Die Parti Socialiste vor dem Parteitag von Reims(14.-16.11.) Die Lage in der PS ist kurz vor dem Beginn des Parteitags unübersichtlich. In Reims muss ein(e) Nachfolger(in) für den scheidenden Parteivorsitzenden Francois Hollande bestimmt werden. Allerdings obliegt es satzungsgemäß den Mitgliedern, bei einer parteiinternen Abstimmung am 20. November die endgültige Entscheidung zu treffen. Auch wenige Stunden vor der Eröffnung des Parteitags ist noch nicht klar, wer die Kandidaten für die Nachfolge Hollandes sein werden. Der letzte Termin für die Niederlegung von Kandidaturen ist der Sonntag-Morgen. Bei der Abstimmung über die Leitanträge( motions) der Parteiströmungen am 7.11. hatte der gemeinsame Antrag von Ségolène Royal und wichtigen Führungsfiguren großer regionaler Parteibezirke mit 29% die meisten Stimmen erhalten. Mit jeweils 25% landeten der Antrag des Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë- der das„alte“ Parteiestablishment um Francois Hollande und Lionel Jospin sowie einen Teil der „Strauss-Kahnianer“ hinter sich versammelt hatte- auf Platz 2. Ebenso viele Stimmen erhielt der gemeinsame Antrag Martine Aubrys, Laurent Fabius und eines anderen Teils der früheren Mannschaft Strauss-Kahns. An vierter Stelle kam, mit knapp 20% der Stimmen, der Antrag der Parteilinken unter Führung des Nachwuchspolitikers Benoît Hamon. Dieses Ergebnis stellte eine Überraschung dar. Allgemein war erwartet worden, dass Delanoë als klarer Sieger aus der Abstimmung hervorgehen würde. Das Ergebnis wurde in der Partei und den Medien folgendermaßen interpretiert: o Das alte Parteiestablishment hat eine schwere Schlappe erlitten; die Unterstützung durch Hollande und Jospin hat Delanoë mehr geschadet als genützt. Nicht einmal in Paris erhielt sein Antrag eine absolute Mehrheit. o Die Partei hat sich für eine Erneuerung und eine Verjüngung ausgesprochen; auf ihre Art repräsentieren sowohl Ségolène Royal wie Benoît Hamon dieses Verlangen der Parteibasis. o Der Vorsprung der Motion Royals ist zu gering, um daraus ein eindeutiges Mandat für die Parteiführung abzuleiten. Satzungsmäßig kommt der erstplazierten Motion der Auftrag zu, einen Kompromisstext zu erarbeiten. Dies wurde seit dem 7.November von Royal und ihrem Team ohne Erfolg versucht. Ihre Vorschläge wurden von den anderen Motions als ungenügend zurückgewiesen. Eher zeichnet sich ein Zusammengehen der Aubry-Motion mit dem linken Flügel ab. Wichtiger als die formal im Vordergrund stehenden inhaltlichen Fragen ist die Frage nach dem Parteivorsitz. Politisch und ideologisch trennt die drei führenden Motions relativ wenig. Erkennbare Unterschiede existieren allerdings hinsichtlich der organisatorischen Erneuerung der Partei; hier hat der Royal-Flügel Vorstellungen, die deutlich von denen der anderen Gruppen abweichen. Bisher hat nur Benoît Hamon seine Kandidatur aufrechterhalten. Royal hat ihre Kandidatur bisher noch nicht offiziell gemacht. Sie fürchtet bei einer zu frühen Festlegung
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