20. Januar 2009 Zum Amtsantritt von Barack Obama Die US-Amerikaner hatten am 4. November 2008 eine klare Wahl zu treffen: zwischen einem jungen, liberalen Demokraten und einem unorthodoxen, mit 72 Jahren schon relativ alten Republikaner. Aber es standen sich nicht nur zwei unterschiedliche Generationen und Politikentwürfe gegenüber, sondern auch zwei Männer verschiedener Hautfarbe. Dass die USA letztlich den schwarzen Kandidaten zum Präsidenten machten, war die eigentliche Sensation des Wahltags – und die Verwirklichung eines amerikanischen Traums. Die Stadt Washington, DC fiebert bereits seit Wochen der Amtseinführung entgegen. Mit einem Demokratischen Stimmanteil von 90 Prozent, einem Bevölkerungsanteil von 70 Prozent Afroamerikanern und einer maroden Infrastruktur im Süden der Stadt, hoffen die Menschen nicht nur auf eine offizielle Repräsentanz ihres„Districts of Columbia“ im Kongress, die ihnen bis jetzt verwehrt ist. Sie versprechen sich auch mehr Arbeitsplätze, Krankenhäuser und bessere Schulen für die Hauptstadt. Sie freuen sich zudem darauf, dass "einer der Ihren" ins Weiße Haus einziehen wird, der auch schon am letzten Wochenende ein Hot Dog in ihrer Nachbarschaft verspeiste. Es gibt aber noch mehr gute Gründe zum Feiern: George W. Bush, der Obama einen politischen Scherbenhaufen hinterlässt, sitzt nun nicht mehr im wohl einflussreichsten Haus der Welt. Folter wird wieder als Verstoß gegen die Genfer Konventionen gelten und die Welt wird nicht mehr in„gut“ und„böse“ eingeteilt. Wir können hoffen, dass der„war on terror“ und die„axis of evil“ in ein Un-Wörterbuch des gerade begonnenen 21. Jahrhunderts verbannt werden. Bereits vor Weihnachten wurden die Tribünen vor dem Kapitol gezimmert, wo Obama auf die Bibel schwören wird, die bereits Abraham Lincoln vor 150 Jahren nutzte. Der (umstrittene) evangelikale Prediger Rick Warren wird sprechen, Itzhak Perlman wird Geige und Yo-Yo Ma Cello spielen, umrahmt von Ansprachen, Poesie und natürlich der USamerikanischen Nationalhymne. Die Sicherheitsvorkehrungen sind so streng, dass alle Brücken über den Potomac gesperrt werden und die Innenstadt nur noch zu Fuß passierbar sein wird. Wenn Obama vom Kapitol über die Pennsylvania Avenue festlich ins Weiße Haus einziehen wird, begleitet von Millionen jubelnder Zuschauer(bei Minusgraden) in den Straßen und unzählbaren Menschen weltweit vor dem TV-Bildschirm, dann ist tatsächlich ein historischer Moment gekommen.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten