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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
Entstehung
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4.1 Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb Andreas Schleicher OECD, Paris 1. Die Volkswirtschaften der OECD-Staaten ste­hen vor der Aufgabe, sich dem technologi­schen, sozialen und wirtschaftlichen Wandel anzupassen- und so gut wie möglich von ihm zu profitieren. Sich verändernde demographi­sche und soziale Rahmenbedingungen, die wachsende Nachfrage nach neuen Kompeten­zen und Veränderungen hin zur Wissensgesell­schaft haben Bildung und Ausbildung fast ü­berall in der OECD in den Vordergrund ge­rückt. Bildung ist zum Schlüssel geworden nicht nur für den Erfolg des Einzelnen, sondern auch für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit der Staaten insgesamt. So zeigen Analysen der OECD z.B. nicht nur deutliche Zusammenhän­ge zwischen Bildung, Arbeitsmarktchancen und Einkommen, sondern auch, dass Zuwächse beim Bildungsstand in den achtziger und neunziger Jahren, neben einer auf niedrige In­flation und solide öffentliche Finanzen ausge­richteten makroökonomischen Politik, eine der wichtigsten Einflussgrößen des Wirtschafts­wachstums waren. Mit einem geschätzten Bei­trag von durchschnittlich 0,4 Prozent zum jähr­lichen Wachstum der Produktivität(OECD, 2001a, Tabelle A3.1) gibt es kaum einen ande­ren Faktor, der ähnlich große Bedeutung für das Wirtschaftswachstum hatte. 2. Vor diesem Hintergrund bemühen sich die Regierungen der OECD um eine effektive Bil­dungspolitik, die der steigenden Bildungs- und Lernnachfrage des Einzelnen gerecht wird und die Zukunftsfähigkeit der Staaten insgesamt sichern hilft. 3. Ein Verständnis der Funktionsweise der Bil­dungssysteme und der Beziehungen zwischen Humankapital und wirtschaftlicher Leistungs­fähigkeit sind dabei wesentlich für die Entwick­lung- und Begleitung- von Bildungsreformen. Vergleiche sind allerdings schwierig, da sich Bildungssysteme sowohl hinsichtlich ihrer Bil­dungsziele als auch bezüglich der zugrunde liegenden Strukturen unterscheiden. Um hier einen Beitrag zu leisten, arbeitet die OECD seit über 10 Jahren an der Entwicklung von Indika­toren, die als Informationsgrundlage bei der Festlegung von bildungspolitischen Inhalten dienen können und die eine Beurteilung der Bildungssysteme durch Politik und Öffentlich­keit fördern. Zusammen mit umfangreichen qualitativen und quantitativen Analysen von bildungspolitischen Entwicklungen in den 30 Mitgliedstaaten der OECD, bilden diese Indika­toren eine wichtige Wissensbasis mit der die Bildungsreformen in den OECD-Staaten unter­stützt werden. 4. Dabei wird die Entwicklung der OECD Bil­dungsindikatoren von einer Reihe von Themen geleitet, für die die Mitgliedstaaten eine inter­national vergleichbare Perspektive für beson­ders relevant halten: Dazu zählt zunächst Qualitätssicherung und die Verbesserung von Bildungsleis­tungen. In diesem Zusammenhang steht auch die von der OECD entwickelte und durchgeführte Schulleistungsstudie PISA. Dazu zählt aber auch die Verbesserung von Zugangsmöglichkeiten zu Bildung, sowie die Verbesserung ihrer Effektivität-