3.3 Weiterbildung und Aspekte„Lebenslangen Lernens“ aus gewerkschaftlicher Sicht Eva Kuda IG-Metall, Frankfurt 1. Nicht erst seit PISA ist bekannt, dass Deutschland keine Spitzenposition im Bildungsbereich einnimmt. Bereits in einer Studie der OECD aus den 90er Jahren belegte Deutschland im Vergleich mit 15 EU-Staaten im Weiterbildungsbereich nur den 10. Platz. Die Wichtigkeit der Weiterbildung wurde in der Vergangenheit in Deutschland vor allem im Zusammenhang mit der Standortfrage diskutiert. Das Ziel der wirtschaftlichen Standortsicherung allein konnte jedoch keine umfassende Entwicklung für den Weiterbildungsbereich anstoßen. Weiterhin ist in Deutschland in der Vergangenheit das Thema Weiterbildung aufgrund des hoch entwickelten Systems der Erstausbildung vernachlässigt worden. Offensichtlich bildeten die in der Erstausbildung erworbenen Kenntnisse eine gute Grundlage, um sich an veränderte Anforderungen anzupassen. Das duale System ist auch ein Vorgriff auf das heute geforderte Lernen im Arbeitsprozess. 2. Das System der Weiterbildung in Deutschland ist nach dem Marktprinzip ausgerichtet. Zumindest in den letzten 20 Jahren wurde der Vorrang des Marktes gegenüber der Rolle des Staates postuliert. Dabei wurde vernachlässigt, dass Bildung nicht ein reines Marktprodukt, sondern immer mit sozialen Prozessen verbunden ist. In einer repräsentativen Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung haben sich 40% von 500 befragten Unternehmen für ein verstärktes Eingreifen des Staates in der Weiterbildung ausgesprochen. Dies hat aufgrund der Untersuchung folgende Ursachen: • Das Weiterbildungssystem wird als unstrukturiert und unkoordiniert wahrgenommen. Zu viele Bildungsträger bieten Weiterbildung an. Dabei sind die unterschiedlichen vergebenen Zertifikate und erworbenen Qualifikationen nicht vergleichbar. • Ein weiteres, als defizitär wahrgenommenes Merkmal ist die Abgeschottetheit. Zwischen den Institutionen der Weiterbildung, den vor- und nachgelagerten Einrichtungen der allgemeinen und beruflichen Bildung gibt es kaum Durchlässigkeit. Aus der Perspektive der einzelnen Menschen bringt das Marktprinzip weitere Nachteile mit sich: • Es bemühen sich bereits heute 61% der Erwerbstätigen um regelmäßige Weiterbildung. Allerdings lernen Ungelernte, Selbständige und freie Mitarbeiter überwiegend informell und nebenbei im Arbeitsprozess. Facharbeiter, Meister und höhere Angestellte lernen dagegen eher in formal geregelter Weiterbildung. • 34% der Teilnehmenden an Weiterbildung haben niedrige Schulabschlüsse, 65% dagegen Abitur. Gering Qualifizierte, Ältere und Frauen sind benachteiligt. • Facharbeiter müssen dreimal so viel für Weiterbildung aufwenden wie Führungskräfte. • Die Mehrzahl der Einzelnen ist angesichts der Unübersichtlichkeit des Weiterbildungsmarktes überfordert, sich die richtigen Angebote auszuwählen. Außerdem
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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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