Juli 2009 direkt Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik Soziale Polarisierung in Deutschland – ein Mythos? Claus Schäfer 1 Auf einen Blick Die soziale Polarisierung in Deutschland ist leider kein Mythos, wie wirtschaftsnahe Kreise gern behaupten. Doch diese Beschönigungen beruhen auf verzerrten und veralteten Daten. Tatsächlich hat sich die Einkommens- und Vermögensverteilung in den letzten zehn Jahren massiv verschlechtert. Die sozialstaatlichen Systeme können diese Entwicklung nicht ausgleichen und beabsichtigen es oft auch nicht, da sie – z.B. bei der Rentenversicherung – dem Statuserhalt dienen. Viele sozial- und steuerpolitische Reformen haben die Ungleichheit sogar noch verstärkt. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft(IW) hat zuletzt mehrfach in Publikationen dem Sozialstaat eine überraschend gute Note ausgestellt, z.B.:„Einkommensverteilung – der Sozialstaat gleicht aus. Der Sozialstaat in Deutschland verhindert eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich“, so Titel und Einleitungssatz einer Pressemitteilung des IW von 2008 2 . Oder:„Umverteilung – der soziale Ausgleich klappt… Eine Studie des IW zeigt, dass die Gesellschaft den am schlechtesten Gestellten kräftig unter die Arme greift – und dass es vor allem die Gutverdiener sind, die die soziale Sicherung stemmen“, so Überschrift und Vorspann einer IW Veröffentlichung von 2009 3 . Soziale Ungleichheit – Illusion oder bittere Wirklichkeit? Diese Aussagen stehen in heftigem Kontrast zu vielen anderen. So hat die soziale Kluft laut letztem Armuts- und Reichtumsbericht 4 im Rückblick weiter zugenommen. Das jährlich erhobene Sozio-ökonomische Panel(SOEP) belegt einen kontinuierlichen Anstieg der Einkommens-Armutsquote von 1998 bis 2005. Selbst der Aufschwung nach 2005 hat die gewachsene Einkommensungleichheit so gut wie nicht gemindert 5 . Wie stark die soziale Polarisierung in
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