verbundene Kompromittierung des arabischen Nationalismus löste ein islamistisches Revival aus. In dieser Zeit entstanden in Nordafrika, den arabischen Staaten, im Nahen Osten, Asien, USA und Europa neue islamistische Bewegungen. Die militärische Niederlage war für Islamisten der Tiefpunkt in der Krise der islamischen Welt seit Kolonialismus und Imperialismus sowie dem Kollaps des Osmanischen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg. Islamisten machten dafür in erster Linie„den Westen“ verantwortlich, attackierten aber auch ihre vermeintlich„säkularisierten“(nationalistisch und/oder sozialistisch orientierten) politischen Eliten, die als vom Westen korrumpierte, selbstsüchtige, heuchlerische, diktatorische und machtbesessene Potentaten dargestellt wurden. Ihr Versagen verlangte eine religiös orientierte politische Antwort:„Der Islam ist die Lösung“. Neue religiöse Deutungen der Misere als„imperialistische Offensive“ der„Ungläubigen“ gegen die„Gläubigen“ und als„Abfall“ vom Islam wurden attraktiv. Nach Auffassung der Islamisten tragen die herrschenden„islamischen“ Regime bis heute Mitverantwortung für den Abfall und das sich ausbreitende„Heidentum“(„jahiliya“) in den islamischen Gesellschaften. Als„Hauptfeind“ der islamischen Welt gelten aber die USA(der „Große Satan“) und ihre Verbündeten als die Garantiemächte des globalisierten„Turbokapitalismus“ und als geistig-politische Führer der Welt der„Ungläubigen“(„kuffar“). Islamistische Bewegungen erhielten durch den Sieg der „Iranischen Revolution“ 1979, den Kampf um Afghanistan in den achtziger Jahren und den Sieg der Taliban 1996, den Bürgerkrieg in Algerien in den neunziger Jahren, den Aghanistan-Krieg 2001 sowie durch die beiden Golfkriege 1991 und 2003 Auftrieb. Der ungelöste Nahostkonflikt und die instabile Lage im Irak bilden bis heute den Hintergrund zur nachhaltigen Stärkung islamistischer Bewegungen und djihadistischer Terrorgruppen. 7. Islamismus ist ein differenziertes Phänomen: Die islamistischen Bewegungen unterscheiden sich in sozialer Zusammensetzung, Organisationsstruktur, Politik, Kultur und religiöser Praxis. Islamistische Bewegungen sind für soziale Unterschichten(arbeitslose Jugendliche, kleine Händler, Handwerker, Arbeiter) genauso attraktiv wie für Intellektuelle(Ärzte, Natur- und Sozialwissenschaftler, vor allem Ingenieure und Lehrer), die keine ihrer Qualifikation entsprechenden Arbeitsplätze finden und sich in ihrem Selbstwertgefühl gedemütigt und herabgesetzt sehen. Sie richten ihre Hoffnung auf ihre„siegreiche Religion“ und die großen Traditionen der Vergangenheit, was Islamisten für ihre Zwecke nutzen. Die Attraktivität islamistischer Bewegungen für die genannten Zielgruppen erklärt sich aus der Verbindung von Ideologie und politischem Aktionismus. Ein religiös-politisches Ideologieangebot(der„wahre Islam“) wird mit Wohlfahrtseinrichtungen, sozialen Dienstleistungen und Möglichkeiten 4
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Herausforderung Islamismus : 12 Thesen und 38 Literaturhinweise
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