Dezember 2009 direkt Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik Flächenkonkurrenz zwischen Tank und Teller Bernhard Burdick/ Frank Waskow 1 Auf einen Blick Das absehbare Ende der fossilen Rohstoffreserven und der einsetzende Klimawandel erfordern einen Paradigmenwechsel bei der Kraftstoffpolitik. Durch optimistische Szenarien und der Erwartung positiver Klimawirkungen angetrieben, setzten viele Staaten Förderprogramme für Biokraftstoffe in Gang, die einen Nachfrageboom nach Ackerflächen und Agrarrohstoffen auslösten. Anfang 2007 stiegen die Lebensmittelpreise weltweit stark an und lösten die gesellschaftliche Diskussion um Tank oder Teller aus. Mit der allmählichen Überwindung der globalen Wirtschaftskrise gewinnen diese Fragen erneut an Relevanz: Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung und des Klimawandels zeichnet sich ein allmählicher Anstieg der Rohstoff- und Agrarpreise ab. Beimischungsquoten und Förderprogramme sollten daher auf den Prüfstand. Politik und Ziele für Biokraftstoffe Mit den nationalen Biokraftstoffquoten sollen 6,5 bis 8 Mio. t. CO 2 im Jahr eingespart werden. Bis zum Jahr 2014 gilt eine Biokraftstoffquote von 5,75%, ab 2015 von 8% und bis 2020 von 10%. Hochgerechnet würde die Umsetzung dieser Quoten im Jahr 2020 eine Fläche von rund 3 Millionen Hektar beanspruchen, was etwa 25 Prozent der 11,8 Millionen Hektar deutscher Ackerflächen entspricht. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, bis 2020 europaweit mindestens 10% des Kraftstoffverbrauchs mit Biokraftstoffen zu decken. In der EU würden damit rechnerisch 17% der Ackerflächen für die Biokraftstoffherstellung benötigt, spätestens ab 2020 könnte der Bedarf nicht mehr allein durch eigenen Anbau, sondern müsste mit zusätzlichen Importen gedeckt werden. Mit Hilfe eines international anerkannten Zertifizierungssystems soll die soziale und ökologische Verträglichkeit des Biomasseanbaus in der EU und Drittländern gesichert werden. In die Bewertung sollen Umweltwirkungen des Anbaus, Änderungen der Landnutzung, Emissionsminderung, Wirtschaftlichkeit sowie Beschäftigung und regionale Wertschöpfung aufgenommen werden. Kernstück des Systems
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