345 Inge Kießhauer Emil Ottocar Weller(1823 – 1886) „Ein ganzes Buch mit nichts als Titeln und doch – wie interessant, belehrend und unterhaltend!“ Welcher Bibliograph wünschte sich nicht solche Worte in einer Rezension zu dem Arbeitsergebnis seiner bibliographischen Mühen. Der Wiener Philologe J. M. Wagner würdigte im Jahre 1862 auf diese Weise eine bedeutende Bibliographie Emil Wellers, die„Annalen der Poetischen National-Literatur der Deutschen im XVI. und XVII. Jahrhundert“. Hier begründete Weller Aufgaben der wissenschaftlichen Bibliographie; er nannte sie die„Statistik aller Wissenschaften“ 1 . Wellers Bibliographien über die einst so vernachlässigte deutsche Volksliteratur sind heute zu Unrecht fast vergessen. Bekannt als„Weller“ sind seine Kompendien über falsche und fingierte Druckorte sowie über Pseudonyme, die zum Handbestand größerer Bibliotheken und guter antiquarischer Buchhandlungen gehören. 2 In engem Zusammenhang sind dabei seine Bibliographien über Socialistica zu sehen, in denen zum ersten Male Schriften von Marx und Engels verzeichnet wurden. Ihre Veröffentlichung zählt zu den bibliographischen Pioniertaten des 19. Jahrhunderts. Mit Recht gilt Weller als der erste deutsche Arbeiterbibliograph. Emil Ottocar Weller wurde am 24. Juli 1823 in Dresden geboren. Seine Eltern waren der praktische und Augenarzt Carl Christian Heinrich Weller, 1794 in Halle geboren, und dessen Ehefrau Berta geb. Baar1 Annalen der Poetischen National-Literatur der Deutschen im XVI. und XVII. Jahrhundert. Bd. 1., Freiburg i. Br. 1862, S. V. 2 Emil Weller, Index pseudonymorum. Wörterbuch der Pseudonymen oder Verzeichnis aller Autoren, die sich falscher Namen bedienten, Leipzig 1856; Ders., Die falschen und fingirten Druckorte. Repertorium der seit der Erfindung der Buchdruckerkunst unter falscher Firma erschienenen deutschen Schriften; Zugleich als der„Maskirten Literatur“ 2. Th., Leipzig1858. Überarb. u. wesentl. erg. Neuausg. v.„Katalog der seit dem 17. Jahrhunderte bis auf die neueste Zeit unter falscher Firma erschienenen Schriften“, Leipzig 1849; 2. Aufl. 1850.
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