30. September 2008 „BABA GO-SLOW“ Im zweiten Jahr seiner Amtszeit wächst die Ungeduld mit Nigerias Präsident Yar’Adua von Michael Roll Friedrich-Ebert-Stiftung, Nigeria Die noch vor einem Jahr wichtigste Frage zu Nigerias neuem Präsidenten Umaru Musa Yar’Adua ist eindeutig geklärt: Er hat sich nicht zur Marionette seines Vorgängers Olesugun Obasanjo machen lassen. Mit bemerkenswertem Tempo hatte er sich in den Monaten nach seiner Wahl im April 2007 von ihm distanziert und einen eigenständigen Politikstil entwickelt. Abgesehen davon sind allerlei Fragen zur Ausrichtung der Politik Nigerias sowie der Zukunft des Präsidenten offen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich Yar’Adua in der oft undurchsichtigen Politik Nigerias durchsetzen kann und wie ernst seine Reformrhetorik tatsächlich zu nehmen ist. 1. Ein starker Start trotz schwacher Legitimation Die Präsidentschaftswahlen im April 2007 führten erstmals zu einem demokratischen Wechsel in der Geschichte Nigerias. Dennoch können sie nicht als Krönung der noch jungen Demokratie bezeichnet werden. Im Gegenteil: Die Wahlen wurden massiv manipuliert und von verschiedenen Seiten als unfair bezeichnet. Und dies, obwohl ein Sieg Umaru Yar’Aduas als Kandidat der dominierenden Partei People’s Democratic Party(PDP) auch ohne den Wahlbetrug wahrscheinlich gewesen wäre. Trotz seiner Zugehörigkeit zu einer angesehenen nordnigerianischen Familie war Yar’Adua vor seiner Nominierung durch den damaligen Präsidenten Olesogun Obasanjo wenig bekannt. In Nigeria gilt die ungeschriebene Regel, dass einem Präsidenten aus dem vorwiegend christlichen Süden – wie Obasanjo – einer aus dem vorwiegend muslimischen Norden nachfolgen muss und umgekehrt. Diese Verab-
Print
"Baba go-slow" : im zweiten Jahr seiner Amtszeit wächst die Ungeduld mit Nigerias Präsident Yar'Adua
Download single image
avaibable widths