Juni 2007 Afghanistan: Ein demokratisches Experiment auf der Kippe? Ursula Koch-Laugwitz, FES Kabul • Präsident Karzai findet sich zusehends von„Freunden und Feinden“ umstellt. Die Institution Parlament verliert an Legitimität. Mit der„National United Front“(NUF) entsteht gleichzeitig ein mächtiger politischer Player und wirkungsvoller Gegenspieler der Regierung Karzai. • Die wachsende Unzufriedenheit über das Vorgehen der internationalen Militärs, Flächenbombardements und steigende zivile Opferzahlen stellen die bisherigen Erfolge von Sicherheit und Wiederaufbau in Frage. • Der angekündigte Strategiewechsel der Geberstaaten ist bislang ausgeblieben. Die Spannungen mit den Nachbarstaaten Pakistan und Iran nehmen zu. In Kabul läuft die Zeit ab. Betrachtet man die Entwicklung Afghanistans im Jahr 2007, gibt es – jenseits vieler Unsicherheiten – einen eindeutigen Befund: Die politischen Kräfteverhältnisse sortieren sich neu. Präsident Karzai und seine Regierungsã~ååëÅÜ~Ñí – die einzige Frau im Kabinett ist Frauenministerin – haben in den vergangenen Monaten sowohl dramatisch an Unterstützung und Zustimmung in der eigenen Bevölkerung als auch Macht und Einfluss auf die Geschicke des Landes eingebüßt. Die Gründung einer neuen Allianz Am 13. März= dieses Jahres trat in Kabul erstmals eine neue Bewegung in Erscheinung: Die ł k~íáçå~ä= råáíÉÇ= cêçåí“(NUF) oder g~ÄÜÉJóÉJ jçí~ÇÉÇJÉJjáääá. Bereits der Name der neuen Bewegung könnte vermuten lassen, dass diese neue„ råáíÉÇ cêçåí“ ein Versuch zur Wiederbelebung der einstigen„ råáíÉÇ= cêçåí= Ñçê= íÜÉ= p~äî~íáçå= çÑ= ^ÑÖÜ~åáëí~å“ ist, besser bekannt als Nordallianz. Wichtige Mitglieder der NUF haben ihre Heimat auch im Norden des Landes, aber das neue Bündnis geht politisch in seiner Reichweite eindeutig über die alte Nordallianz hinaus. Die NUF vereinte in ihrer Entstehungsphase Vertreter von 15 politischen Parteien, darunter viele bekannte Ex-Mujaheddin und „Nordallianzler“, aber auch Kommunisten und Royalisten, eine Reihe von einflussreichen Parlamentsmitgliedern und Schlüsselfiguren der Regierung von Präsident e~ãáÇ=h~êò~áK Es handelt sich damit um eine Allianz von Politikern, die einander in den achtziger und neunziger Jahren mit extremer Gewalt erbittert bekämpft haben, darunter • der gegenwärtige NUF-Sprecher Professor _ìêÜ~ååìÇÇáå= o~ÄÄ~åá, Ex-Staatspräsident, heute Mitglied des Parlaments(MP), radikaler Islamist und Gegner der Demokratie, • ^ÜãÉÇ=wá~=j~ëëçìÇ, erster Vizepräsident Afghanistans und Bruder des von vielen Afghanen als Nationalheld verehrten, toten Führers der Nordallianz,^Üã~Ç=pÜ~Ü= j~ëëçìÇ, • Energieminister fëã~áä= hÜ~åI als ExGouverneur einst der„Löwe von Herat“, • General^ÄÇìä= o~ëÜáÇ= açëíìã, der seine Unzufriedenheit mit dem von Karzai nach Verlust seines Amtes als VizeVerteidigungsminister verliehenen, mehr symbolischen Posten als`ÜáÉÑ=çÑ=pí~ÑÑ= nahezu täglich artikuliert,
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