauf aufbauende EQFM Verfahren entwickelt worden, das vermehrt auch in der deutschen Weiterbildung
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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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