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Solidarität
Entstehung
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Matthias Platzeck Solidarität Solidarität Von Matthias Platzeck Wie steht es heute um die Solidarität? Wie verändert sich, was wir unter Solidarität verstehen? Weshalb brauchen wir sie auch weiterhin und vielleicht mehr denn je? Wie hängen Solidarität und das sozialdemokratische Konzept des vorsorgenden Sozialstaates zusammen? Und warum ist es manchmal richtig, den Begriff der Solidarität vor einigen seiner lautesten Befürwortern in Schutz zu nehmen, um ihn lebendig und vital zu erhalten? Das sind Fragen, über die es sich tatsächlich nach­zudenken lohnt. Eine konkrete Sache mit Inhalt? In dem 1989 untergegangenen Staat, in dem ich aufgewachsen bin, wurde Solidarität staatsoffiziell als ein zentrales Verhaltensprinzip verstanden, nämlich alsZusammengehörigkeitsgefühl, Über­einstimmung, gegenseitige Unterstützung und Verpflichtung, Hilfs- und Opferbereitschaft. So steht es für sich genommen erst einmal völlig zutreffend geschrieben in der Neuauflage des le­gendären Kleinen politischen Wörterbuchs der DDR aus dem Jahr 1988, in jenem amtlichen Werk also, das die gültige marxistisch-leninistische Lehrmeinung der herrschenden Partei des Landes von A bis Z durchbuchstabierte(Neuausgabe, 7. vollständig überarbeitete Auflage, Berlin 1988, S. 861 ff.). Auch im täglichen Leben der DDR war der Begriff der Solidarität fast allgegenwärtig. Mitglieder von Massenorganisationen klebtenSolimarken. Zu öffentlichen Veranstaltungen gehörten unwei­gerlichSolidaritätsbasare, im Rundfunk wurden öffentlicheSolidaritätskonzerte übertragen, deren Erlöse man dann wiederum demSolidaritätskomitee der DDR überwies. Internationale So­lidarität galt den unterdrückten Völkern in Südafrika und Chile. Und bereits zum Schulstoff der DDR für die siebte und achte Klasse gehörte dasSolidaritätslied von Bertolt Brecht und Hanns Eisler:Vorwärts und nicht vergessen, worin unsere Stärke besteht! Beim Hungern und beim Es­sen, vorwärts und nie vergessen: die Solidarität! Schwarzer, Weißer, Brauner, Gelber! Endet ihre Schlächterei! Reden erst die Völker selber, werden sie schnell einig sein Proletarier aller Länder, einigt euch und ihr seid frei. Eure großen Regimenter brechen jede Tyrannei! www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 10