Berliner Forum Wissenschaft und Innovation 10. Die Bereitschaft in Deutschland in Bildung zu investieren ist begrenzt. In Haushaltsrechnungen werden Bildungsausgaben als Kosten, nicht als Investitionen angesehen. Es wird dabei verkannt, welche Auswirkungen Bildung auf gesamtwirtschaftliche Vorgänge haben kann. • Deutschland ist einer von lediglich drei Staaten, der weniger als 10% der öffentlichen Ausgaben in Bildungseinrichtungen investiert. Auch im Verhältnis zum BIP liegen die öffentlichen Ausgaben mit 4,35% deutlich unter dem OECD Mittel von 5,00%. Rechnet man allerdings den relativ hohen Anteil privater Investitionen in das Duale System hinzu, so errechnen sich 5,55% des BIP für die Ausgaben für Bildungseinrichtungen, was nur knapp unter dem OECD Mittel von 5,66% liegt(vgl. OECD, 2001b, Tabelle B2.1). • Bei stagnierenden Bildungsausgaben und wachsendem BIP sind die Bildungsausgaben im Verhältnis zum BIP zwischen 1995 und 1998 von 5,76 auf 5,55 Prozent gesunken. Ein Rückgang in diesem Zeitabschnitt ist jedoch auch für eine Reihe anderer Staaten festzustellen. • Allerdings hat sich der Bildungsbereich im Rahmen des öffentlichen Haushaltes in Deutschland behauptet. Während die gesamten staatlichen Ausgaben in Deutschland zwischen 1995 und 1998 kaufkraftbereinigt um ca. 10% sanken, blieben die Bildungsausgaben auf unverändertem Niveau, so dass sich ihr relativer Anteil an den Gesamtausgaben von 8,6% auf 9,8% erhöht hat. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Frage, wie die Bildungsausgaben getätigt werden. Für die Klassenstufen 1 bis 10, in denen wesentliche Grundlagen gelegt werden, liegen die zur Verfügung stehenden finanziellen und personellen Ressourcen in Deutschland deutlich unter dem OECD Mittelwert. Erst in den späten Jahren der Ausbildung, wenn Leistungsunterschiede und auch soziale Unterschiede schon stärker fixiert sind, erreichen die investierten Ressourcen Spitzenwerte. • Die Ausgaben pro Primarschüler liegen mit 3531 US$ pro Schüler pro Jahr(kaufkraftbereinigt) um 10% unter dem OECD Schnitt von 3940 US$(vgl. OECD, 2001b, Tabelle B1.1). Auch wenn die Ausgaben 82 mit dem nationalen Wohlstand verglichen werden, gemessen als BIP pro Kopf liegt Deutschland mit 15% deutlich unter dem OECD Schnitt von 19%(vgl. OECD, 2001b, Tabelle B1.2). Ein ähnliches Bild ergibt sich für den Sekundarbereich I, wo die Kosten mit 4641 US$ pro Schüler pro Jahr oder 20% des BIP pro Kopf unter dem Schnitt von 5083$ oder 24% des BIP pro Kopf liegen. • Dagegen liegen die Ausgaben pro Schüler im Sekundarbereich II nach der Schweiz im OECD Vergleich an der Spitze. Für jeden Schüler des Sekundarbereiches II wird im Schnitt pro Jahr 9519$US(kaufkraftbereinigt) aufgewendet, doppelt soviel wie für Schüler des Sekundarbereiches I und nahezu dreimal soviel wie für einen Primarschüler. Damit entsprechen die Ausgaben pro Schüler im Sekundarbereich II im wesentlichen denen für Studenten des Tertiärbereiches(vgl. OECD, 2001b, Tabelle B1.1). • Sowohl im Primar- als auch im Sekundarbereich sind die Ausgaben pro Schüler im Verhältnis zum BIP zwischen 1995 und 1999 leicht zurückgegangen(vgl. OECD, 2001b, Tabelle B2.1a). Hinzu tritt die Frage, wie sich die Investitionen zwischen privater und öffentlicher Hand verteilen. In Deutschland werden etwa 36% der Ausgaben für die Vorschule privat getragen. Im OECD-Mittel sind es nur 14%. Insgesamt ist in den anderen Ländern ein stärkeres Bewusstsein dafür da, dass es sich bei der Vorschule um ein zentrales Element der Bildung handelt. Dagegen gehört Deutschland zu den wenigen OECD Staaten, in denen die akademische Tertiärausbildung weitestgehend gebührenfrei ist. Der Anteil der privat finanzierten Ausgaben für tertiäre Bildungsinstitutionen liegt in Deutschland mit 8% deutlich unter dem OECD Mittel von 23% und weit hinter Staaten wie Japan, Korea und den Vereinigten Staaten, wo zwischen rund der Hälfte und drei Viertel der Kosten von den Studierenden selbst getragen werden(vgl. OECD, 2001b, Tabelle B3.2). • Sieben von 17 OECD-Staaten mit vergleichbaren Daten verzeichneten zwischen 1995 und 1998 einen Anstieg der privaten Finanzierung tertiärer Bildungseinrichtungen um mehr als 20%(vgl. OECD, 2001b, Tabelle B3.2). In einigen Staaten, insbesondere in Italien und Ungarn, gab es zwischen 1995 und 1998 eine klare Verschie-
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Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
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