aÉòÉãÄÉê=OMMS= Der Tod des Diktators Yesko Quiroga, Stephan Ruderer Der ehemalige Diktator Chiles, Augusto Pinochet Ugarte, ist am 10. 12. 2006 gestorben. Nach einwöchigem Aufenthalt im Militärkrankenhaus in Santiago erlag er den Folgen eines Herzanfalls. Trotz seines hohen Alters und seiner Krankheiten war dies eine Überraschung. Noch am Vortag wurde von den Ärzten des Militärhospitals keine lebensbedrohliche Lage mehr diagnostiziert, was der Vermutung Vorschub geleistet hatte, dass es sich angesichts der jüngsten Anklagen gegen den Ex-Diktator um eine Finte der Verteidigung handeln könnte. Sein Tod just am Internationalen Tag der Menschenrechte löste in Chile heftigste Reaktionen unterschiedlichster Art aus und bestimmte die öffentliche und politische Agenda der Folgetage. Der Diktator Augusto Pinochet kam nach einem Militärputsch am 11. September 1973 gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Salvador Allende an die Macht. Knapp 17 Jahre lang herrschte in Chile eine Militärdiktatur, in der Pinochet mit Hilfe der berüchtigten Geheimpolizei DINA(und der Nachfolgeinstitution CNI) das Land mit einer grausamen Repressionswelle überzog. Offiziell über 3000 Tote und„Verschwundene“ und an die 30.000 Folteropfer, sowie Hunderttausende von Exilierten verweisen auf die dunkelste Seite der Herrschaft Pinochets. Die Zeit der Militärdiktatur hinterließ zudem ihre Spuren in der wirtschaftlichen und politischen Verfassung des Landes. Der Diktator förderte die neoliberalen Reformen der sogenannten„Chicago Boys“, die seinen Anhängern heute als Basis für den wirtschaftlichen Aufschwung Chiles gelten, und prägte die politische Institutionalität des Landes, dem er 1980 eine neue Verfassung gab, welche in ihren Grundzügen bis heute Gültigkeit besitzt. 1988 verweigerten die Chilenen dem Diktator in einem demokratischen Plebiszit die Zustimmung für eine weitere achtjährige Amtszeit, so dass dieser – entgegen seinen Absichten und auch aufgrund der Haltung der anderen Mitglieder der Militärjunta – die Macht an die demokratische Opposition in Chile abgab. So begann im März 1990 die chilenische Transition. Bis heute allerdings haben die demokratischen Politiker mit den autoritären Enklaven der Pinochetära zu kämpfen. Einen entscheidenden Machtverlust erlitt der General erst durch seine Verhaftung in London im Oktober 1998, die auch international für Aufsehen sorgte. Im Anschluss an seine Rückkehr nach Chile aus„humanitären Gründen“ führten die gegen ihn angestrengten Menschenrechtsprozesse zwar nicht zu seiner Verurteilung, aber doch zu einer Distanzierung seiner ehemaligen Anhänger und dem Verlust seines politischen Einflusses. Seine moralische Reputation büßte Pinochet, der von seinen Anhänger immer als der„ehrliche“ Staatsmann und„Retter Chiles vor dem Kommunismus“ gefeiert wurde, dann im Jahr 2004 durch den sogenannten„Fall Riggs“ ein. Auf Geheimkonten der USamerikanischen Bank Riggs wurden bis zu 27 Millionen US-Dollar gefunden, die der„ehrliche“ General im Laufe seines Lebens beiseite geschafft hatte. Die Vorwürfe der Korruption wogen in den Augen seiner Anhänger schwerer als die zahlreichen Menschenrechtsverbrechen. 1
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten