Dr. Erfried Adam, Friedrich-Ebert-Stiftung, Office for Regional Co-operation, Singapore Thesen zur Lage und Außenpolitik in Südostasien 1. Nach Jahren der Selbstüberschätzung und Fehleinschätzung zeigt sich Südostasien und ASEAN in seiner Realität: • Wenig blieb vom"Asian Miracle”, auch wenn im Vergleich zu anderen Weltregionen(z.B. Afrika) südostasiatische Länder stärker in der Lage waren, durch Eigenanstrengungen(Sparrate), Investitionen in Bildung und staatliche Interventionen die Chancen der Weltmarktöffnung und expansion erfolgreich zu nutzen. Die Abhängigkeit von Exportnachfrage, internationaler Konjunkturentwicklung, Kapitalinvestitionen und Technologie bzw. technischer Intelligenz ist nach der“Asienkrise”(1997) erneut seit Mitte 2001 deutlich geworden, wie sich selbst im erfolgsverwöhnten Stadtstaat Singapur zeigt. Insgesamt stellen Umweltzerstörung, Urbanisierung, gesellschaftliche Transformationsprozesse und krasse soziale Disparitäten die Politik vor harte Herausforderungen. • ASEAN hat es lange vermocht, sich als erfolgreiche Regional-Allianz vergleichbar regionalen Integrationsbemühungen in anderen Weltregionen oder selbst der EU darzustellen, obwohl gleichzeitig immer wieder betont wurde, gerade nicht auf regionale Integration abzuheben, sondern auf Koordination souveräner Staaten. Als Erfolg kann bezeichnet werden, dass es ASEAN gelungen ist, kriegerische Konflikte über 30 Jahre weitgehend zu vermeiden; auch die Einbeziehung der nördlichen Neumitglieder Vietnam, Myanmar, Laos und Cambodia hat positive Perspektiven. Gleichzeitig fehlt aber eine eindeutige Zielperspektive, eine einigende Politik oder Führung, ein wirtschaftlicher Integrationszwang(Wettbewerb auf ähnlichen Exportmärkten) und der Wille zur Integration und Aufgabe von Souveränitätsansprüchen. Die Mehrheit der ASEAN-Mitgliedsstaaten ist politisch instabil oder fragmentiert(Demokratisierungsdefizite und -krise), und zwischen beinahe allen gibt es Territorialkonflikte(mit gelegentlich militärischen Scharmützeln) und Auseinandersetzungen um Migrationsströme und grenzüberschreitende Kriminalität. Die vorhandene ethnische und religiöse Heterogenität hat sich mit den Ereignissen nach dem 11. September zugespitzt, und selbst in buddhistischen Ländern gibt es Anzeichen eines religiösen“revivalism” mit politischen Implikationen. 2. Vor diesem Hintergrund ist“ASEAN+3” keine wirkliche Perspektive, insbesondere nicht angesichts der Rivalität zwischen Japan und China und den fortwirkenden historischen Belastungen. Eher könnte von“China+11” gesprochen werden; ohne Japan, das dem chinesischen Angebot an ASEAN in Richtung einer gemeinsamen“Free Trade Area”(FTA) erst kürzlich in einer 5-LänderReise ein wages Kooperationsangebot entgegen setzte. Japan ist in seiner deflationären Wirtschaftskrise für die Region kein verlässlicher Partner, obgleich seine Entwicklungsleistungen besonders an die jüngeren ASEAN-Staaten weiterhin beträchtlich sind; die Investitionstätigkeit in der Region ist seit Jahren rückläufig, und selbst De-Investition ist feststellbar. Die traditionelle Gegnerschaft der ASEAN-Staaten zu China hat sich in den letzten Jahren entspannt, nachdem China durch seine konstruktive Währungspolitik die Region vor weiterem Schaden in der„Asien-Krise“ bewahrt hat. China begann, mit ASEAN als Staatenbund zu verhandeln (vorher nur bilateral) und mit einer aktiven, interessengeleiteten Außenpolitik sowohl die AltASEAN-Partner als insbesondere die nördlichen Neumitglieder zu umwerben. Begleitet wird dies mit teilweise substantiellen Entwicklungshilfeleistungen, Ausweitung der Wirtschaftskooperation, Ausbau der Verkehrs- und Kommunikationswege und selbst des Tourismus. 1
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