RUSSLANDS PERSPEKTIVEN 04/2009 04 / 2009 "RUSSLANDS SICHERHEITSPOLITIK IN ZENTRALASIEN" Prof. Alexander NIKITIN Zusammenfassung: Die Politik Russlands in der zentralasiatischen Region entwickelt sich unter den Einfluss mehrerer Faktoren: Erosion des postsowjetischen Raums; das Manövrieren der Staaten Zentralasiens zwischen ve rschiedenen Macht-und- Einflusszentren; Umgestaltung des Systems der regionalen internationalen Organisationen; eine gewisse Rivalität zwischen O VKS und SCO; neue Akzente Russlands in der Innen- und- Außenpolitik seit 2000er Jahre. Die militärpolitische Präsenz Russlands in Zentralasien hatte in den letzen 20 Jahren keinen systematischen Charakter. Erst seit 2000- 2001 kam es zur Überein stimmung im gemeinsamen Militärprogramm. Zuerst wurde Kollektive Schnelle Eingreiftruppe(KSBR) formiert, die dann 2009 zu einer Gemeinsamen Eingreiftruppe(KSOR) transformiert wurde. Insgesamt bemüht sich Russland, eine bewusste politisch- militärische Zusammenarb eit in der Region wiederherzustellen. Zugleich hat die Interaktion mit der„Westkoalition“(den NATO- Kräften in Afghanistan) im Moment eher keinen systematischen Charakter. Zum Autor: Prof. Alexander NIKITIN ist Direktor des Zentrums für euroatlantische Sicherheit, unterrichtet an der Moskauer Staatlichen Hochschule für Internationale Beziehungen(MGIMO) beim Außenm inis terium der Russischen Föderation Die Politik Russlands gegenüber den Staaten Zentralasiens im Bereich der Gewährleistung der internationalen Sicherheit entwickelt sich unter den Einfluss mehrerer und mit einander verbundener Faktoren. Erstens vollzieht sich eine merkliche Erosion des postsowjetischen Raums: Die Faktoren der gemeinsamen sowjetischen Vergangenheit spielen bei der Gestaltung der aktuellen Politik vieler neuer unabhängiger Staaten keine bestimmende Rolle mehr. Für einige Staaten Zentralasiens, insbesondere für Usbekistan und Turkmenistan, deren innerpolitische Entwicklung einige Besonderheiten aufweist, bildet die Aufrechterhaltung der engen Bindung an Moskau keine Priorität mehr. Dort, wo Moskau noch vor kurzem als"natürlicher" Verbü ndeter galt, muss Russland nun mühsam um Einfluss ringen. Zweitens kommt die sogenannte"Mehrvektorenorientierung" – das Manövrieren zw ischen verschiedenen Machtund Einflusszentren(Moskau, Beijing, Teheran, Ankara, Brü ssel, Washington) – deutlich in der Außenpolitik aller zentralasiatischen Staaten zum Vo rschein. Dabei ist eine solche Mehrvektorenpolitik kein Ausdruck der unvollendeten historischen Wahl, im Gegenteil: Die Staaten Zentralasiens hegen keine Absicht sich in diesem Sinne festzulegen. Die Länder der Region sehen mehr Vorteile darin, intensivere Beziehu n1
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten