November 2007 Der Drache ringt nach Luft: Chinas Aktionsplan zum Klimawandel und Debatten im Zuge des G8-Gipfels Katharina Hofmann, Katja Meyer, FES Shanghai • Chinas nationale Entwicklungs- und Reformkommission(NDRC) veröffentlichte kurz vor dem G8-Gipfel den ersten nationalen Plan zur Bekämpfung des Klimawandels. Um globaler Erwärmung entgegenzuwirken, verspricht China seine klimaschädlichen Industrie-Emissionen zu reduzieren(sie sollen 2010 das Niveau von 2005 nicht übersteigen), wies aber Überwachungskriterien und quantifizierbare Zusagen zurück. • China rangiert an Platz zwei der globalen„Umweltsünder“ mit einem Anteil von 17,94% an den weltweiten CO 2 -Emissionen, nach den USA mit einem Anteil von 21,82%(Deutschland 3,19%). Die Volksrepublik wird die USA vermutlich in den nächsten beiden Jahren als größten CO 2 -Emittenten der Welt ablösen. • Das für 2006 im Fünfjahresplan gesetzte Ziel, den Energieverbrauch um 4% und Emissionen um 2% zu senken, wurde verfehlt und lediglich von Beijing und fünf weiteren Provinzen bzw. Verwaltungseinheiten erreicht. • Laut Vize-Umweltminister Pan Yue gab es 161 ernste Umweltunfälle:„2006 war das schlimmste Jahr für die Umwelt in China“. • Ende des Jahres sollen ein neues Energieerhaltungs- sowie ein Kreislaufwirtschaftsgesetz in Kraft treten. Der stellv. Leiter der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission warnte im Juni, dass angesichts des hohen Energieverbrauchs der Schwerindustrie in den ersten Monaten des Jahres 2007 die Regierungspläne, bis 2010 den Energieverbrauch um 20% und die Umweltverschmutzung um 10% pro BIP-Einheit zu senken, nicht realisierbar wären. • Trotz ernüchternder Prognosen wächst die Bereitschaft Chinas, sich aktiv an einem Klimaschutz auch auf globaler Ebene zu beteiligen, und das Bewusstsein für den Umweltschutz wird stärker. Nicht zuletzt, da neben internationalen Stimmen die chinesische Bevölkerung zunehmend von Partei und Staat fordert, sich verstärkt für den Schutz der Umwelt einzusetzen. Einleitung Eine ÇÉê entscheidenden globalen Fragen für das kommende Jahrzehnt wird sein, wie China mit seinem wachsenden Energiebedarf umgehen wird. Wie schnell wird die Nachfrage dieser dynamischen Ökonomie steigen und wie wird sie befriedigt? Welche Folgen hat das für den Rest der Welt? Kein Land der Welt erlebt derzeit eine so dynamische Entwicklung wie China. Trotz einer wachsenden Lücke zwischen arm und reich hat sich für viele Chinesen der Lebensstandard maßgeblich erhöht. Auch wenn China nach wie vor ein Entwicklungsland ist, und ein großer Teil der ländlichen Bevölkerung weiterhin arm ist, so lebt eine wachsende Zahl an urbaner Mittel- und Oberschicht auf einem Konsumniveau, das einen hohen Energieverbrauch mit sich bringt. Der Weg aus der Armut beinhaltet u. a. den Zugang zu Elektrizität: Kühlschrank, Fernseher und Klimaanlage gehören in jeden urbanen chinesischen Haushalt. 1 Die ökologischen Fol1 Der Zugang zu Elektrizität spiegelt somit auch den Entwicklungsstand eines Landes wider: Während 2005 in Nigeria z.B. nur 46% Prozent der Bevölkerung Zugang zu
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