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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
Entstehung
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Berliner Forum Wissenschaft und Innovation mit dem Ziel, lebensbegleitendes Lernen zur Realität werden zu lassen, und zwar für alle Bevölkerungsschichten. Ebenso wird eine ausgewogene und ge­rechte Verteilung von Bildungschancen angestrebt. Die OECD-Bildungsindikatoren zeigen dabei, dass der Preis für ein hohes Leistungsniveau eines Bildungssystems nicht unbedingt ein großes Leistungsgefäl­le zwischen Schulen und Schülern sein muss. Wie kann sichergestellt werden, dass die Verantwortung für Bildung, und damit auch für Investitionen in Bildung, gerecht verteilt wird? Auch dies ist ein zentrales Thema, das die Entwicklung der OECD­Bildungsindikatoren mitbestimmt. 5. Die Ergebnisse von PISA wurden in Deutsch­land als nationale Bildungskatastrophe be­zeichnet. Der Begriff ist aus zwei Gründen nicht treffend. Einerseits hat das deutsche Bildungs­system auch anerkannte Stärken, wie z.B. das duale System. Andererseits verbindet man mit dem Begriff Katastrophe ein Naturereignis, welches unabwendbar scheint und für das man nicht verantwortlich ist. Dem ist nicht so, denn die Ergebnisse von PISA sind Ergebnisse über Jahre gewachsener Bildungsstrukturen, Bil­dungspolitik und Bildungspraxis. Die Ergeb­nisse der Studie sollen für die OECD-Länder Lösungsmöglichkeiten anbieten, die jeweiligen Bildungssysteme zu verbessern. 6. Im Mittelpunkt von PISA 2000 steht weniger die Frage, wie gut Jugendliche einen bestimm­ten schulischen Lehrstoff beherrschen, als viel­mehr deren Fähigkeit, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten zur Bewältigung realitätsnaher Herausforderungen einzusetzen. Das Hauptau­genmerk gilt dem Verständnis von Zusammen­hängen, der Steuerung von Prozessen, sowie der Fähigkeit, das Wissen auf verschiedene Alltagssituationen zu übertragen und anzu­wenden. Die Ergebnisse von PISA zeigen bei den Bildungsergebnissen von 15-Jährigen in den Bereichen Lesekompetenz, mathematische Grundbildung und naturwissenschaftliche Grundbildung deutliche Mängel auf. Deutsch­80 land belegt unter den 32 Teilnehmerstaaten nur Platz 22. In allen drei Bereichen weist Deutschland eine unterdurchschnittlicher Gesamtleis­tung auf, weitgehend verursacht durch ei­nen überdurchschnittliche Anteil von schwachen Schülern(vgl. OECD, 2001b, Tabelle 2.1). Zusätzlich hat Deutschland in allen Unter­suchungsbereichen eine besonders hohe, im Bereich Lesekompetenz die höchste Leistungsstreuung(vgl. OECD, 2001b, Ta­belle 2.4). Der Anteil von Schülerinnen und Schülern, deren Leistungen auf der unters­ten Kompetenzstufe oder sogar darunter liegen, ist in allen von PISA erfassten Leis­tungsbereichen relativ hoch. Im oberen Leistungsbereich ist die deutsche Position etwas besser, bleibt aber im Durchschnitt der OECD-Staaten. Bei deutschen Schülerinnen und Schülern sind effektive Lernstrategien vergleichs­weise schlechter entwickelt. Es mangelt an kumulativem Lernen und an dem notwen­digen gesicherten und anschlussfähigem Vorwissen für weiterführende Lernprozes­se. Bei schwierigeren Aufgaben mit Anfor­derungen im Bereich des Reflektierens und Wertens tun sich deutsche Schülerinnen und Schüler überdurchschnittlich schwer (vgl. OECD, 2001b, Tabellen 2.3c, 4.5, 4.6 und 4.7). 7. Besonders gravierend ist die Feststellung, dass die Leistungen in Deutschland einerseits einen niedrigen Gesamtwert aufweisen und gleichzei­tig riesige Leistungsunterschiede herrschen. In Deutschland sind die Leistungsunter­schiede zwischen den einzelnen Schulen quer über die Schulformen hinweg über­durchschnittlich hoch, während die Leis­tungen innerhalb der Schulen(entgegen mancher Klagen über die Leistungshetero­genität in Schulen der Sekundarstufe I) re­lativ homogen sind(vgl. OECD, 2001b, Ta­belle 2.4). Der Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und Schülerleistungen ist in Deutschland besonders stark ausgeprägt (vgl. OECD, 2001b, Tabellen 8.1 und 8.2). Es gelingt dem deutschen Schulsystem