Abteilung Internationaler Dialog Zehn Thesen zur Energiesicherheit Der Klimawandel und die drohende Erschöpfung der fossilen Energiereserven machen einen tiefreichenden Umbau der energetischen Grundlagen der Industriegesellschaft erforderlich. Dieser Umbau ist eine»kurzfristige Langzeitaufgabe«; er muss jetzt beginnen und mit hinreichender Intensität vorangetrieben werden, wenn die Gefahren, die sich in den kommenden Jahrzehnten zur Katastrophe verdichten könnten, abgewendet werden sollen. Die Shareholder-Ökonomie und die Reduktion von Entwicklung auf wirtschaftliches und finanzielles Wachstum haben seit einigen Jahren den Besitz von und den Handel mit Energie in den Mittelpunkt der politischen Aufmerksamkeit gerückt. Einige wenige multinationale Energiekonzerne und Energie-Lieferstaaten verstärken die großen Widersprüche zwischen effizienter Nutzung knapper Energieressourcen und maximiertem ShareholderValue. Ein Großteil der Wachstumsgewinne wird privat angeeignet. World-Summit-Beschlüsse – wie etwa Kyoto – sind dabei kein ernstzunehmendes Hindernis. Die Abteilung Internationaler Dialog der Friedrich-Ebert-Stiftung arbeitet schwerpunktmäßig zu den Perspektiven der Europäischen Wirtschaftsund Sozialpolitik, der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, der Europäischen Nachbarschaftspolitik und der internationalen Energiesicherheit. Die vorliegenden Thesen sollen einen Beitrag zur politischen Verortung des Themenfeldes leisten sowie zukünftige Herausforderungen und Arbeitsfelder umreißen. 1. Voraussetzung für den energetischen Umbau der Industriegesellschaft ist, dass politische Grundsatz- bzw. Richtungsentscheidungen getroffen werden, dass sie regional und international durchgesetzt und die Beschlüsse implementiert werden. Diese zielen vor allem auf die Antizipation negativer Folgen komplexer Prozesse, es geht also um die Einführung eines globalen Risikomanagements, das über diverse Verhandlungsagenden etabliert werden muss. 2. Der Transitionsprozess erfordert Gestaltung und Steuerung. Vorrangig gilt es Übergangsformeln zu entwickeln, die eine zielstrebige Annäherung an die klima- und ressourcenpolitischen Zielvorgaben bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Industriesystems gewährleisten. Die demokratischen Parlamente, Regierungen und die organisierte Zivilgesellschaft sollten gemeinsam mit der Energiewirtschaft und-forschung in Form von Politikdialogen an dieser Gestaltungsaufgabe beteiligt sein. 3. Von der Shareholder – Ökonomie sind weder die grundlegenden Weichenstellungen noch das Management des Transformationsprozesses zu erwarten. Deshalb muss der Staat Ziele setzen und Eckpunkte festlegen. Allerdings kommt marktwirtschaftlichen Mechanismen bei der Zielerreichung eine wesentliche Bedeutung zu. Dies schließt nicht zuletzt die konsequente Durchsetzung kartellrechtlicher Bestimmungen gegen Oligopole, Kartelle und marktbeherrschende Allianzen von Großunternehmen sowie die Abstimmung nationaler Politiken mit entwicklungspolitischen Zielsetzungen ein. AUGUST 2008
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