Idées pour une Europe sociale 1 FRANKREICH-ANALYSE Büro Paris www.fesparis.org Januar 2010 Die Parti Socialiste ein Jahr nach dem Parteitag von Reims Ernst Hillebrand Das vergangene Jahr war für die Parti Socialiste wenig erfreulich. Das Ergebnis der Europawahlen vom 7. Juni – 16,4%, gerade 0,2% vor den Grünen – war ein Schock für die Partei. In diesem Desaster artikulierten sich taktische Schwächen – eine widersprüchliche Haltung zu Europa und ein mediokrer Wahlkampf ohne Konzept – ebenso wie strukturelle. Keines der Probleme, die zum desaströsen Kongress von Reims im Herbst 2008 und der folgenden umstrittenen Wahl Martine Aubrys zur Parteivorsitzenden geführt hatten, konnte im Jahr 2009 gelöst werden. Immerhin ist die Partei in den letzten Monaten intern etwas zur Ruhe gekommen. Im Vorfeld der Regionalwahlen vom März 2010 ist das Spektakel der Selbstzerfleischung zunächst einmal vom Spielplan abgesetzt. Ungelöste Führungsfrage Die Autoritäts- und Führungskrise der Partei blieb auch 2009 ohne Lösung. Die Zweifel an der Legitimität des Aubry’schen Mandats wurden im September 2009 noch einmal in einem Buch über die PS in Erinnerung gerufen 1 . Die Parteiführung soll die Ergebnisse aus Lille, der Heimatstadt Aubrys, statutenwidrig zentralisiert und solange zurückgehalten haben, bis klar war, welches„Resultat“ aus den Sektionen Lilles Ernst Hillebrand ist Leiter des Pariser Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung 1 A. André/K. Rissouli,„Hold-uPS, arnaques et trahisons“, Paris 2009. notwendig sein würde, um den Sieg Aubrys zu sichern. Die Parteiführung ist gegen das Buch und seine Autoren nie juristisch vorgegangen. Die Behauptung, dass Ségolène Royals Niederlage das Ergebnis einer systematisch organisierten Manipulation des Abstimmungsergebnisses der Parteibasis ist – ein für eine demokratische Partei prinzipiell inakzeptabler Vorwurf – steht nach wie vor im Raum. Ausgestattet mit einem derartig schwachen Mandat, konnte Aubry die Partei weder disziplinieren, noch eine klar erkennbare eigene Linie durchsetzen. Die katastrophale Niederlage bei den Europawahlen hat ihr nur deswegen nicht das Amt gekostet, weil wenige Monate nach Reims niemand der Partei einen erneuten Führungswettbewerb zumuten wollte und sich keine ernsthaften Kandidaten um das Amt drängelten. Unterschwellig bleibt die Führungsfrage von der Frage der Präsidentschaftskandidatur überschattet. Weder Ségolène Royal, noch Dominique Strauss-Kahn, Laurent Fabius oder François Hollande haben ihre Ambitionen aufgegeben. Martine Aubry – deren Umfragewerte stetig am Steigen sind- versucht zunehmend, sich als„natürliche“ Kandidatin zu positionieren. Die im Moment schwächsten Karten hat vielleicht Ségolène Royal: von der Parteiführung ausgeschlossen, hat sie im Laufe des Jahres 2009 eine Reihe taktischer Fehler begangen, die ihre Position geschwächt und ihre Anhängerschaft dezimiert haben. Nur in letzter Minute und um den Preis eines öffentlich ausgetragenen Psychodramas konnte sie verhindern, dass sich der Europaabgeordnete Vincent
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