April 2009 direkt Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik Exporteuropameister Deutschland und die Krise Michael Dauderstädt und Ernst Hillebrand 1 Auf einen Blick Deutschlands Exportmanie schadet der Binnennachfrage, schwächt die Exportfähigkeit der EU-Partner, verschärft die Ungleichheit und ist eine der Wurzeln der europäischen Schuldenkrise. Hunderte von Milliarden aufgehäufter deutscher Überschüsse und entsprechender Defizite der EU-Partner müssen ins Gleichgewicht gebracht werden, um den Wachstumsprozess in Europa wieder in Schwung zu bringen. Dazu müssen Deutschland und die EU ihre traditionellen Wachstumsmodelle überprüfen. Deutschlands Aufschwung in den letzten Jahren wurde hauptsächlich durch das Exportwachstum getrieben. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass der Export-Weltmeister vor allem ein ExportEuropameister ist. Nicht nur gehen die meisten Exporte in die Nachbarländer und Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, sondern auch der Außenhandelsüberschuss entsteht zu etwa 80% gegenüber diesen Ländern. Die seit 2003 angehäuften Überschüsse im Warenhandel belaufen sich auf beeindruckende 833,9 Milliarden Euro(vgl. Tabelle 1). Selbst nach Berücksichtigung der Defizite bei Dienstleistungen (Tourismus) und sonstigen Zahlungen bleibt noch ein Leistungsbilanzüberschuss von fast 600 Milliarden Euro gegenüber den europäischen Partnern. Diese extrem hohen Überschüsse im Handel mit unseren europäischen Partnern sind in doppelter Hinsicht problematisch: Im Handel mit den neuen EU-Mitgliedsstaaten führen sie zu gefährlichen Strukturverzerrungen und krisenverstärkenden Ungleichgewichten. Im Handel mit den Ländern der EU-15 führen sie zu negativen Arbeitsplatz- und Lohneffekten bei unseren wichtigsten Handels- und Bündnispartnern. Handel mit EU-15 und innerhalb der Eurozone 90% des europäischen Handelsüberschusses Deutschlands entstehen im Handel mit den anderen Staaten der alten EU. In den letzten fünf Jahren hat Deutsch-
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