Druckschrift 
Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

3.3 Weiterbildung und AspekteLebenslangen Lernens aus gewerkschaftlicher Sicht Eva Kuda IG-Metall, Frankfurt 1. Nicht erst seit PISA ist bekannt, dass Deutsch­land keine Spitzenposition im Bildungsbereich einnimmt. Bereits in einer Studie der OECD aus den 90er Jahren belegte Deutschland im Ver­gleich mit 15 EU-Staaten im Weiterbildungsbe­reich nur den 10. Platz. Die Wichtigkeit der Weiterbildung wurde in der Vergangenheit in Deutschland vor allem im Zusammenhang mit der Standortfrage disku­tiert. Das Ziel der wirtschaftlichen Standortsi­cherung allein konnte jedoch keine umfassende Entwicklung für den Weiterbildungsbereich anstoßen. Weiterhin ist in Deutschland in der Vergangen­heit das Thema Weiterbildung aufgrund des hoch entwickelten Systems der Erstausbildung vernachlässigt worden. Offensichtlich bildeten die in der Erstausbildung erworbenen Kennt­nisse eine gute Grundlage, um sich an verän­derte Anforderungen anzupassen. Das duale System ist auch ein Vorgriff auf das heute ge­forderte Lernen im Arbeitsprozess. 2. Das System der Weiterbildung in Deutschland ist nach dem Marktprinzip ausgerichtet. Zu­mindest in den letzten 20 Jahren wurde der Vorrang des Marktes gegenüber der Rolle des Staates postuliert. Dabei wurde vernachlässigt, dass Bildung nicht ein reines Marktprodukt, sondern immer mit sozialen Prozessen verbun­den ist. In einer repräsentativen Umfrage des Bundes­instituts für Berufsbildung haben sich 40% von 500 befragten Unternehmen für ein verstärktes Eingreifen des Staates in der Weiterbildung ausgesprochen. Dies hat aufgrund der Untersuchung folgende Ursachen: Das Weiterbildungssystem wird als un­strukturiert und unkoordiniert wahrge­nommen. Zu viele Bildungsträger bieten Weiterbildung an. Dabei sind die unter­schiedlichen vergebenen Zertifikate und erworbenen Qualifikationen nicht ver­gleichbar. Ein weiteres, als defizitär wahrgenomme­nes Merkmal ist die Abgeschottetheit. Zwi­schen den Institutionen der Weiterbildung, den vor- und nachgelagerten Einrichtungen der allgemeinen und beruflichen Bildung gibt es kaum Durchlässigkeit. Aus der Perspektive der einzelnen Menschen bringt das Marktprinzip weitere Nachteile mit sich: Es bemühen sich bereits heute 61% der Erwerbstätigen um regelmäßige Weiterbil­dung. Allerdings lernen Ungelernte, Selb­ständige und freie Mitarbeiter überwiegend informell und nebenbei im Arbeitsprozess. Facharbeiter, Meister und höhere Ange­stellte lernen dagegen eher in formal gere­gelter Weiterbildung. 34% der Teilnehmenden an Weiterbildung haben niedrige Schulabschlüsse, 65% dage­gen Abitur. Gering Qualifizierte, Ältere und Frauen sind benachteiligt. Facharbeiter müssen dreimal so viel für Weiterbildung aufwenden wie Führungs­kräfte. Die Mehrzahl der Einzelnen ist angesichts der Unübersichtlichkeit des Weiterbil­dungsmarktes überfordert, sich die richti­gen Angebote auszuwählen. Außerdem