1 Südkoreanische Präsidentschaftswahl am 19. Dezember 2007 Wirtschaft oder Moral? Der Sieg Lee Myung-baks und die Folgen Werner Kamppeter, FES Seoul Wahl gewonnen – Ergebnis offen Anders als bei den letzten Präsidentschaftswahlen ging es diesmal nicht sehr knapp zu, noch hat sich ein Außenseiter durchgesetzt. LEE Myung-bak, der Kandidat der konservativen Grand National Party(Hanaradang), konnte seine Konkurrenten klar auf die Plätze verweisen. Bei einer sehr viel niedrigeren Wahlbeteiligung(63 Prozent) als bei früheren Präsidentschaftswahlen, entschieden sich 48,7 Prozent der Wähler für Lee Myung-bak, während Chung Dong-yong von der United Democratic Party(UNDP) als Zweitplazierter auf gerade 26,1 Prozent kam. So wird Lee Myung-bak am 25. Februar das Amt von Präsident Roh Moo-hyun übernehmen, unter normalen Umständen würde er das jedenfalls. Nun sind die Umstände aber nicht ganz normal. Lee Myung-bak gilt nicht als Saubermann. Noch drei Tage vor der Wahl tauchte eine CD-Videoaufnahme von einem im Januar 2000 an der Kwangun Universität gehaltenen Vortrag, in dem er sich mit der Gründung und als Eigentümer des Wertpapierunternehmens BBK brüstete, auf. Diesem Unternehmen werden u.a. Aktienkursmanipulationen vorgeworfen – zum Schaden von über 5000 gutgläubigen Anlegern. Sein damaliger Sozius flüchtete in die USA und landete deshalb dortselbst im Gefängnis. Nun wäre das nicht so delikat, wenn Lee Myung-bak während des Wahlkampfes nicht darauf bestanden hätte, dass er mit dieser Firma BBK absolut nichts zu tun hat. Pikanterweise wurde sein Sozius Mitte November, also mitten im Wahlkampf, von der amerikanischen an die koreanische Staatsanwaltschaft überstellt. Er bestand darauf, dass Lee Myung-bak nicht nur der Eigentümer von BBK, sondern auch der Hauptverantwortliche für die damaligen Vorgänge gewesen sei. Noch etwas pikanter wurde es dann, als die Staatsanwaltschaft am 6. Dezember 2007 bekannt gab, dass es keine Beweise für die Eigentümerschaft und kriminelles Verhalten von Lee Myung-bak gebe. Das Corpus delicti wurde von seinen Besitzern, nachdem sie erst versucht hatten, es erpresserisch mit mehr als zwei Millionen Euro zu versilbern, entweder durch sie selbst oder andere als UCC ins Internet gestellt und dort millionenfach angeklickt und auch im Fernsehen ausgestrahlt. U.a. führte das dazu, dass vom Parlament, freilich in Abwesenheit der Abgeordneten der Grand National Party, der Einsatz eines Sonderermittlers beschlossen wurde. Dieser muss spätestens bis zum 24. Februar 2008, einem Tag vor der Amtsübergabe, einen Bericht zu folgenden Punkten abgeben: 1. Die Rolle Lee Myung-baks bei der Veruntreuung von Geldern durch BBK; 2. seine Rolle(als Bürgermeister von Seoul) in einem großen Stadtentwicklungsprojekt, in dem nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist und einige Beteiligte durch Begünstigung riesige Gewinne eingefahren haben. 3. die Übertragung von diversen Vermögensbeständen auf Strohmänner; und
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Wirtschaft oder Moral? : Südkoreanische Präsidentschaftswahl am 19. Dezember 2007 ; der Sieg Lee Myung-baks und die Folgen
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