Druckschrift 
Deutschland im internationalen Bildungswettbewerb : Berliner Forum Wissenschaft und Innovation ; Konferenz der Friedrich-Ebert-Stiftung, 12. Dezember 2001
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Berliner Forum Wissenschaft und Innovation 10. Die Bereitschaft in Deutschland in Bildung zu investieren ist begrenzt. In Haushaltsrechnun­gen werden Bildungsausgaben als Kosten, nicht als Investitionen angesehen. Es wird dabei ver­kannt, welche Auswirkungen Bildung auf ge­samtwirtschaftliche Vorgänge haben kann. Deutschland ist einer von lediglich drei Staaten, der weniger als 10% der öffentli­chen Ausgaben in Bildungseinrichtungen investiert. Auch im Verhältnis zum BIP lie­gen die öffentlichen Ausgaben mit 4,35% deutlich unter dem OECD Mittel von 5,00%. Rechnet man allerdings den relativ hohen Anteil privater Investitionen in das Duale System hinzu, so errechnen sich 5,55% des BIP für die Ausgaben für Bil­dungseinrichtungen, was nur knapp unter dem OECD Mittel von 5,66% liegt(vgl. OECD, 2001b, Tabelle B2.1). Bei stagnierenden Bildungsausgaben und wachsendem BIP sind die Bildungsausga­ben im Verhältnis zum BIP zwischen 1995 und 1998 von 5,76 auf 5,55 Prozent gesun­ken. Ein Rückgang in diesem Zeitabschnitt ist jedoch auch für eine Reihe anderer Staa­ten festzustellen. Allerdings hat sich der Bildungsbereich im Rahmen des öffentlichen Haushaltes in Deutschland behauptet. Während die ge­samten staatlichen Ausgaben in Deutsch­land zwischen 1995 und 1998 kaufkraftbe­reinigt um ca. 10% sanken, blieben die Bil­dungsausgaben auf unverändertem Ni­veau, so dass sich ihr relativer Anteil an den Gesamtausgaben von 8,6% auf 9,8% erhöht hat. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Frage, wie die Bildungsausgaben getätigt werden. Für die Klassenstufen 1 bis 10, in denen wesentliche Grundlagen gelegt werden, liegen die zur Ver­fügung stehenden finanziellen und personellen Ressourcen in Deutschland deutlich unter dem OECD Mittelwert. Erst in den späten Jahren der Ausbildung, wenn Leistungsunterschiede und auch soziale Unterschiede schon stärker fixiert sind, erreichen die investierten Ressourcen Spitzenwerte. Die Ausgaben pro Primarschüler liegen mit 3531 US$ pro Schüler pro Jahr(kaufkraft­bereinigt) um 10% unter dem OECD Schnitt von 3940 US$(vgl. OECD, 2001b, Tabelle B1.1). Auch wenn die Ausgaben 82 mit dem nationalen Wohlstand verglichen werden, gemessen als BIP pro Kopf liegt Deutschland mit 15% deutlich unter dem OECD Schnitt von 19%(vgl. OECD, 2001b, Tabelle B1.2). Ein ähnliches Bild ergibt sich für den Sekundarbereich I, wo die Kosten mit 4641 US$ pro Schüler pro Jahr oder 20% des BIP pro Kopf unter dem Schnitt von 5083$ oder 24% des BIP pro Kopf lie­gen. Dagegen liegen die Ausgaben pro Schüler im Sekundarbereich II nach der Schweiz im OECD Vergleich an der Spitze. Für jeden Schüler des Sekundarbereiches II wird im Schnitt pro Jahr 9519$US(kaufkraftberei­nigt) aufgewendet, doppelt soviel wie für Schüler des Sekundarbereiches I und na­hezu dreimal soviel wie für einen Primar­schüler. Damit entsprechen die Ausgaben pro Schüler im Sekundarbereich II im we­sentlichen denen für Studenten des Terti­ärbereiches(vgl. OECD, 2001b, Tabelle B1.1). Sowohl im Primar- als auch im Sekundar­bereich sind die Ausgaben pro Schüler im Verhältnis zum BIP zwischen 1995 und 1999 leicht zurückgegangen(vgl. OECD, 2001b, Tabelle B2.1a). Hinzu tritt die Frage, wie sich die Investitionen zwischen privater und öffentlicher Hand vertei­len. In Deutschland werden etwa 36% der Aus­gaben für die Vorschule privat getragen. Im OECD-Mittel sind es nur 14%. Insgesamt ist in den anderen Ländern ein stärkeres Bewusstsein dafür da, dass es sich bei der Vorschule um ein zentrales Element der Bildung handelt. Dage­gen gehört Deutschland zu den wenigen OECD Staaten, in denen die akademische Tertiäraus­bildung weitestgehend gebührenfrei ist. Der Anteil der privat finanzierten Ausgaben für tertiäre Bildungsinstitutionen liegt in Deutsch­land mit 8% deutlich unter dem OECD Mittel von 23% und weit hinter Staaten wie Japan, Korea und den Vereinigten Staaten, wo zwi­schen rund der Hälfte und drei Viertel der Kos­ten von den Studierenden selbst getragen wer­den(vgl. OECD, 2001b, Tabelle B3.2). Sieben von 17 OECD-Staaten mit ver­gleichbaren Daten verzeichneten zwischen 1995 und 1998 einen Anstieg der privaten Finanzierung tertiärer Bildungseinrichtun­gen um mehr als 20%(vgl. OECD, 2001b, Tabelle B3.2). In einigen Staaten, insbeson­dere in Italien und Ungarn, gab es zwi­schen 1995 und 1998 eine klare Verschie-