Dezember 2007 direkt Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik Warum brauchen wir eine„Kleine Genossenschaft“? Burchard Bösche 1 Die Diskussion über die Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit dreht sich im Wesentlichen darum, wie durch mehr oder gezieltere öffentliche Ausgaben Menschen in Arbeit gebracht werden können. Soweit es darum geht, die Menschen dazu zu bringen, sich ihren Unterhalt selbst auf dem Markt zu verdienen, setzen die Fördermaßnahmen auf„den Unternehmer, die Unternehmerin“. Auf einen Blick In einigen europäischen Ländern erleben Genossenschaften einen Boom, der mit neuen Beschäftigungsmöglichkeiten einhergeht. In Deutschland ist die Zahl der Genossenschaften demgegenüber seit Jahren rückläufig. Vor allem für kleinere Selbsthilfeinitiativen ist die Genossenschaft ungeeignet; sie ist zu teuer und zu bürokratisch. Wirtschaftliche Selbsthilfe ist aus dem Blick geraten Völlig aus dem Blick geraten sind Möglichkeiten der gemeinschaftlichen Selbsthilfe, bei der eine Gruppe gemeinsam die Initiative ergreift und etwas bewegt, was ein Einzelner nicht kann. 2 Die ideologische Vorherrschaft der„Unternehmerpersönlichkeit“ steht im Kontrast dazu, dass die Genossenschaft als einzige wirtschaftliche Gesellschaftsform nach etlichen Landesverfassungen ausdrücklich zu fördern ist. 3 Die Genossenschaften befinden sich in Deutschland in einer tiefen Krise. Seit Jahrzehnten geht ihre Zahl zurück, heute sind es noch gut 7.000. Auch ihre Beschäftigungszahlen sinken. Dagegen gibt es in Italien mehr als 70.000 Genossenschaften mit steigender Tendenz. Jährlich werden dort über 2.000 Genossenschaften neu gegründet. In der kleinen Schweiz gibt es seit fünfzig Jahren nahezu unverändert rund 13.000 Genossenschaften. Mit der deut-
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