Zur Lage und Außenpolitik in Nordostasien Bernd Reddies, FES-Beijing Zur Lage und Außenpolitik in Nordostasien Bernd Reddies, FES-Beijing 1. Die ostasiatischen Staaten Japan, China und beide Teile Koreas stehen einander weiterhin unsicher gegenüber. Japan findet nicht die Kraft für einen historischen Ausgleich mit beiden Nachbarn. Korea sieht sich als Garnele zwischen zwei Walen und ist staatlich zweigeteilt weiterhin ein potenzieller regionaler Krisenherd. Chinas Außenpolitik hat die Aufgabe, die graduelle Reformpolitik hin zu Marktwirtschaft und Öffnung des Landes zu flankieren und Stabilität an den Landesgrenzen und in der Region zu sichern. 2. Gegenläufige Entwicklungen in Japan und China bestimmen das Bild in Ostasien. Marktwirtschaftliche Reformen, verbunden mit keynesianischer Makrosteuerung haben in China über die letzten 10 Jahre zu einem stabilem Wirtschaftswachstum von durchschnittlich real 10%- gegenwärtig 7%- geführt und insgesamt den Wohlstand und das Maß individueller Freiheit der Bevölkerungsmehrheit gefördert. Ein expandierender Handelspartner China gewinnt für rezessionsgeplagte Industriestaaten zunehmend an Bedeutung. Die Öffnung des Landes hat interne gesellschaftliche Reformen begünstigt (Kampf gegen Korruption, Nepotismus, Behördenwillkür etc.). China hat schrittweise seinen Platz in internationalen Gremien eingenommen und zeigt sich verantwortungsbewusst(UNO-Organisationen, APEC, WTO, ASEAN+ 3, ASEM). China und die USA erkennen zunehmend ihre wechselseitige Bedeutung für die Bewahrung der Stabilität in Asien. Die Taiwanfrage wird graduell über die Wirtschaft und den Faktor Zeit gelöst werden.(Das taiwanesische Investment in China liegt bereits bei über US$ 60 Mrd.) Eine erstmalige Qualifizierung Chinas für die Endrunde der Fußball-WM 2002 und Beijings Rolle als Gastgeber für die Olympischen Spiele 2008 erfüllt Regierung und Bevölkerung mit Stolz und Selbstbewusstsein und lenkt wachsenden Nationalismus in unschädliche Bahnen. 3. Das G8-Mitglied Japan befindet sich seit Platzen der bubble economy Anfang der 90er Jahre in kontinuierlicher Rezession bei gleichbleibender Reformunfähigkeit wechselnder Regierungen. Die an die Macht zurückgekehrte LDP erstickt in reformfeindlicher Klientelwirtschaft. Mit seinen hausgemachten Problemen entfällt Japan als Wachstumslokomotive für die Wirtschaftssysteme Ost- und Südostasiens. Mit hoher Staatsverschuldung, überschuldetem Bankensystem und deflatorischer Wirtschaft entwickelt sich Japan zu einem Risiko für das Weltwährungssystem. Unter dem Sicherheitsschirm der USA koppelt sich Japan politisch weiterhin von der Region ab. Eilfertiges Eingehen auf USA-Wünsche zur Erweiterung der militärischen Rolle Japans in Asien und angestrebte Teilnahme am TMDProgramm erwecken zusätzliches Misstrauen bei den Nachbarn. 4. Die Sonnenscheinpolitik von Präsident Kim Dae Young nähert sich der Abenddämmerung seiner 2003 auslaufenden Präsidentschaft. 1
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